Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 48 (6.12.1918)
- Date
- 1918-12-06
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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9K 48 Vr.MEs 775 rechterhaltüng der Ordnung nach Galizien entsendet werden. -Bei sämtlichen Ententeregierungen wird nachdrücklicher Protest erhoben. Zionistische .Vertretung Zürich vollführt Weisungen des jüdischen NationalrateS. gewissenhaft. Seit zwei Wochen bin ich fortwährend unterwegs. Brett Holz. * * * Ellen 'Key und Gxorg Brandes! gegen die Pogrome D Polen. .Georg Brändes richtete an, eine vom zionistisch!-' sozialistischen Arbeiterverband Poale-Zion in Stockholm veranstaltete Protestversammlung gegen die Judenpogrome in Polen folgendes Telegramm: „Mit Wehmut und ohne Wirkung tzu erwarten, schließe ich mich dem: Proteste an. Ich! war (30 Jahre hindurch! Fürsprecher von Polens Unabhängigkeit, jetzt ist all meine Hoffnung auf die menschliche und freiheitliche Gesinnung des pol-i Nischen Volkes^ zusammchlgebrocheil." Ellest Key tele-l graphierte in gleichem Sinne. Der Veranstaltung wöhn-i ten zahlreiche Vertreter der schwedischen Oeffentlichikeit bei. Die Versammlung nahin eine Resolution an!, welche die schwere Schuld der polnischen Führer feststellt, ihre Bestrafung vierlangt und einen Mpipell an die Regierungen aller Völker richtet, sofort wirksame Maßnahmen zwecks Berhiirderung her Massenmorde und Plünderungen zu treffen. Diese iResolution wurde ^sämtlichen diploma-4 tischen Vertretern in Stockholm zugestellt. * * * 'Tie Vertuschungsaktion der Polen. . Dem „I. P. W." wird berichtet: Die Polen fetzgN alle Hebel in Bewegung!, imt im Ausland die PogroM- Nachrichten abzuschwächen. Ihre Preßbureaus verbreiten unwahre Nachrichten, nach welchem die Juden entweder auf ruthenischer Seite gegen 'die PoPn gekämpft oder sich als Bolschewisten betätigt haben sollen. , Nunmehr gehen im Aufträge der polnischen MachHaber Beamte zu iden. einzelnen Rabbinern, um sich von ihnen schriftlich bestätigen zu hassen, daß Merhaupt keine Pogrome stattaefunden hätten. Bei den jetzigen Verhältnissen sind die Rabbiner zur Unterschrift gezwungen. Die so erpreßten Bestätigungen sollen Alsdann im Ausland beweisen, 'daß die von..jüdischnationaler Seite betriebene AuMrungstättgkeit lediglich! auf Verleumdungen beruhe. * * * Für die Opfer in Lemberg. Von denk Äfraelitischen Hilfskomitee in Stockholm würde für die Opfer der PogroMe in Lemberg der Jft. Allianz in Wien telegraphisch eine Spende von 100.000 Kronen avisiert. Für den gleichen Zweck widmete Herr Emil Lederer, Wien, 50.000 Kronen. , Aiidifchr Ge««i«be- «ttfc all«emei«e Politik. Von kais. 3l*t Direktor Dr. Galomou Krenberger. " Line irg. et stuäio.! I. - i ■ -i .'Es sind nur die Wiener VerhältnEse, die in dieser sachlichen, aber voll Liebe für unsere Gemeinde und das Wohl unserer Gemeinschaft erfüllten Studie berücksichtiat werden sollen. ' - Da seit dM Gesetze Mm 2L. Mach 1890, betreffen^ die Regelung der Mßeren Rechtsverhältnisse der israeli--« tischen Religionstzesellsch,asten, und seft der Wirksamteft des auf diesem Gesetze -fußenden Statuts dier Wimer israelitischen Kultusgemeinde herrschende System wankt und wich, falls, sich die allgemetzren politischen Verhältnisse unseres Landes in der begonnenen Richtung wefter entwickeln, einer anderen Ordnung weichen. Das System war idem her anderen öffentlichen Gewalten angemessen und mit deren Sturz muß es auch fällen. Die Klagen gegen dasselbe hatten ffichj schlop in den letzten JährW gehäuft und waren von allen Seiten erhoben worden!. Es war die Vereinigung Mn Willkür und Plutokratie. Es duldete nur Nachahmer der Herrschenden in Wopt und Ton, in Führung und Gehaben. Nur liebedienerische Gefolgschaft war an der Leitung beteiligt. Die Verwaltung war voll Nepotismus, Damilienbeamtenschaft w.ar zu sehen, 'Egoismus Merwog das allgemeine Interesse. Nichts wurde leicht und schnell erledigt, Ilnftuchtharkeit und Aktenanhäufung charakterisierten die Verwaltung. Einen Oberrcchbiner wagte man Jahre lang nicht zu ernennen, bezw. einen Stellvertreter des Oberpäbbiners mit dem Rechße Mr Nachfolge. Dann ge? schah dies Hastig und unter Außerachtlassung der sonst so beliebten Vorsicht. Einen Schuliftspektor für den Religionsunterricht kann man auch seit geraumer 'Zeit nicht ernennen, obgleich dieser Unterricht eine sehr bliche tige und hauptsächliche Agende der Kultusgemeinde bildet. Für Kinderfürsorge, die jetzt und immer auch von Bedeutung ist, bringt pran trotz Besprechungen und Versprechungen keine 15000 Kronen im Jahre als Subvention auf. Auf anderer Seite aber ist man sehr frefe gebig. Hier große Gehalte, dort Engherzigkeit. Gesuche wegen Subventionen von! Tempelvereinen, die der Kultusgemeinde so viele Lasten abnehmen, liegen Wer ein Jahr zur Erledigung. Eingaben wegen Funktion der IKantoren Von Tempelvereinen hei bestimmten Leichenbegängnissen fanden in noch! längerer Zeit keine 'Erledigung. Der Ton geigen. -Parteien ist ungehörig. Es gab und gibt noch! kein Besprechen strittiger Fragen. Kategorisch wurde jede andere Meinung abgewrefen. Mft Zurechtweifen und Absprechen war Das Präsidium der Kultusgemeinde stets freigebig. Auch der Mus nach Anzeigen und Disziplinierung erscholl sehr oft. Gewiß ist jedem Mitglieds des Kultusvorstandes und der Verwaltung der beste Wille zuzusprechen, über die Methode war tyrannisch, däs System eines bnreankratischen, sich Werhebenden Polizeistaates. Die Herren des Kultusvorstandes haben sich 'fast ausnahmslos für mehr, für wichtiger 'und 'für wertvoller gehalten als die anderen Mitglieder der 'Gemeinde. Von 'Anerkennung der Steuerzahler, von Würdigung der Gemeindeangehörigen, ist keine Rede. Man hat seist Dezember 1914 Kooptierungen in den 'KultusvorstaNd vorgenommen, ohne den Schein des Parlamentarismus oder der Wahlmöglichkeit zu wahren, indem! man Vertrauensmänner oder die Tempelvereine jüber die zu kooptierenden Mitglieder befragte oder, genauer und unmißverständlicher gesprochen, indem man sie um Männer fragte, die kooptiert werden sollen. Nein, es bestimmten Beamte oder zwei oder drei höhere Beamte mit zwef oder drei Herren des Kultusvorstandes die zu kooptierenden Herren und Man hat noch jetzt, in der letzten Stunde vor Neu°- wählen, drei Herren 'kooptiert, von deren füdifchör Arbeit oder von deren Interesse für die Kultusgemeinde bisher kein Mensch! gewußt hatte. Die Folge wixd sein, daß gerade diese Herren Dei den Neuwahlen werden uber-- gangen werden. Von 'der -gleichen Rücksich,tslosigkeÄ gegen die misera plebs contribuens, gegen alles, was nicht 'Kultusvorstand ist oder zu dem engeren Kreise dieser hohen Herren gehört, ist vor allem das Statut erfüllt. Dadurch steht alles, was in der KultusgeweMde lebt und webt, unter Dem! Schutze und unter der Regreß rung der Kultusvorstände, vielmehr dessen Präsidiums und des VertreterkollegiuMs. Sie bestimmen nach eigeilem Ermessen die Subventionierung der Tempel-» vereine, obwohl das Gesetz vom 21. März 1890 ver-r