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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-12-06 · 48 (6.12.1918) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
48 (6.12.1918)
Date
1918-12-06
Page
– (sequence 6)
Language
German
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öeü* 774 Dr. BWM WochenUrm Nr, 48 hatten, Handgranaten. Auf der Straße wurde von den Soldat«: ihr Raub gantz ungescheut verkauft. An' den Räubereien nahmen auch! viele Zivilisten, darunter Polen der „Lestey" Gesellschaft, namentlich! viele "Frauen, teil. Legionäre drangen in Wohnungen ein und vergewaltigten Judenmädchen vor den .Augen' ihrer Mütter. Die Vorstellungen der Judenschaft beim polnischen Gouverneur blieben ganz erfolglos. .Er-gab zynisch zu, daß er dem Treiben der Soldaten nicht Einhalt gebieten Wune, da „es sich um Krakusen handle und diesen müsse man das Plürchern gestatten". Bis zum 28. Npvember waren in der Leichenhalle des Lazarusspitales 400 Leichen gesammelt worden. Die Zahl der Ermordeten beträgt Mindestens 1000. Die Polen gestatten nicht, daß Hie Opfer des Pogroms! zeln beerdigt werden, und haben verfügt, daß. die LxicheU in einem Massengrab beigelegt werde::.- Die Zahl der Obdachlosen wird auf 25.000 geschätzt. Die polnische Regierung hat zwar Hilfe für Lemberg und Vorkehrungen gegen eine Wiederholung ähnlicher Fälle zugesagt. Man traut aber ihren Worten nur wen:g. Die Juden von Stanislau, das' Wenfalls bM in die Hände der Polen fallen dürfte, fürchten, daß ihwen ein Lemberg bereitet wird. In Lemberg sagten die Le^' gionäre ungescheut, daß nun die Juden von Winnikil tmem Städtchen östtich Lembergs, däränkommen sollen, . Es ist M .all.diesen Berichten zu sagen, daß die führenden polnischen Politiker für Hiese Morde so zur Vewntwortung jzü zielM sind,!als wenn sie die BeMalitäten mit eigener Hand begangen hätten. Es' gibt da keinen Unterschied. Wenn die Entente den Wilhelm, den. Tirpitz und die anderen.Mörder aburteilen will, weil sie glaubt, daß die Organisatoren des Massenmordes' bestraft werden müssen, so hat sie in unseren Augsm recht, nur knüpfet: wir dayan den Vorbehalt, daß ftchl auch die Schuldigen auf der Seite der Entente vor'dem Völkergerichte zu vemntworten haben. Das gilt auch! für die m: Den Aemberger Vorfällen Schuldigen, die nicht in den 'Reihen irregeWrter, von' der SchlachtschitzM- Wirtschaft in tierischer Dummheit erhaltenen Soldaten, sondern bei der "polnischen Liquidierungskommission zu suchen sind, die den Pemberger Mord gewdchu vorbereitet hat. Sie verlangte von den Lemberger Jnddn, .daß sie sich gls Polen erklären sollten, um in Lemberg eine polnische Mehrheit herznstellen, und.als die Juden dies ablehnten, begann schon lange vor "der Einnahme Lembergs die Pogromhetze. Der Poglrom selbst wurde voM Kommandanten der polnischen Truppen, wie aus allen, Darstellungen hervorgeht, wenn auch; nicht angeordnet, so dochi begünstigt, so daß die L'iquidierungskommission zunächst gegen diesen Räuberhauptm-ann vovzngtzhen hätte. Das wird sie aber, trotzdem er unter ihsvem Kommarido) steht, nicht tun, weil sie allen Grund hat, eine öffentliche Untersuchung zu scheuen. Sie wird ihr aber nicht erspart bleiben. („Dev AbenH-") * . * Die Wiener MltuMmeinde pn Wilson. Die jüdische Kultusgemeinde Wien hat an Wilson fönendes Protesttelegramm gerichtet: „Der' VorstaW der Wieirer israelittschen Kultusgemeinde. richtet im eigener: sowie im Namen. Her übrigen jüdischen! GeMeind enj Dentschösterreichs an' Sie, Herr IPräsidertt, die aus! tiefster Deele der Juden Der ganzen Welt kommende Bitte, den ungeheuerlichen, himmelschreieMren! Vorgängen sn Galizien, der Niedermetzelung, Verbrennnn'g, Beraubung hilfloser und unschuldiger Männer, Frauen und Kipder .Einhalt zu gebieten. Die polnische Regierung! steht auch nacheigenen: Zugeständnis den Ereignissen machtlos gegenüber. Die Herstellnrg der Ordnung und die Verhinderung ähnlicher Vorkommnisse könnte nur m:t Hilfe entsprechend starker, in der Nähe Galiziens befindlicher Truppen d e r E n L e n L e erfolgen. Wir bitten Sie, Herr - Präsident, im Namen der durch! die Pogrome geschjän- ' beten Menschlichkeit unverzüglich einzugreifen. 'Vizepräsident Dr. Rappaport." Tier W:jedech>all in Schiwvden. - Der Vorstand der sozialdemokratischen Partei in Schweden,sandte an den polnischen Ministerpräsidenten 'Da s z y n sk i folgendes Telegramm: Es ist zu unsrer Kenntnis' gelangt, daß in d?er letzten Woche eine große Anzahl Judenpogrome in Westgalizien stattgesunden haben. . Wir sind überzeugt, daß Sie ihren großen Einfluß gnsbieten werden, um weitere Exzesse zu verhindern, um so Mhlr, gls unmenschliche HaMungen das Ansehen des Polenvolkes als. Kulturvolk ernst bedrohen.!Es muß in Hrem Interesse sowie in Hschn! Interesse der von uns mit "Jubel begrüßten Freiheit Polens liegen, die Rechte Her nationalen Minderheitjen im polnischen Gebiete zu schützen. In Vertretung der Parteileitung gezeichnet: Branting, Möller. De'r Vorstand erhielt darauf von. Herrn Digszynski eine telegraphische Antwort, in welcher Dgszynski die D eu't s ch. ö st e r r e ich. e r als U r h e b e r und Organisatoren Her Pogrome zdarstellt! Dias Überhaupt der schwedischen Stäatskirche Erzbischof S o ed erblpem in Upsala, ch!er auch Religionshistoriker und 'früherer Professor an der Leipziger Universität Weltruf genießt, telegrjapyiertje! -an den so-, zialistischj-^zionistischei: Arbeiterverband anläßlich! einer Protestversammlung gegen die Pogrome: „Leider verhindert, Ihrer Versammlung beiznwohnen, Will ich! hiemst m e i n e w a rm e Sympathie für den Zweck der Versammlung Mssprechen. Die Judenverfolgungen wären schon lange genug eine furchtbare Schande. Wenn sie von den Polen wieder ausgenommen werden, so Zeugt dies von >diner verbrecheiffchgn Verstocktheit, die nichts gelernt hat." * * * Polnisch^ D-ementirrnngsbersuW in Wllmlv. Eine -am 14. v. M. sn 'AmsterdM stattgefundene Protestversammlung gegen das empörende Vorgehen gegen die jüdische Bevölkerung war trotz der unruhigen Revoluttonsstimmung von Tausenden besucht. Auch! nach Rotterdam ist eine .große Protestversammlung einbernsen worden. Das Polnische Korrespondenzbnreau im Haag demHniiert alle jMachrichteN -Wer die AuKr schreitungen von pollrischer Seite und b^ichtigt vielmehr die jüdische Oeffentlichkeit Her Beschimpfung des jungen demokratischen polnischen! Staates. . . -/* * Entsendung amerikanischer UrrtersuchiungskoMmissionen. Zur. Untersuchung der galizischen Pogrome reiste von Bern: eine amerikanische Kommission ab?. Ans Budapest wird zum gleichen Zweck eine amerikanische Offi-i ziersdelegatton enffendet. Hauptsächlichsoll die polnische Behauptung nachäepvüft werden, daß die galizischen Juden bolschewikische Tendenzen propagieren. Luzem. (Telegra'm'm an „Dr. Blochs W o ch e n sch r i f t".) Wegen Pogrome in Galizien ist von der Schweiz aus alles aufgeboten, ÜM solche Greueltaten in Zukunft zu verhüten. Ich war Mit Dr. von S ch w a r z -H i l l e r ' bei amerikanischer Gesandtschaft Bern, habe ferner Professor H eron, Wilsons Freund, veranlaßt, sofort dem Präsidenten nachdrücklichst die Bitte vorzulegen, damit sofort aMrritamsche Truppen zur Auf-

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