Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 46 (22.11.1918)
- Date
- 1918-11-22
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Sette 748 Dr. Bloch'§ Wochenschrift Nr- ^-6 oder wÄcherr Sfaatswesen dessen einMne Teile Zufällen sollezr, beschloß der Verbundseine gegenwäxtige Form ausvechtzuerhallen und es wurde rrachstehmrde Verbandsleitung gewählt: zum Präsidenten Herr Dr. Sonnenschein, Troppau; Zu dessen Dtellv ertreter HerL Salonwn Poltak, BLelitz; Zum Schristsührer Herr Dr. Wolf, Troppau; zu Beiräten'die Herren Dir. Sil der stein, Tescheu, Alois Reil, Friede?, Leo Westreichj, Jägerndorf, Dr. Albert Meyer, FreisMt; zu Ersatzmit- ' gliedern die Herren Zänker, Oderöerg, und Markus, Wag stabt; zu Verifikaroren die Herren Emil Spitzer, Skotschau, und W a s s e r b e r g, Freiwaldau. Es wurde eine Geschäftsordnung des Verbandes und der VeWandsleitung und ein Jahresbeitrag von 2 K. per Steuerzahler jeder Kultusgemeinde beschlossen. Ueber einen gestellten Antrag auf Demokratisierung der Kultusgemeüwen wurde auf die bestehende demokratische Form der gegenwärtigen Wahlordnungen in den eürzelnen Statuten btt schlesischjen Kultusgemeinden hingewiesen, inr Äbrigen aber den Kultusgemeinden, so weit dies nicht der Fall wäre, die Einführung eures allgemeinen, geheimen unddirekten Wahlrechtes empfohlen. Die Beschlüsse wurden mit völliger Einstimmigkeit Und EmMÜtiMÄ gefaßt und wir begrüHen es Krm, daß die Rot der Zeit alle Reinlichen Gegensätze zunr Ausgleiche gebracht hat und würden wünschen, daß der Landesverband in Schlesien, der bisher schon jmee-urnliei- mar, in seiner seltenen EmmAigkeit auch anderwärts VorbW werden und Nachahmung finden möge! Eine KuMmMmg ssr den nentraken GesandLschaftei; in Wien. . Kürzlich Zog ein geschlossener Zug von über dreihundert jüdrschnationalen Offizieren, Soldaten und Studenten zux nied erländ i schen G es and tsHaft. Während die Keute auf der Straße blieben, wurde eine mehrgliedrige Abordnung zum Gesandten.geschickt und ihm ein Protest gegen die P.ogrome Ln Ga- -lizien übermittelt. Nachdem der Gesandte den Protest zur Kenntyis genommen hatte, marschierte per Zug weiter Zur schweizerischen Gesandtschaft und überreichte durch dieselbe Abordnung muh dem schweizerischen Gesandten denselben Protest, An die beiden Gesandten wurde das Ersuchen gestellt, diese Proteste ihren Regierungen zu übermitteln, damit sie sMmnigst Schritte unternehmen, um pen Greueln EMait zu M. Die-'Gesandten haben den Abordnungen diesbezügliche Zusagen gemacht. __ ■' : : Der jüdische NalwMlrat und die SozialdsmokraLen. Die „Arbeiter-Zeitung" -veröffentlichte folgendes: „Der „Jüdische Nationalrat Kr DeMMterreich" hat an den Vorstand-der fozialdemoLratischen Partei folgende Zuschrift gerichtet: - „Der Jüdische Nationalraf sieht sich veranlaßt, die Aufmerksamkeit der sozialdemolratisch^en Parteileitung auf folgenden. Amstand zu Lenken: In letzter .Zeit mehren sich die Fälle, daß in der „Arbeiter-Zeitung" Artikel und Notizen ausgesprochen antisemitische Tendenz erscheinen, welche geeignet sind, die Stimmung der Bevölkerung tn gefährlicher Weise gegen die Juden aufzureizen. In einem Bericht über die Versammlung auf auf dem DeuLschmeisterplatz hieß es in der Nummer vom 3. d. M., daß die „volksfremden Schreihälse dem Zionismus ebenso nahe shünden wie dem Änarchosunpikalismus". In der Nummer vom 9. d. M. wird auf Seite 6 in der Notiz „Oesterreich wird uns gestohlen" in der Art der antisemitischen Hetzblätter die.einen Juden bchreffende Nachricht durch! gesperrten Druck hervorgehsben, MÄhrend die Ederen . Missetäter, bei denen Me Nationalität und Konfession keineswegs angegeben wird, nur nebenbei erwähnt werden. . - Wir glauben, dM in dieser Zeit per gereizten StiM^- mung ein solches VÄgehen von verhängnisvollen Folgen sein kann, und wir machen die sozialdemokratische Parteileitrmg, der auch die Redaktion der „Arbeiter- Zeitung" untersteht, darauf aufmerksam, daß sie die Verantwortung trifft, wenn es in Wien zu Ausschreitungen gegen die..Juden' kömmt, die. nicht in den Intentionen Ihrer Partei liegen können. Wir weisen darauf hin, daß, wie es sich jetzt in Polen ze!igt, die Regierung später nicht die Macht hat, den entfesselten Instinkten des Pöbels mit entsprechender Energie entgegenzutretLn und den um sich greifenden ELzessen Einhalt zu tun. Wir sind, überzeugt, daß dieser Hfilweis genügen wird, UM die antisemitische Propaganda in Ihrem Parteiorgan abzustellen. Hochachtungsvoll Jüdischer Nationalrat Kr Deutschösterreich: A. Böhm. ' Dr. Margulies." Unser Vorstand hat sich natürlich begnügt, uns die Zuschrift zu übergeben, und wir finden es nützlich, sie der Allgemeinheit zur Kenntnis zu bringen. .Wenn wir sagten, was wir über sie denken^ so. hätte der I. N. wieder Anlaß, uns des Antisemitismus zu beschuldigen . . . Die Zensur ist jetzt aufgehoben und Man darf seine Meinung über alles und jedes sagen. Aber wehe, wenn jemand nur das Wort Jude ausspricht! Interessant^ ist, daß sich der I. N. nicht parWer aufhält, daß (Notiz vom 9. November) der Jude aus Horn gestoh-' lenes Gut aufkauft, sondern, daß man es mitteilt! Selbstverständlich werden wir uns' die Kritik der schädlichen Uebelstände, die Juden anstellen, ebensowenig verbieten lassen, wie die Kritik an '.anMren"'. Aebeln unserer Zeit, und wenn der I. NuMfüMtEpatz dadurch Mißstimmung gegen die Juden entstehen würde, so möge'er eben darauf hinwirken, daß derartige Dinge unterlassen werden. Im übrigen, was meint denn dieser Jüdische Nationalrat? Er schreit es doch jeden Tag in die Welt, daß die Juden keine bloße Religionsgenossenschaft, sondern eine Nation sind; also Muß er es sich gefallen lassen, daß Man von dieser Nation ebenso redet wie von jeder änderen Nation. Tagtäglich liest Man von PlünderungLn durch tschechische oder , slowakische oder ungarische Soldaten; warum soll man dann bei anderen Dingen nicht sagen dürfen, daß sie von Angehörigen der jüdischen Nation vexübt wurden? Dfe H Erschaffen sollten dpch nicht übersehen, daß die Erhebung der" Juden zu Mer Nation ihre zwei Seiten hat. IM übrigen ist die Zuschrfft ein solches "Musterbeispiel von Ueberheblichke.it und Einsichtslosigkeit, paß wir fie abdrucken, uM dieses Musterbeispiel allgemein bekannt zu machen." Der Jüdische Nationalrat mag aus dieser Antwort ersehen, daß nicht eine rasche, sondern eine wohldurchdachte, vorsichtige und vor alleM von allen Juden einheitlich geführte Politik gemacht werden muß. EKe DWMffyn per MhriMn AMngeMemÄen beim MroM oWsr. AM 6. November sprach eine Deputation des Landechierbandes der mährischen KulWsgemeinden und des Brunner Mischen VolksxaLes beim! Naropni vybor m Brst-nn vor. Pprerst begrüßte Advokat Dr. Theodor Haas die Errichtung des tschscho-sloMakifchen Staates, dessen loyale Staatsbürger die Juden fein wollen, und gab der Hoffnung Ausdruck, daß sich ihr Verhältnis zuM tschechischen Volke, in dessen Mitte sie bereits durch vWr Wchrhustderte Ife festigen und bessern werde. ÄBMMm brgMe WbMner Dr. LMorg L.ew.y Me