Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 48 (6.12.1918)
- Date
- 1918-12-06
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 772 Dr, Moch's. Lar bleiben ruck sein GKückMis Än' Kreise der Gemeinde verewigen. Es Wen, als' ftoM'e;er> getragen «v-on Mn Wertrauerr des Vorsäuckes, einstmals in den Silen sterben. 'Das Geschick Hat es anders gefügt. Die Ereigüisse zu Ende des Kriegesdie mit der ÄmwÜtzuW der weiltpv-Wschchr'. Lage eücheogintzen, entfachten den Jmpchus 'seiner nationalen WÄrersacher. Kr 'konnte es nicht verhindenr, baß die Tore Aur Kultusstztbe sich, ihnen in breiterem Spalte öffneten, als ihm selbst willkommen war, waA aber im Kreise seiner Anhänger nicht durchwegs Abi- Wehr, sondern teilweift Nrßnnnterung gefunden hat. Es nutzte nichtsdaß er seinem ,Intellekt und seiner Ueb'erzeugung das Opfer von Konzessionen abgerungen hatte; er mußte übdanken, die Todeswunde im Herzen. Die Zurückbleibenden zierten ihn mih dem Beingmen emejs^ Ehrenpräsidenten, urä damit ist 'er rasch darnach in die Ewigkeit hinübergeschlummert. Nimmt man alles in allemso sonnen sich! seltne VorDge und seine Fehler zu einem eigenartigen plastischen BWe. Es trägt die Züge eines' gerechten UrtMsrn dem sichwohl Fetzche und Freunde begegnen werden und das da lautet: Dr. Alfred Stern war eine der hervorstechendsten Persönlichkeiten, die jemals den ersten Platz in der Seitenstettengasft eingenommen Haben. Er verdient sein Denkmal als starker, überFeuWngstreue.r' und vielverdienter Anwalt des Judentums!. Späteren« Geschlechtern soll es küjrrden, wenn sie schwach und warrkelmütig werden, daß an dieser Stelle ein umnkvegt mutiger mrd ausrechter Kämpfer süzr die Interessen unseres gvoßen jüdischen Gemeinwesens gewirkt hat Und! daß er ein Tragpfeiler diesesunter seiner zMbewußten Führung zur jüdischen Weltgemeinde erblühten Kulturzentrums war. Das Irrderrmordrtt i« KemderZ. Am 1. November proklamierte der ukrainische Nationalrat die' Uebernahmd der Negierungsgewalt in den ukrainischen Gebieten der ehemaligen österreichisch-ungärischen .Monarchie und am Abend desselben. Tages vernahm man bereits an verschiedenen Stellen der Stadt lebhaftes Gewehrfeuer, an das sich in wenigen Stunden ein intensives Maschinengewehr- und Geschützfeuer anschlotz. Um den Besitz der Stadl wurde dann drei - Wochen lang Zwischen Polen und Ukrainern mit aller Erbitterung gerungen. In dem' Augenblicke, da ich den ersten Teil dieses Briefes schreibe. Lombardiert die ukrainische Artillerie vom Franz Iosefsberg aus mehrere öffentliche Gebäude, die den polnischen Legionären als Stützpunkte dienen, die gegnerische. Artillerie bleibt die Antwort nicht schuldig, unmittelbar neben Meiner Wohnung wird mir Maschinengewehren und Handgranaten gearbeitet, und wen etwa die harte Notwendigkeit in diesen Tagen zuM Ausgehen veranlagte, der konnte von Glück sagen, wenn er Mit heiler Haut zurüäkehrte. Die wichttgsten Straßen sind durch Barrikaden und Schützengräben abgeschlossen. Leider sind zahlreiche Zivilpersonen als Opfer der Kampfe gefallen, und da sich diese vorwiegend in den von Juden stark bewohnten Stadtteilen abgespielt haben, ist die jüdische Bevölkerung — wie leider so oft — besonders hart mitgenommen worden. Die Juden befanden sich in einer um so mißlicheren Lage, als sie trotz der gleich am ersten Tage ausdrücklich kundgemachten und setther strikte beobachteten Neutralität den größten Schikanen seitens' der polnischen Truppen ausgesetzt waren. In den von . den Polen besetzten Stadtteilen wurde die jüdische Jugend gewaltsam' zuM Militärdienst gGwungen, jüdische Wohnungen in Wochenschrift Str. 48 brutalster Weise nach Waffen durchsucht, außerdem wuhdenvon den iM "Gefolge der. Polen kämpfenden irregulären Banden zahlreiche jüdische Kaufläden buchstäblich ausgeplündert und die. sich wehrenden Einwohner Mit Erschießen bedroht. Diesbezüglich beim.polnischen Nationallomitee eingebrachte mündliche und schriftliche Proteste blieben zuMeisterfolglos, so daß in den letzten Tagen NadiotelegramMe an Präsident Wilson und an das zionistische Bureau in Kopenhagen mit der Bitte um Abhilfe entsendet wurden. Eine garedezu segensreiche Wirksamkeit entfaltete die jüdische Miliz, die sofort am ersten Tage auf Initiative des jüdischen Nationalrates unter der Aegide eines aus sämtlichen jüdischnationalen Parteien und der Kultusrepräsentanz gebildetem Sicherheitsausschusses aus jüdischen Offizieren und Soldaten organisiert wurde. Die Miliz hat laut einem mit beiden kämpfenden Parteien abgeschlossenen Abkommen den Schutz der jüdischen Bevölkerung gegenüber den immer zahlreicher auftretenden Banditen übernommen, wobei ihr. aber fti- - lens der polnischen Truppen die größten Schwierigkeiten in den Weg gelegt 'wurden. Leider sind iM Kampfe mit den Banden mehrere Mrlizianten gefallen, so u. a. Leutnant Maximilian Staub und Korporal Korpus. Beide wurden mit großen Ehrenbezeugungen am 19. November vom Tempel aus bestattet. Die jüdische Miliz hat auch einen gut, funktionierenden Sanitätsdienst organisiert, ferner mit Rücksicht auf die gestörte Verbindung mit dem jüdischen Friedhof einen Notfriedhof errichtet und die Bestattung der während dieser Zeit in 'der ukrainischen Kampfzone verstorbenen Personen besorgt. Den Schwierigkeiten in der Verpflegung wurde durch. Organisierung eines ApprovisioniLrungsamtes teilweise abgeholsen. Mit einem Worte, alle in Betracht kommenden ' "jüdischen Faktoren waren rastlos bestrebt, die schwere Lage der jüdischen Bevölkerung nach Möglichkeit zu lindern, und fanden in dieser Hinsicht bei den Ukrainischen Behörden ziemliches Entgegenkommen. Es kam der 22. November. Den Polen war es. mit Hilfe erheblicher Verstärkungen aus Westgalizien gelungen, die ukrainischen Truppen aus der Stadt zu drängen. Dieser Augenblick löste unter der polnischen Bevölkerung großen Jubel aus, für die Mische Bevölkerung, aber begann eine Reihe von Schreckenstagen, denen gegenüber die Erinnerungen an Kischinew,-Hömel und ähnliche Episoden verblassen. Man Müßte auf die mittelalteri lichen Judenverfolgungen zurückgreifen, um ein Analogon für die schrecklichen Vorkommnisse rm Lemberger Ghetto zu suchen, bei bereu Schilderung jeder von uns das Blut in den Adern erstarren fühlt. Es wird erst nach Beendigung der im' Gange befindlichen Sammlung des 'gesamten Materiales möglich sein, die Einzelheiten dieser drei Tage dauernden, zuM^Teil noch später aufflackernden Pogrome zu schildern, heute seien nur einige allgemeine Momente festgehalten. Es ist vor allem eine über jeden Zweifel, feststehende Tatsache, daß die» Pogrome fett längerer Zeit geplant waren, s ie schlossen sich würdig an die bereits vor einem halben Jahre in Westgalizien begonnene Pogromhetze an. Man kann in dieser Hinsicht auf unzählige authentische Ohrenzeugen verweisen, denen gegenüber maßgebende . Personen aus dem' polnischen Lager Äußerungen gemacht haben, daß die Polen in kürzester Zeit mit den Juden gründlich abrechnen, ihnen einen Denkzettel geben werden. Die von.gewisser Seite, leider auch von pseudojüdischen Verrätern propagierte Ansicht, daß den Lemberger PogroMen Sympathiekundgebungen der Iudenfchaft.für die Ukrainer zugrunde lagen, ist iM Hinblicke auf die früheren blutigen Exzesse in Kongreßyolen und Westgalizien, wie auch die streng neutrale Haltung der Juden in Ostgalizien eine bewußt lügnerische Verleumd