Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 47 (29.11.1918)
- Date
- 1918-11-29
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. -7 Tr. Bloch s Wochttlschrift Seite 763 lung aufmerksam und bitten sie, die Schüler vor dem Verlage und denX direkten Bezug der Schulbücher zu warnen. Karden Ln antisemitischer Nekenchtung. Die antisemitlsche Presse unter Vorantritt der „Deutschen Zeitung" beehrt gegenwärtig Marimilian Harden Mit ihrem besonderen Hast Wir haben kerne Veranlassung, uns .gerade dieses Mannes anzunehmsn,, Weisen aber nach dem Verdikt, das die Z entralv ereinso ersammlung über die Abtrünnigen gefällt hat, bei. dieser Gelegenheit nochmals darauf hin, daß nicht selten diejenigen, die Verrat an uns begangen Habens, zuletzt von ihren eigenen Gesinnungsgenössen verleugnet Werden. Die „Deutsche Zeitung" brandmarkt Harden als „Handlanger Wilsons", sie schreibt: „Harden chat so ziemlich alle Reklame-Wandlungen durchgemacht, die ein Jude von der Isidor Wittkowsky schen Besch afffenheit sich nur irgend leisten kann, um Geschäftsschriftstellexeir zu treiben. Angefangen hat er mit der Politik für den gestürzten Fürsten Bismarck, weil diese feinerzeit das einträglichste Zu sein schien, und ist dann schließlich, als alle Welt seiner überdrüssig ,zu werden drohte, dazu ubergegangen, durch schamlose Besudelungen des Landes, das ihn noch immer duldet, um die GuNst des feindlichen Auslandes zu buhlen, dabei zugleich bedacht, sich wenigstens die international-alljudisHe Gönnerschaft zu sichern, obwohl er ehedem als getaufter Jude in allerlei antisemitischen Farben geschillert hatt^." Die erste zionistische Regierung. Aus. Konstantinopel wird gemeldet, daß sich in Palästina die erste zionistische Regierung gebildet hat. Das Kabinett hat folgende Zusammensetzung : ' Ministerpräsident: Brandeis. Auswärtige Angelegenheiten: Dr. Mar Nord au und Schriftsteller Israel Zangwill, Landesverteidigung: Goldschmied, Inneres: Ehajkm'Sokolow, Finanzen: Albert v. Rothschild. Justiz: Mandelstank. Oeffentlicher Unterricht: Oppenheim. - Landwirtschaft: O ch o w s k y. Vom Jahrmarkt des Lebens. Antisemitisches von der Präger deutschen Universität. .. In. der Aula der deutschen Universität in Prag war zwei Tage lang der in Karlsbad verbreitete deutschradikale Aufruf angeschlagen, der zu Feindseligkeiten gegen Juden und andere „Fremdlinge" auffordert. Sein Inhalt entspricht dem Tatbestand des § 302, Strafgesetz. Erst nach zwei Tagen wurde das antisemitische Pamphlet beseitigt. — Wir erfahren, daß der akademische Senat jüdischen Studenten die Erlaubnis verweigert chat, am Schwaben Brett eine Einladung .zu einer Studentenversammlung anzuschlagen. Diese zwei Tatsachen rönnen zusammen am besten so charäkterisiert werden: zeitgemäß und sehr demokratisch. ' Tschechen und Jude». In der Prager „Union" richtet im Leitartikel unter dem-Titel „Zur Iudenfrage" Dr. I. Traub folgenden Appell an die tschecho-slowakische Nation: „In der letzten Zeit haben sich bedenkliche Anzeichen für das Anschwellen der antisemitischen Welle im böhmischen Volke gezeigt, darum begrüßte wohl jeder ehrlich Denkende den Mahnruf des Abgeordneten Klofac vor seiner Auslandsreise. Wahrlich, ein gewissenhafter Hausvater, der vor seiner Entfernung alle Vorbereitungen trifft, damit das Haus gut bestellt werde. Seine Weisungen wirken um so eindrucksvoller in seiner Abwesenheit. ALg. Kkofac hat sich vom Antisemitismus vor Betritt des Schweizer Bodens losgesagt, für unsere Repräsentanz gewiß nicht ohne Bedeutung und eine doppelte.Freude für den Parteigänger, da es den Aufstieg der Partei von den Anfangsformen eines häßlichen Antisemitismus bis zu den lichten Höhen der Humanitätsideale klar vor Augen fuhrt. Der Antisemitismus mag eine Einzelerscheinung verbleiben, der Masse des böhmischen Volkes. geziemt er nicht, da er im hellen Widerspruche sowohl Nnt dem Ideerrplatze der böhmischen Geschichte, wir mit dem geläuterten sittlichen Born der nationalen Zukunft steht. In der alten, man kann fast sagen individualistischen Staatenordnung war es stets ein mißlich Ding, in die inneren Verhältnisse eines Staates einzugreifen. Die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika trug dennoch keine Bedenken, die Protestkundgebung der amerikanischen Iudenschaft gegen den PogroM pon Kischenew dem Mlzen Zarenreiche auf diplomatischem Wege zu überreichen. Groß ist unsere Dankesschuld an Amerika für unsere staatliche Selbständigkeit. Sollten wir es etwa damit lohnen, daß uns Amerika wegen der Iudenfrage zurechtweist? Der Weltkrieg wird Großrumänien und dis Befreiung.der rumänischen Juden hervorbringen. Sollte bei uns vielleicht die Befreiung im' umgekehrten Verhältnis zu der Freiheit der Juden stehen, sollte die Stärktmg der staatlichen Machtmittel in den Dienst der Iudenknechtung gestellt werden, wie es in Oesterreich der Absolutisf! mus um 1850 in Bereitschaft hatte? Das wäre kaum die richtige Stellungnahme zu dem Selbstbestrmmungsrecht der Völker, zu dessen Bestandteil auch die Iudenfrage gediehen ist. Reben dem böhmischen, südslawischen und polnischen Staat soll auch ein Iuden- 'staät, der Traum' Herzels, errichtet werden, und ht dem Völkerbunde wird sonach auch der jüdische Volksstamm eine verbrüderte Nation sein. Soll nun da im eigenen Lande die Verbrüderung so schwer fallen» die Vrchilickys schwungvolle Verse herbeisehnen? Die Geschicke beider Völker ähneln einander nicht wenig, beide bieten das tragische Bild religiöser und nationaler Verfolgung, verbunden mit harter Vertreibung von Scholle und Herd, -beiden hat da Verwirklichung einer und derselben Idee der religiösen, bürgerlichen und nationalen Gleichheit ein erträglicheres Dasein gewährleistet. Die französische Revolution befreite in ihren Folgeerscheinungen zum erstenmal die Juden ebenso, wie die anderen Völker. Die böhmische Reformation beruht auf demselben religiösen Rationalismus, wie das Judentum, und diese Uebereinstimmung erklärt den hervorragenden Anteil der jüdischen und protestantischen Völker an dem wirtschaftlichen Aufstieg zur kapitalistischen Gesellschaftsordnung, welche als Vollendung des individualistischen Liberalismus einen gewaltigen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fortschritt an sich und als Ursache des Sozialismus und Uebergangsfarm zu einer kollektivistischen Gesellschaftsordnung tM besonderen darstellt. Gerade, weil der religiöse Ratio- " naliSMus in Böhmen infolge der nationalen Katastrophe nach dem Weißen Berg in seiner unmittelbaren Wirksamkeit unterging, sind die Juden als Träger des. für die Belebung des gesellschaftlichen, vornehmlich des Wirtschaftslebens. so segensreichen religiösen Rationalismus von größter Bedeutung, und ihre organische Angliede -ung an unsere Volkskräfte, zu einem nicht unerheblichen Teil bereits erfolgt, kann nicht hoch genug angeschlagen wer' den. Die Gemeinsamkeit der Geschicke erklärt aber auch