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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-11-29 · 47 (29.11.1918) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
47 (29.11.1918)
Date
1918-11-29
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 47 Dr. Bloch's Wochenschrift Veite 757 Leichen. Es waren dies jedoch nur Leichen von Leuten, die entweder aus den Fenstern gesprungen oder auf der Straße totgeschlagen worden waren. Die brennenden und zuM Teil schon vollständig. Niedergebrannten Hauser bergen zweifellos noch Hunderte von Leichen. ' >- Mindestens 2000 bis 300V Tote. Nach Schätzungen von ruhig denkenden Leuten belaufen sich die Ziffern der Toten auf Mindest e n s z w e i - bis dreitausend Erregtere Gemüter sprechen von ach t- bis zehnt a u send Toten. Die IaMMerszenen, die ich im' Ghetto miterlebt habewaren zuM Steinerweichen. Durch die brennenden Straßen liefen verzweifelt, alte Männer, Frauen und Zinder, die nach ihren Vermißten schrien oder mit Bündeln auf dein Rucken einen Ausweg aus dem Ghetto suchten, um irgendwohin auszuwandern. Die Legionäre, die nunmehr die ,-Aufrechterhaltung der Ordnung" übernommen halten, perhinderten jedoch die Leute, am Verlassen des Ghettos. Viele Tausende von Menschen sind bei einem Nachtfrost von 15 Grad Celsius unter Null iM. Freien liegen geblieben, da die verhältnismäßig wenigen Häuser.; die nicht in FlaMmen standen, nicht genügten, um ihnen Obdach zu^gewähren. Räubereien der Soldaten. Abgesehen von diesen furchtbaren Pogroms, durchzogen . weitere sogenannte Patrouillen auch die Stadtviertel der Wohlhabenden, uM an g e s eh en e jüdische Familien zu brandschatzen. Es wurden den Leuten SuMMen, die zwischen 100 K. und 50.000 K. schwankten, abgenoMMen, und das alles mit vorgehaltenem Bajonett oder Revolver. , Ich selbst war Augenzeuge, wie aM Samstag vormittag in der vornehmsten Straße Lembergs, der Karola Ludwiga, das Konfektionsgeschäft Fell er von Soldaten aufgebrochen und ausgerüübt wurde. Männer und Frauen der „Vesten" Gesellschaft Lembergs schauten dem Treiben der Soldaten zu und klatschten ihnen laut Beifall. IM ganzen Ghetto, das einen beträchtlichen Teil Lembergs einnimmt, gibt es kein einziges Geschäft, das nicht vollständig ausgeplündert worden wäre. Abgesehen von den blutigen Verlusten, sind mindestens 20.000 bis 30.000 Personen an den Bettelstab gebracht. Nun wendet die polnische Negierung alles an, uM einen Schleier Wer das furchtbare Geschehnis zu breiten. * * Ueberall Pogrome. Die in Krakau erscheinende Tageszeitung „Nowy - Dziennik" teilt aM 7. November d. I. unter der Ueberschrift „AeberaN PogroMe" folgendes Mit: Aus verschiedenen Ortschaften Mittel- und Westgaliziens gelangen Nachrichten Wer Judenpogrome. Aus Trzebiuia, Dobra bei Limanow (40 jüdische Familien geplündert), Kolbuszo w (der Pogrom' brach aM Montag den 4. d. M. aus), Rozwadow (am Dienstag, 5. d. M.), Maj d a n - Ko lb usz (Sonntag, 3. d. M.), Pogorzyce, KrzeSzo wic e und in allen benachbarten Dörfem, Alwernia. in der UM gebung von Podgorze, Skawina, Zabno, Deb i c a. Der jüdische Nationalrat für .Westgalizien erhielt TelegraMMe Mit der Bitte um dringende Hilfe und Schutz gegen die PogrvmMacher arm folgenden Orten: Kalwarya (TelegraMM der jüdischen Kultusge- Meinde), Wieliczka. Brzesko, Brzozow. In BrKiz'ow dauerte der Pogro'M Samstag abends, Sonntag und Montag, 2. und 3. d. M. lieber 100 jüdische Familien wurden geplündert. Die Mische Miliz wurde entwaffnet. Diele Verwundete. Der Schaden beträgt 15 Millionen Kronen. In der Umgebung von Vrzozow wurden viele Mische Familien vöNig ausgeraubt und ausgeplündert. Von Oswiecim, Blazowa, Lezajak, Rudnik a. S., Przeworsk und noch vielen änderen Städten und Dörfern kommen Nachrichten von ähnlichen Pogromveranstaltungen. Geschäfte wurden geplündert, Häuser deMolierk, in Eisenbahnzügen fahrende jüdische Reifende überfallen und beraubt, Rabbiner und Greise erbarMvngslos geschlagen. Die polnischen Geistlichen halten feurige Predigten in den Kirchen, indem .sie eine gewaltige Propaganda unter den Massen für Judenpogrome entfalten. In T y t-s ch y n wurde Frau Rachel T u Hm a n n von den Pogromhelden erschossen und geschändet: in Ezudez wurden schwer verwundet: MoseS Tenzer, Joel Ioe, Moses Helfer, Jakob Kohn und der greise Rabbiner SaMuel Herzig. * * * Em typischer Pogrüm. Das Jüdische Preßbureau in Wien stellt uns auszugsweise die protokollarische Aussage eines zur Zeit der PogroMe in Kielce weilenden Akzessisten zur Verfügung, für die der unserer Redaktion namentlich bekannte Zeuge die volle Gewähr Wernimmt: AM 11. d. M. fand in Kielce eine jüdische Massenversammlung statt, die in einer Resolution die Bereitschaft der Mischen Bevölkerung, aM Aufbau des polnischen Staates Mitzuwirken, aussyrach und zugleich Mrnoritätsrechte verlangte. Als nach deren Schluß die Teilnehmer den Saal verließen, warfen sich ihnen junge Leute entgegen und bearbeiteten sie mit Stöcken. . Im Saal selbst erschien der KomMand'ant der städtischen Miliz und forderte die Männer auf, ihre Waffen abzugeben. Eine Leibesvisitation ergab, daß niemand derlei bei sich hatte. Plötzlich drang eine bewaffnete Menschenmenge in den Saal, veranstaltete einen regelrechten Pogrom. bei dem 200 Juden verwundet wurden. Hierauf begab sie sich zur Plünderung der Geschäfte in die Iudengasse. Die herbeigerufene Assistenzwache beteiligte sich daran. In der Stadt wurde das Gerücht kolportiert, die Juden hätten auf einen Legionär geschossen und in der Versammlung seien polenfeindliche Reden gehalten Morden. Der Gewährsmann verbürgt sich. mit seinem Worte für die Unwahrheit dieser Beschuldigung. Am 12. November fetzte ein neuer, etwa sechs Stunden dauernder PogroM ein, über 500 Leute wurden verwundet. von denen bereits aM 17. d. M. 15 .gestorben waren. Die Veranstalter der Versammlung wurden verhaftet. Einen Tag darauf, da sie mach ihrer Freilassung beim Stadipriäsidenten intervenierten, gab er zur Antwort: Man Müsse zur Sicherung der Juden die Miliz uM 100 Mann vermehren, dazu sollten die Juden 300.000 K. beisteuern: ReqierungskoMmisfär Bll ko - winski verlangte 2000 Ellen Leinwand für die polnischen Soldaten. So benützte Man den Pogrom zum Anlaß, uM den Juden Kontributionen zu erpressen, ohne für ihren Schutz auch eine entsprechende Maßnahme zu treffen. Im Gegenteil, der Stadtpräsident verfolgte am 12. November den Pogrom am Rrngplatz voM Rathaus aus, ließ aber nicht einschreiten. Bei Meinem Versuch, die jüdischen Offiziere und Soldaten des Infanterieregiments Nr. 56 in einer Selbstwshr zu organisieren, erfuhr ich, daß sie auf Anordnung des Generals , mit der Angabe entlassen wurden, die Polen verlangten ihre Entfernung aus deM Heere. Diese Hilfe erwies sich daher auch als unausführbar. Die Lage der Juden ist seither trostlos. Keiner wagt sich auf die Straße, da sowohl die Haltung der Behörden als auch des Mili-

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