Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 46 (22.11.1918)
- Date
- 1918-11-22
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 46 Dr. Blocht WoHe^fchrist Seite 748 . wohner von Zarizyn ausgesordertden Bruderkrieg einzustellen und sich, von der Sowjetmacht loszusagen. Der Aufruf schließt mit folgend et Drohung: ,-Wisset, d aß wehe euchwenn ihr Widerstand leisten werdet. Ich bin hergekommea'und mit mir 200.000'Soldaten und viele - Hunderte von Kanonen, 3000 Waggons erstickend en Gases und d!ann wird alles Lebendige.untergchen. Es werden untergehen ieu.re Fvauen und Kinder, cg werden die Unschuldigen UntevgMn wegen ihrer Ergebenheit an Lenin, Bronstein und die andreren verkäuflichen Juden. Eure Stadt wird den Kosaken zur Plünderung übergeben werden. Niemand wird verschont bleiben. Für die Feinde des Volkes und die Diener des Antichrist gibt es keinen Räum auf dem russischen Boden." Die Stadtverwaltung von Rostow am Don. faßte folgenden Protest gegen die von der Regierung des Generals Kraßnow gegen die Juden eingdfühbten Begrenzungien: „In Anbetracht 1., daß die Abschaffung der religiösen und nationalen Begrenzungen eine der wertvollsten Errungenschaften der Revolution darstellt, der die zeitweilige Donregierung die Treue erklärt hat: 2. daß die Donregierung, den Weg der Restauration des Gesetzes der zaristischen Selbstherrschaft betretenddie Frage bis zur Einberufung des großen Kosaftnkreises offen ließ, damit einen Schatten sauf das Kofakentum und seine Vertreter wirft, einen großen Weis, der niemals Grund gegeben hat, ihn der nationalen Unduldsamkeit und des Antisemitismus zu verdächtigen; 3. daß dieser Schritt der Regierung nicht nur die Burger der. jüdischen Nationalität trifft, sondern auch den allgemeinen politischen Verfall des Gebietes vertieft, — beschließt die Selbstverwaltung von Rostow, der' zeitweiligen Donregierung zur Kenntnis zu bringen, daß die Rostower Stadtverwaltung entschiedensten Protest gegen den reaktionären Schritt der Regierung erhebt und seine sofortige Rückgängigmachung fordert." -; -; ' ' . ,,!Eine amtlicheErklärnng der polnischen. Regierung. Der Bevollmächtigte der polnischen Liquidationskommission in Wien Dr. Kasimir Retter v. Galecki versendet folgende Mitteilung: „Nach einer Mitteilung! der polnischen Liquidationskommission in Krakau stellt sich die in der Presse vielfach besprochene Angelegenheit der Judenpogrome in Westgalizien wie folgt dar: Gleich nach! dem politischen Umsturz haben sich in einzelnen Gegestden Westgaliziens aus Deserteuren Banden gebildet. Diese Banden gingen vor allem auf P l,ü n d e r ü n g e n v o n K a u s l ä d e n los. Run besindet sich der Detailhandel in den westgalizischen Städtchen'.meist in den Händen der Juden, so daß diese der Raublust entspringende Bewegung von selbst einen antisemitischen Charakter bekam. Gewissen Anzeichen zufolge wurde diese Bewegung stellenweise von a u s wstrt i g e n A g e n t e n gefördert, deren Machthaber offenbar ein Interesse daran haben, in Polen Unruhen zu stiften und Polen vorder ganzen Welt als ein Land der Anarchie.darzustellen. Es ist begreiflich, daß tß in der ersten Zeit der polnischen Liquidationskommission nichs möglich war, dieser Situation Herr zu werden, dg Westgalizien im ersten Moment.Mer keine eigenen Truppen verfügte. Ungeachtet dessen Hab dse Polnische Liquidationskommission nichts unterlassen, was unter den gegebenen Verhältnissen möglich und geeignet schien, die eingangs erwähnte bedenkliche Bewegung einzudämmen. Es wurde ein Aufruf an die Bevölkerung erlassen, es ist sofort an die Bildung von^Bürgergar den geschritten worden, es ist den Juden gestattet worden, eine eigene Schutzwehr zu errichten, und es sind auch nach den meisten bedrohten Städtchen reguläre Truppen entsendet worden. Dank dieser 'Aktion ist ,es der poln sichen Liquidationskommission trotz unsäglicher Schwierigkeiten gelungen, die Ruhe teilweise herzustellen, und.es besteht die begründete Aussicht, daß das! Treiben der Banden paralysiert werden wird. Die särgsteü Ausschreitungen haben in Ehrzano w und Brzecko stattgeftlnden. Die Gesamtzahl an Menschenopfern beträgt sechs Inden und zwei Christen. Gegenwärtig ist in beiden Städtchen, die öffentliche Ordnung wiederhergestellt. Die Verkündigung des Standrechtes hat zu .diesem' Resultat wesentlich beigetragen. Alle bisherigen Ausstreuungen über eine angebliche Beteiligung der polnischen RegieruNgsorgane und her',Angehörigen der polnischen Truppen an den bedauernswerten Exzessen, bezw. über ein passives Verhalten derselben Organe haben sich bisher als unw ahr erwiesen, obwohl in jedem einzelnen Falle, selbst auf Grund von Zeitungsnotizen, eingehendste Untersuchungen gepflogen werden." Die polnische Regierung täte gut daran, statt amtlicher Beschwichtigungen in Wien gemessene Befehle an ihre Leute herauszngeben, den Pogromen entgegenzutreten. Pogrome sind eine Kulturschandeeine barbarische Grausamkeit, unter der Wehrlose und gewöhnlich die ärmsten Existenzen am meisten leiden. Energische Abwehr in Karlsbad. In die trübe Zeit, welche die Juden des Egerlandes seit 25 Jahren mitmachten, fällt es wie ein Lichtstrahl, wenn man einen Vorfall beurteilt, der sich in den letzten Tagen in Karlsbad abgespielt hat. Bekanntlich haben in Nordböhmen, sobald die politische neue Partei begründet wurde, Plünderungen und Brandschatzungen stattgefunden, so in Aussig, wo gegen 40 Millionenwerte vernichtet wurden, in Turn bei Teptitz, in Brüx, Komohau, im Gefangenenlager in Heinrichsgrün usw. In Falkenau a. E. waren dieselben ausschließlich gegen die Juden gerichtet, und! eine Anzahl derselben wurden buchstäblich , bis aufs letzte Hemd ausgeraubt; leider beteiligten sich daran, wie sestgestellt wurde, Damen der guten bürgerliche Kreise in eleganten Hüten, die aber später Reue empfanden und die fortgetragenen Sachen an die Eigentümer zurückstellten. In Karlsbad erschienen kleine Plakate an den Straßenecken, die auch in den Schalen verteilt und von Lehrern entsprechend „erklärt" wurden- und in welchjen die Bevölkerung aufgefordert wurde, gegen Fremdlinge und. „Juden" losznzichm. Es wäre auch sicherlich zu Ausschreitungen gekommen; aber es bildete sich sofort eine- Soldatenwehr von 400 Mann, und die Furcht vor.den Folgen von Ausschreitungen verhütete die Plünderungen. Die Stadtgemeinde, welcher in einem Prager Blatte der Vorwurf gemacht wrrrde, daß sie. diese Plakatierung drckdete, sandte eine Richtigstellung an das betreffende Blatt ein, gemäß der sie die .'Kenntnis dieses Plakates' in Abrede stellte; Mein dies war um so mehr zu verwundern, als ein „städtischer Beamter, ein OberrevidentN, an der Verfassung dieses Makates.beteiligt: war. •>;■ y. Nim scheint aber der Karlsbader Soldatenrat, den man anfangs etwas skeptisch beurteilte, doch- , die vollste Sympathie der Bevölkerung und insbesondere der Juden zu verdienen, denn ec hat bisher die übernommenen .Pflichten nicht nur getreulich .erfüllt,..intf&r. im Bezirke die Rühe und OrdMng aüftecht, erhaHeWä sondern er geht sehr energisch gegen Unruhestrfter vor. In der letzten Zeit verbreitete'IM! '.WEMHarinWW das -Gerücht in Karlsbad,' MH'Mch AMaM' vonsse^ wohlbekannten Personen.. im Vcheinitzn daran nrcheitm^