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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-12-06 · 48 (6.12.1918) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
48 (6.12.1918)
Date
1918-12-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
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anfdsnZusaK oder -Erbarmen großmütiger Mächte. Die Polnischen Freikämpfer knatterten mit mehr patriotischen' Phrasen als deutsche nrrd Werreichische Heldenleich'an in >Galizien und -Kongreßpolen begraben liegen — und wo sichdie einen MiL hündischer Demut duckten, dsa durchbrachen die anderen mit Heuchelei oder bnttalejr Gewalt alle Schranken ethischen Handelns.. Undank und Verrat, diese alten Eigenschaften der Schlachtzizen, warben zchn Bestandteil des 'ganzen 'Volkes. Wäre Nicht die unendliche - Verwirrung der 'Gedanken und'der blinde Vernichtungstrieb, der die Volker,auMnander hetzt, die Menschheit käme untzweifelhast Es die wahre Natur dieses polnischen Barbarenvolkes. Lemberg wird hoffentlich! der .gesitteten Welt dix -Augen endlich! .öffnen und, wie es Massenmörder verdienen, dieses ganze Volk ,außer 'jeder Kultur 'steslen.- Möge es auch! Ausnahmen geben, jeder EingeweHte weiß ^s, daß hinter diesen räuberih'chien Horden dler polnischen Legionäre das ganze Volk stehe, und "wie sich die polnischen Dämchen und Honorarioren mit Wollust an den jOualsen hingeschlachteter Menschen und am Qualm brennender Synagogen weideten, so schmunzelt heute das ganze polnische Volk -über die gelungene Lehre, die es den -Juden zu geben vermeint. Unter Millionen fand sich! feist einziger, der mit dem Mannesmut eines Korolenko oder Miljukow den eigenen Brlidern das „J’accuse“ ob dieses Massenmordes ins Gesicht schleuderte. . . 'Aber es gibt wohl eine Gerechtigkeit^ und daß all die, die dieses Schlachten von Dausenden angeordnch und mit widerwärtigster Bestialität durchgesührt haben, vor den -Richterstuhl des Friedenskongresses gebracht und gebührend abgeurteilt werden, verlangt "' ' ' ‘ gesittete Welt, in "deren Mitte es heute Lotten und Hunnen keinen Matz mehr geben darf. Und wie wir -aus tteffter Ueberzeugung dem polnischen Staate kein Jahrzehnt politischer Selbständigkeit voran? sagen, La es früher nöch der Berachftmg und dem Elend verfallen, verschachert und verlottert, zerwühlt von innerem Hader tausender Parteien und gerschunden von enter Moral heuchlerischer Barbaren zugrunde gehen wird, so werden wir noch! vlon der Weltgeschichte gerechte Sühne erleben für dies gräßliche Menschenschlachten. Wir aber, Juden, die mit dem Gifte polnischer Kultur durchseucht sind! und in die innersten Tiefen der polnischen Seele eingedrungen, wir wollen nicht.ruhen und nicht rasten, bis wir de!r ganzen Welt den währen Kern polnischer Kultur und die echte Fratze polnischer Massenmörder offenbaren. --- Dr. JUfntfe Ktrr«. Von Dr. Heinrich Schreiber. Meine bescheidene Feder ist wohl verschitzdentlich diesem großen und gesegneten Weben gerecht geworden in Bewunderung urrd treuer Anhänglichkeit. Sie hat seine Gedenktage begleitet hier "und an Änderen, vijel gelesenen Stellen. Soll sie mi seinem Sterbetage trocken bleiben? Die Redaktion der „Wochenschrift" wünscht es nicht. So komme -ich denn ihrer Einladung nach!, ergriffen und in trauernder Njachdenktichkeit. Dir. >Alfred jShern hat es bis' zum Wrenpräsi- Der Wiener israelitischen Kultusgemeinde ge hochbetagter .Greis, dem Wesen und deims Miste nach As . zuletzt in voller Schaffensfreudigkeit und unermüdlichem Arbeitsdrang. An ihm war buchstäblich die Fülle dev Jahre spurlos PorüKergegangen. Viele, dG um ihst waren, nelbeu und unter ihm gewirkt hatten, sind GM vorausgegangen; sie waren rasch alt und kalt geworden. Er aber war und blieb der Alte und das will sagen, er wgr jung geblieben. Jeder -Aktion gewachsen, hielt er das Zepter, das ihm die Judenschaft und der von ihr gewählte Vorstand anvertrartt hatte, fest, mit starkem!, kundigen Griffe führte er das Steuer deir Gemeinde, bis Kn der große Sturm, m dessen WiGel auch die KultusgeMeinde hrneingeriffen ward!, dort seinem Platze fortwehte. Mit seinem lebensfrischen und lebensbejahenden Sinne hat er -es verstanden, den Dingen tmd.den Menschen -auf den Grrmdzu fchauenj, ihnen ihre Stärken und Schwächen abzula.uschen und sie seinen Ansichten und Absichten gefügig unddienstbar zu machen. Ihm w'ar das Sprüchlein vertraut: „Bist du nicht wipig, so brauch' ich Gewalt!"!, bald mit mildem, aber fühlbarem Zwange, bald Mit unnachgiMgem Drucke, unter dem der Widerspruch und der Widerstand verglomm, wie trockenes -Reisig in der Flamme sich verzehrt. Dieser kleine,, unscheinbare Körper trug einen steifen und unbeugsamen Nacken und einen klugen. Kopf. In Aeser Brust schlug ein starkes Herz, das .sich! wohl nicht verschloß den Regungen jüdischen Gemütes, das ssich aber frei hielt von jeder Empfindsamkeit^ das wohl Rührung kannte, aber keine Rührseligkeit, ^r war von Haus Ms Me Kampfe' Natur, die sich! im Streite wohl fühlte und an Oer Freude daran wuchs, wass dr As zur letzten Stunde bewiesen hat. Jhh stützte -ein scharfer Verstand, ejine gründfhängigkeit verleiht, und die langjährige intensive Beschäs tigr-ng mit allen Zlngelegenhetten der jüdischen Gemeinde befähigte ihn, ihre vielfachen Aufgaben, Pflichtenjkreise und Erfordernisse vollwerttg zu beherrschen. Alles dieses stempelte ihn zu einem maßgeblichen Faktor, der, au die erste Stelle -berufen, zu einermächtigen und einflußgebietenden, ja bis zuletzt unüberwindlichen 'Größe emporkam. Er konnte von sich sagen — urH hat es wahrscheinlich jauch so gemeint„DP Gemeinde Lin ich!"'. Er handelte darnach^ allerdings stets! kn den Formen der verfassungsmäßigen Grurwlagen/ die freilich wie weiches Wachs nachfeinem Willen geknetet und gemodelt wurden. In dem.Planetensystem der jMschent Gemeinde war er seit vielen Jahren der Brenrü» und Mittelpunkt, und wenn von Dr. Gustav Kohn, seinem! ersten, allgemein '.betrauerten Stellvertreter, em geistreicher Nachruf vermerkt hat, die Sonne der Gemeinde sei mit seinem Heimgänge erloschen, fo darf ohne Uebertreibung heigesetzt werden: selbst diese Sonne hat um Dr. Alfred Stern gekreist. -Er zog -alles in feinen Barm und nichts d-ürste fich -ihm' errtzPhen. Wer dies -abejr gleichwohl v ersuchte, der hatte bei ihmj.ausgespielt. Mochten ihn die Str-ahleyr feiner Gunsst vorMäls noch so warm beschienen haben, sie wichen alsbald dem kühlen Schatten der Hintansetzung. Seine Schöpfungen für die Gemeinde! waren großzügig erdacht und sind .auch vieilseilti'g zur Reife gelangt. Sie greifenin. jedes GebPt unseres großen jüdischen denten Der Wiener israelitischen KultusgemeiUde ge- Gemeinwesens ein. Tempel und Schulen sind Unter ihm bpacht, er, der rricht Mehr, aber auchnicht weniger seijn gewachsen, der nerie Friedhof ist erstanden, große Stiswollte, gls ihr Präsident. Den Verzicht tzuf den Präsi-^- turtgen find unter Gm ins Beben getreten; beträchtlhche denten hat er Mur um wenige Tage überlebt. ., AnläG-M Erweiterungen und Mehrungen haben die Wohlsahrtsentworfen und diese Skizze Mit den Worten geschloffen: Er ist einer jenen allen Gapde, die fiDbt, aber sich! nicht ergibt. -Nun -ist eir gestorben. Den 'Jahrer; nach stört Derer gewesen. Wo immer man Defn. Zielen der Gemeinde nachforschen mag, -überall sind 'die Spuren seiner fruchtbaren Tätigkeit sichtbar. Sie werden unverwrschj-

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