Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 47 (29.11.1918)
- Date
- 1918-11-29
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 47 Dr. Bloches WachrnschrLft Sette 75» diese haben bieftft auch glücklich <den Staat zugrunde. regiert. ' . v Die ftllsHeste Karte aber spielt die,)ReichSpoft" mit einem:Leitarti§el aus, in welchem sie das christliche Volk demütig bittet, sievor Gewalttaten M bewahren. Damit will sie nicht etwa ün Ernst glaubenmachen, daß ihr wirklich eine G.ehafr droht, sondern nur den Eindruck erwecken, als wollte jemand einen Besitz des christlichen Volkes atttasten. Der Zweck dieser schrecklichen Wge ist Aantz klar. Mer.auch sie wird ÄeN Bankerott des feudal-,agrarischen -Partei nicht aufhalten. Es ist also gar keine Veranlassung für die ^,ReichZpost", die Bevölkerung 'wegen angeblich Plündernder jüdischer Offiziere oder wegen acht höheren jüdischen Beamten aufzuregen. Es ist aber offenbar ihr Bestreben, immer wieder auf den jüdischen Sündenbock hinznweisen, um dem feudalen und christlichfozialen Dünder das Entkommen lzu ermöglichen. Diesmal ist aber das Bemühten gewiß vergeblich. Denn die Schuldfrage ist mit so dicken und großen Lettern in das Buch unserer Leiden^ geschichte geschrieben worden, daß auch die Judenhetze der agrarisch-feudalen^christlichsozialen „Reichspost" die Bevölkerung Nicht zu tüüschen vermag. ' ' Gegen die blutigen Zjudenpogrsme und für die endliche wahre Gwanripatien der Anden! - Eine Denkschrift pn den Präsidenten Wilson und an ' die Entente-Regierungen. Herr Präsident! Durch Geschehnisse traurigster Art, die überaus gefährliche Dimensionen angenommen haben, gezwungen, wendet sich die bedrohte und verfolgtes rechtlo se 2udenschaft mit folgender eindringlicher Bitte an Sie: - In Galizien, wie in vielen Gebieten Polens, in Rumänien und in den von ^Rumänen besetzten Teilen V essarabiens, werden die Angehörigen des jüdischen Volkes geplündert, mißhandelt und gemordet. .Während die Welt sich anschickt, den Krieg zu beenden und die Waffen niederzulegen, wüten hier bewaffnete Elemente gegen wehrlose Menschen und zeigen än unschuldigen .Frauen und Kindern einen. Heldenmut, den sie gegenüber einem wehrhaften Gegner in ehrlichem Kampfe nicht betätigt haben. Während die Welt auf den von Ihnen, Herr Präsident, vörgezeichneten Wegen einer Zeit der Freiheit und Gerechtigkeit, der Versöhnung und der Menschlichkeit entgegengeht, werden hier vielfach unter den Augen lässiger oder mitschuldiger Behörden Tag für Tag an Juden Gewalttätigkeiten aller Art, Raub und Mord verübt, die an das finsterste Mittelalter erinnern. In Galizien, Dolen, Rumänien und Bessarabien wohnen etwa fünf Millionen Juden. Fünf Millionen Menschen sind jetzt, nach den unsäglichen Leiden, Blutopfern und Schrecken, die der letzte Krieg .über sie gebracht , hat, aufsi neue unabsehbaren Leiden, all dem Schrecken, Vermögens- und Blutopfern preisgegeben, welche die Niedertracht brutaler Peiniger über sie verhängt. Ohne Schutz, ohne Hoffnung, hier eine redlich gewährte und deshalb wirkfaMe Hilfe zu finden, wendet sich ein 'Volk von fünf Millionen Menschen an Sie, Herr Präsident, und erbittet von Ihnen Beistand gegen die schändlichen Verbrechen an Güt, Leib und Leben. Seit langer, langer Zeit wird das jüdische Volk in Galizien, Polen und Rumänien Mit unerbittlicher Rücksichtslosigkeit erniedrigt, verfolgt, mißbraucht und zu Boden getreten. . Seit langer Zeit wird in diesen Ländern das jüdische Voll in seiner Entwicklung gedrosselt, UM sein Menschenrecht bettogen. Die Juden hüben in diesen Landern zehnfach zinsen Müssen, aber sie haben dafür nicht ein Zehntel jener primitiven Freiheit erhalten, deren sich andere Staatsbürger voll erfreuen konnten. Erhöhte Pflichten. waren den Juden immer aufgeladen, aber Rechtlosigkeit und Unterdrückung war immer ihr Schicksak. Für die Juden galten die Gesetze dieser Länder nur dann, wenn sie Geld aufbringen konnten, um die unersättliche Habgier erpresserischer Beamten zu befriedigen. Die Juden Müssen jedes Recht erkaufen, das Gott allen Menschen verliehen hat. Seit Jahrhunderten sind die Juden auf diesem Boden, der die Gebeine ihrer Väter birgt, dir Märtyrer gewesen sind, gleich den Juden in der Gegenwart, seit Jahrhunderten sind sie aus diesem Boden, den sie Heimat nennen, ein Spielball jeglicher Willkür, sind Freiwild für die Iagdlust aller niedrigen Instinkte? Man.fällt über die Juden her, wenn man gut und fröhlich gelaunt ist. Man fällt über sie her, wenn man sich von Mißmut angewandelt fühlt. Wenn das jüdische Voll dieser Gebiete trotz des Maßlosen Druckes, ttotz aller Erniedrigungen nicht zerdrückt werden konnte, wenn es nicht vertierte und in Verkommenheit zerfiel, wenn es vielmehr seine ölte Kultur. sein Volkstum und feine Eigenart, sein uraltes Geistesleben nur noch intensiver bewahrte, ist das gewiß nicht das Verdienst ihrer Peiniger. Wenn sich das jüdische Voll dieser Gebiete trotz all der erlittenen UnMenschliHkeiten den Glauben an alle Ideale der Frerheit, den Glauben an die göttliche Gerechtigkeit und an den unaufhaltsamen Fortschritt des Menschengeschlechtes bewahrt hat, fällt das Verdienst nicht jenen zu, die seit Jahrhunderten jegliches . Umecht und jede erderllliche UnMemchlichkeit an ihnen verüben. Das jüdische Voll dieser Länder hat es auf Grund trauriger Erfahrungen im voraus geahnt, daß jedes seiner Opfer mit Undank und Gewalttat gelohnt wird. Trotzdem haben Tausende und aber Tausende Söhne des jüdischen Volles auf ungezählten Schlachtfeldern gemeinsam mit den anderen in treuer Pflichterfüllung gekämpft, haben ihrBlut vergossen und sind in der Verteidigung diefer Länder tausendfach den Soldatentod gestorben. Aber wenn die bittere Erfahrung die Juden auch nicht hindern konnte, in der Stunde der allgemeinen Kriegsnot ihre Pflicht zu leisten, so haben sie doch gehofft, daß die jüdischen Helden bedankt, und. daß ihnemr üh m l ich e A n e r k e n n u n g zuteil werden wird/ nicht aber, daß Schimpf und Gewalttat sich unerbittlich wieder gegen sie wenden werde. Deshalb find die Juden keineswegs gewillt, Gewalttat und Mord stumm, wie bisher, über sich ergehen zu lassen! IM Angesichte der ganzen Welt treten die unterdrückten Juden vor Sie hin, Herr Präsident und -erheben Anklage gegen ein Verbrechen, das die heutige Zeit nicht Mehr für'möglich halten sollte, erbitten Beistand gegen jene, die ihre Häuser plüni dern, ihre Frauen und Kinder mißhandeln, ihre Kranken aus den Betten reifen, ihre Väter und Brüder Morden! In Polen und insbesondere in Galizien sind jüdisch eSoldaten, die nach mehr als vier Jahren aus dem Felde heimkehrten, vön polnischen Legro