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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-11-29 · 47 (29.11.1918) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
47 (29.11.1918)
Date
1918-11-29
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 758 Tr GLsck'S tärs und der MW feindselig ist. Als Beweis für .die Gesinnung der Polen diene die belegte Aeußerung des polnischen Arztes Dr. Jankowsktz der, zu einem Schwerverwundeten ins Theater gerufen, sich von ihm ohne klnterjüchung, obwohl er noch am- Leben war, mit den Worten: „Schon krepiert!" entfernte. * * * . Andenmicheleien in Warschau. Das Jüdische Preßbureau in Stockholm' erhielt aus Berlin aus zuverlässigster Quelle folgende dringende Depesche vom 15. November: „Aus Warschau kommen furchtbare Nachrichten. Im. Judenviertel Warschaus fanden entsetzliche Judenmetzeleien statt. Unter dem Vorwände des Kanrpfes gegen den BolschevisMUs fuhren die polnischen reaktionären Parteien und die polnischen Legionäre einen Vernichtungskrieg gegen alle Atlassen der jüdischen Bevölkerung. In Warschau ist in den erwähnten Metzeleien eine sehr grobe Anzahl von Juden umgekommen. In ganz Polenherrscht die gefährlichste Pogromstimmung. Auch in der Provinz sind viele Tote zu beklagen. Die Lage wird immer schlimmer." * * * Die PlunderÄnsen in Ung.-OWa. An den verehrlichen Landesverband der Kultusgemeinden Mährens, zu Händen des Herrn Dr. Hilf, Mähr.-Ostrau. Ueber Ansuchen. der hiesigen Kultusgemeindevorstehung gebe ich Ihnen folgenden wahrheitsgetreuen Bericht über die Vorkommnisse, welche sich feit 29. v> M. hier, in der nächsten Umgebung und in .der benachbarten ungarischen Slowakei abspielten. Seit obigem Datum hörte man Tag für Tag Von AuspLnderungen von Juden iM Ung.-Osiraer und llng.- Brodaer Bezirk und in sämtlichen Dörfern der benachbarten ungarischen.Slowakei. Nach diesen baten wir, Herr SaM. Adler, Bürgermeister der hiesigen autonomen Judengememde, Herr Frantisek Student und der Unterfertigte, nachdem die Plünderer uns ohne jede Scheu Kunde schickten, daß sie uns demnächst, nachidem sie mit den Dorfjuden fertig geworden sein werden, besuchen werden, den BürgetMeWr der Christenstadtgemeinde Ung.-Ostra, Herr Notar Dr. Josef Togner, er Möge rechtzeitig, ehe es Zu spät wird, Sicherheitsvorkehrungen treffen und auch Militär aus Hradisch oder Brünn dringendst erbitten. Das' wäre ohneweiters geschehen, da — nachdem die Plünderung in meiner Wohnung und in den Geschäftslokalitäten meiner Nachfolger gründlich^ durchgeführt war auf , telephonisches Ansuchen des hiesigen Bahnstationsvorstandes — demnach einer Privatperson — binnen wenigen Stunden etwa 70 Mann Militär tatsächlich hier einrückte. Die Ausplünderung geschah aM 6. d. M. von 2 bis 5 Uhr nachmittags. Unser erstes Ansuchen an den' Bürgermeister Togner um rechtzeitige Sicherheitsvorkehrungen, welches wir täglich imMer wieder bittend und auf die jedermänn bekannte Gefahr verweisend, wiederholten, erfolgte am Dienstag den 5. d. M., und — wie gesagt — immer wieder vergeblich. Sogar aM! Samstag um 8 Uhr vormittags', als der Bürgermeister Mit Herrn Dr. Krizek, Bezirksrichter, aM Marktplatz promenierte, machte ich ihn nochmals auf die große Gefahr aufmerksam. Vom Bürgermeister erhielt ich überhaupt keine Antwort Mehr, während Herr Dr. Krizek Mich zu beruhigen trachtete, worauf ich ihm, die Situation erkennend, erwiderte: „Morgen um dieselbe Zeit sprechen wir wieder." s, Freitag den ß. d. M.. abendsi, sollen — nach. Angabe des Gemeinderates P a r i z e k — etwa 80 Men- Wschenjchrift Nr. L7 scheu aus deir uiNliegenden Dörfern versucht haben,. in die Stadt emzudringen. Diese sollen vom Genannten und Bürgermeister Togner mit dem Versprechen heimgeschickt worden sein, 'Meine Nachfolger werden aM Samstag den 9. d. M. einen totalen Ausverkauf durchführen. Infolgedessen kämen am Samstag früh etwa 20 Frauen aus den umliegenden Dörfern, welche, sehr leicht zu bewegen gewesen wären, ruhig nach Hause zu gehen. Das geschah jedoch nicht, und wir wurden voM Gemeinderat Parizek und Bürgermeister Togner gezwungen, den Ausverkauf zu eröffnen. - Bis Legen 3 Uhr nachmittags wurde „verkauft", und die Leute zahlten statt beispielsweise 300 K. 10 bis 20 K. oder gar'nicht, nahmen einfach Wären nach Belieben und gingen ihrer Wege. Etwa gegen 3 .Uhr nachmittags würden plötzlich-' die Geschaftstüren eingedrückt und das ganze Lager entweder meist geraubt und in die Dörfer vmschleppt oder auf den Marktplatz geworfen und zertreten. Das Geschäftskokal, das Bureau, die angrenzenden RäüMe und der Marktplatz waren fußhoch Mit zertretenen Waren bedeckt. Von den unteren Geschäftsräumen gelangten die Plünderer in meine Wohnung, wo sie ebenfallsnach Herzenslust aufräumten. Der Schaden Meiner Nachfolger dürfte nach genauer Zusammenstellung, soweit sie eben möglich ist, etwa 800.000 K. betragen, Meinen Schaden kann ich noch nicht angeben, weil wir täglich und stündlich Mehr und Mehr Gegenstände vermissen, die uns geraubt wurden. Sonntag früh kaM das telephonisch herbeigerufene Militär, welches frts jetzt Wache und Ordnung hält, jedoch schon wieder abrückt, worauf wir wieder der Raublust unserer lieben Landsleute preisgegeben sind. In den Bahnen, auf den Straßen, in den Zeitungen und bei-sämtlichen Stellen und Behörden erfahren wir, daß Man gar nicht willens ist, uns Juden zu schützen-. Viele sägen es ganzungeniert, viele lassen es sozusagen zwischen den Zeilen lesen. Das ist unsere Lage, und so verleben wir in schwerer Angst und Sgrge unsere Tage und' Nächte. 1 ■! Soeben. 6 Uhr abends, langen jüdische Flüchtlinge aus Verbocz und Etzacsv an. Dort wurden sämtliche Juden ausgeplündert.. Die Zeitungsberichte sind insofern.falsch, als bisher Meines Wissens noch in keiner einzigen Stadt Mährens ähnliches wie in Ung.-Ostra MortaM, sondern Plünderungen und Verwüstungen jüdischen Eigentumes nur in den Dörfern stattfanden, weil eben sämtliche Stadtvertretungen m pflichttreuer Weise und in politischer Reife, die Ehre der tschechischen Nation wahrend, Kelbewußt die notwendige Vorsorge m ausgiebigster Art rechtzeitig trafen. Auch hier wäre es ehrlichem Willen und reifer Emsicht kinderleicht gelungen, die unauslöschliche Schande der - Stadt Ostra zu ersparen. (Der NaMe des- Einsenders ist der Redaktion bekannt.) * . * : - . * , Der Mische Selbstschutz, in Krakau. Das Jüdische Preßbureau in Stockholm meldet: - In Krakauhat sich ein jüdischer Nationalrat gebildet, der sich als' die einzige legitime Vertretung dev jüdischen Bevölkerung der Stadt konstituiert hat. Dem jüdischen Nationalrat gehören Vertreter der bürgerlichen Zionisten, der Poale-Zion und der jüdischen sozialdemokratischen Partei an. In einem Aufrufe an die jüdische Bevölkerung setzte der jüdische Nationalrat seine Plattform auseinander und betonte mit besonderem Nachdruck die Forderung nach nationaler Selbstverwaltung für'die Juden.

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