Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 47 (29.11.1918)
- Date
- 1918-11-29
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Nr. 47 Seit» 764 ' Dr. Blöch's die beiderseitigen Charakterschwächen. Die Knechtschaft und das Korruptionssystem! sind eben kerne Brutstätten moralischer Größe. Das Verhältnis der Inden zur Macht, wenn auch kein erbauliches.Kapitel, wird dennoch durch die großen Leistungen der Mischen Freiheitskämyse reichlich aufgewogen, und wozu leugnen, daß der böhmischen positiven Politik es gesünder gewesen wäre, ihre Haltung etwas nach jüdischem! Muster einzurichten, wie das Vorbild der österreichischen Polen lehrt. Die Judenfrage ist, ebenso wie die böhmische Frage, eine sittliche Frage, und für die Lösung beider kann es wohl bei uns keine günstigeren Auspizien geben, als das Wiegengeschsnk des auf den TrümMern der alten nichtswürdigen Ordnung geborenen böhmischen Staates: die Freiheit aller bei vollkommener Vorurteilslosigkeit." Mfsaktion der „^raeliüschen Allianz" für die Opfer der PogroMe. Die „Jsraelittsche Allianz" zu Men hat Anfang November, sofort-mach Einlangen der ersten Nachrichten über die blutigen Pogrome in Westgalizien, sich an die polnische Gesandtschaft Mit dem dringenden Ersuchen gewandt, daß auf telegraphischem Wege bei den gegen- ' wärttg für die Sicherheit des Lebens und des Eigentums rM Gemete des polnischen Staates verantwortlichen Regierungsstellen die Gewährung eines tatsächlichen und ausreichenden Schutzes für die Mische Bevölkerung veranläßt werde. Die „Allianz" hat auch durch die neutralen Lander nach AMerika um dringende Intervention gekabelt, haNnt den Grausamkeiten / gegen die Juden ein Ende geMächt werde. Am den unglücklichen Opfern der Verfolgung, welche in Ehrzanow, Zator, Brzesko, Kolbnszowa, Mielec, Dukla, Nozwadow, Brzozow und in zahlreichen anderen Orten durchs die Plündererbaüden ihrer Habe beraubt und ohne Obdach, geblieben sind^ rasche HUe zu gewahren, ist; der Sekretär der „Jsr. Allianz" mit einem Empfehlungsschreiben der polnischen Gesandtschaft nach Krakau und Tarnow gereistz wp Zentralkomitees zur Linderung der Not der jüdischen Bevölkerung in den durch die Exzesse bettoffenen Orten eingerichtet wurden. Die „Isr. Allianz" hat einen namhaften Betrag für die erste Hilfe zur Verfügung gestellt und der Delegierte derselben, Dr. Armand Kaminkch intervenierte Lei der polnischen LiquidattonskomMission, daß .den Opfern der Unruhen auch aus staatlichen Mitteln Mfe gewährt werde, da die private Wohltätigkeit bei weitem nicht ausreiche, um auch nur die momentane Not wirksam zu lindern. Graf Lasocki, der die Agenden der Landesverwaltung in Galizien führt, zeigte, ein großes Entgegenkommen für das Hilfswerk und versprach, bei der Liquidationskommission zu erwirken, daß den durch die Erzesse in Not geratenen Personen eine Unterstützung aus Landesmitteln im Ausmaße der früheren Flüchtlingsunterstützung, d. i. 2 K. pro Tag und Kopf, gewährt werde. Ebenso sicherte er Herrn Dr. KaMinka zu, daß 329 galtzisch-jüdische Waisenkinder, wUche nach einer Zuschrfft der ehemaligen k. k. Bezirks-i hauptMannschaft in Nikolsburg von dort nach Kräkau abgeschoben werden sollten, von der polnischen Liquidationskommission bis auf weiteres in Schutz und Fürsorge genommen werden würden, und daß, falls die tschechischen Behörden einwMgen, die Waisenkinder, um fie nicht in dieser rauhen Jahreszeit ins Ungewisse hinauszufchicken, für die nächste Zeit im Lande zu behalten, von Galizien Beitrage für den Unterhält derselben gesandt werden würden. Wochenschrift Die von der „Allianz" errichteten Zentralkomitees, welche natürlich die staatliche Unterstützung der Notleidenden überall voraussetzen Müssen, werden nach Möglichkeit der augenblicklichen Not entgegentreten, aber es ist selbstverständlich, daß eine gerechte Entschädigung, den zumeist dürch die polnisch-ruthemschen Kämpfe grausamen Plünderungen preisgegebenen Mischen Zivilbevölkerung zu den Anforderungen gehören wird, welche anläßlich der FriedenSverhändlungen an den polnischen Staat gestellt werden Müssen. Die tschechoslowakische Gesandtschaft in Wien har der „Mlianz" eine wohlwollende Behandlung der Angelegenheit. der Waisenkinder in Nikolsburg in Aussicht gestellt.? i / :i r I. i! Das nngarischx Judentum Dr die Jntrgrftül des - nngarischM Staates. l Budapest. <Jm Sinne des Beschlusses der Vollversammlung der ungarischen jMschen Gemeinden hat die LjlMd'esvrganisation folgerte D>epesche an die fühlrendeln Judengemeinden und -orfanisationen Frankreichs', Italiens, . Englands! und' Amerikas sowie an die hervorragenden Mischen Persönlichkeiten des Auslandes gerichtet: V „Die lernt 6. November 1918 in Budapest abgehaltene Vollversammlung der israelitischen' Gemeinden Ungarns' wendet sich im! Bewußtsein des heiligen^ unzerreißbaren Bandes, das sie Mit der ungarischen Nation verbindet, und voll unverfänglichen Djankes für den weithin leuche tenden Freisinn, den die ungarische Kation stets für die Rechte ihrer Bürger Mischer Konfession bekundet hat, in gliaubensbrüderlichem' Verttauen und! in mit der Herr bangen Seelen einer Million üngarischer "Juden entsprossenen Bitte an Sie, die auf Ven 'Frieden und auf den staatlichen Wiederaufbau unserer Nation und auf die Äufrechterhältung! ihrer territorialen Integrität abzielende Tättgkett der demokratischen ungarischen Regierung bei Ihrer Staatsregierung mit aller Kraft unterstützen zu wollen. Seien Sie dessen eingedenk und' lassen Sie sich bei Ihren Schritten von dem Bewußtsein durchdringen, daß, unser Schicksal nach der Zeugenschast der Geschichte untrennbar mit dem - Geschicke der freiheitliebenden ungarischen Nation verknüpft ist und! daß die Zerstückelung des tausendjährigen Ungarn eine schwere Verletzung der Gefühle und der" Dafeinsinteressen der ungarischen Juden bilden würde. Gott segne Ihr verständnisvolles' und> helfendes glaub ensbriwerliches' Merk. Möge es der Men ungarischen Natton und der ausgleichenden GerechUgkeit zum Heile dienen. Djas' Präsidium der Vdllversammlung: Ludwig Adler, Baron Mols Kohtzer, Moritz Mezei, Dr. Franz Mezey, Dr. Albert Sizekely, Franz Szekely, Baron Mols Ullmann, Baron Manfred Weiß, Julius''Winterberg." AllgeimÄne PrieWrsitznng i.n. Meßbnrg. P o z s o ny. UM die schwere Arbett des hiesigen Nationalrates tunlichst zu unterstützen, versammelten sich ' kürzlich, iM christlichsozialen Verein (Präsidialzimmer) sämtliche geistlichen der Stad! t Pozsony ohne Unterschied der Konfession. Cs wurde zum Beschluß erhoben, daß sämtliche Geistlichen, ohne Unterschied, in ihrem! nächsten Gottesdienste die 'Gläubigen erinlahnen werden, ynx Aufrechterhültung der allgemeinen Ruhe und! des Friedens! beittagen zu wollen. Gleichzeitig werden die Gläubigen ersucht, zur Unterstützung des durchzieherwen Militärs Natural- und Geldspenden dem Nationalrat zukommen lassen zu wollen. Die interkonfessionelle Priesterschaft will derart mit Wort und'