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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-11-22 · 46 (22.11.1918) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
46 (22.11.1918)
Date
1918-11-22
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Nr. 46 Seite 742 Dir. Btochks Wochenschrift Das Elend nimmt von Tag zu Tag zu, denn die jüdischen Dorfbewohner aus der Umgebung Brzozows, die noch rmMer beraubt und geschlagen werden, retten ihr nacktes Leben durch Flucht in die Stadt.. Sie fo'm’men ohne Geld, ohne Lebensmittel, ohne Kleider hier an. Die Armen haben e£ jetzt bedeutend ärger als im'. Jahre 1914 auf der Flucht vor , den Russen. Schleunige Hilfe tut dringend not, wenn viele Hunderte von Juden nicht verhungern und erfrieren sollen. Die wenigen Juden, diebisher verschont blieben, sind außerstande, den Unglücklichen zu helfen, denn erstens sind die verschont Gebliebenen — von ganz geringen * "Ausnahmen abgesehen — Mindestbemittelte, die zurzeit nichts verdienen, und' zweitens MüUen sie die chrislh gliche Miliz erhalten, da dieselbe sonst- — „als ausschließlich zuM Schutze der jüdischen Bevölkerung erforderlich" — aufgelöst werden wür^e. , In dieser verzwefflungsvollen Lage wenden wir uns, Judenvolk, an dich, mit der Bitte: Helfe uns unsere unglücklichen Brüder ernähren und bekleiden! Zeige der Welt, daß Man Juden wohl schlagen und berauben, daß Man sie aber nicht vernichten kann! Gef. Spenden sind zu richten an den Zaklad Kredytowy in Brzozow. Für den jüdischnationalen Ausschuß von Brzozow: , Dr. SaMUel S e e l e N f r e u n d, Obmann. Dr. Marrmilian Schächter, Schriffführer.' Mala c zka, S t. I oh a n n usw. sowie in sämtlichen Gemeinden der Slowakei große Plünderungen' verübt. Die meisten der in diesen Gegenden befindlichen Gutshöfe, die Zum Teil in Regie, Zum Teil a.ls Pachtung in jüdischen Händen stehen, wurden vollkommen beraubt und sämtliches' lebendes und totes Inventar sowie riesige Quantitäten von Getreide- und Kartoffelvorräten und alles, was irgendwelchen Wertan' Land- oder Bodenprodukten besitzt, vollständig verschleppt und vernichtet. Ferner wurden.sämtlichen jüdischen Pächtern und Händlern die ganzen Möb eleinrichtungsstücke und Kleider weggeführt und > die Leute nur mit den Kleidungsstücken, die sie am Leib hattenj, verjagt. Wgs nicht witgenommein und Zerstört werden konnte, wurde ganz' einfach durch Brand eingeäschert und sogar von den Gebäuden die Fenster und Tür sto cke sowie die Dächer abgetragen. Es stehen somit diese Menschien, die dort das volkswirtschaftliche und .geschäftliche Leben betrieben haben, Mittellos da. Trotzdem sich die Leute an die oerschiedenen Behörden gewendet haben, finden sie keinerlei Schutz, da die Ungarn diese Gebiete verlassen haben. -Erst in dm letzten Tagen sind, nachdem die Vierwüstungen chr Ende gefunden hatten, tschechische Truppen zur Sicherung und Einführung der Ordnung sowie zuM Schutz der dort befindlichen nichtslowakischen Bevölkerung eingezogen. Die einzelnen Gutsbesitzer haben durchs diese Borgangsweise Schäden von Millionen erlitten, sind aber «außerstande, bei den bezüglichen neuen Regierungen Schadenersatzansprüche erheben zu können. Diie Uebersälle in Lgncut. > Aus Lancut erhiält eine Wiener Familie folgendes Schreiben: . Gestern am 11. d. M. sind die Bauern aus allen Dörfern über Aufforderung der Polen in SsOitait eingefallen und haben schreckliche Verwüstungen angerichtet. Von 10' Uhr vormittags bis 5 Uhr nachmittags hat man «alles ausgeraubt und geplündert und viele jüdische Geschäfte bis aus den Grunddemoliert. Bei mir selbst hat Man in der Wohnung alles' Weggetragen und zerstört. Wäsche, Kleider, Geld, Geschirr und Möbel, sogar die Scheiben und .Türrahmen. Meinem alten Vater hat NMN dm letzten Rock weggetragen. Der Schaden beträgt über' 30.000 Krönen bei mir allein. Wir sind mit nichts anderem zurückgeblieben, als was wir am Leibe hüben. Von der Roheit der Plünderer macht man .sich keinen Begriff. Die Vürgergarde hat sich nicht gerührt. Wo die Wohnungen verschlossen waren, hat man die Türm samt den. RahMen demoliert. Wir zittern vor der Zukunft. Dias war mein' Empfang in Äancut vier Tage, nachdem ich! von meinem dreijährigen Aufenthalt im.Schützengraben zurückgekommen bin. Währen und Ungarn. Aus Ungarisch-Brod wird geschrieben: „In der Umg^bmrg von Ungarisch-Brod und Walachisch- Kloböuk in Mähren treiben gegenwärtig Banden ihr Unwesm, die zuletzt in dsm Orten Banov und B'rezpwa- Stpany Exzesse gegen die jüdischen Einwohner begingen und sie all ihrer Habseligkeiten beraubten. Die weg,m dieser Vorfälle sehr beunruhigten jüdischen Bewohner von Ungarisch-Brod, die auch in dieser Stadt .ähnliche Ausschreitungen befürchten, erhoffen vom tschechischen' Na- - tionalrat entsprechende Maßnahmen, welche es dm Banden unmöglich machen, ihr räuberisches Treiben fortzusetzen." An der österreichisch-ungarischen Grenze werden in ' den Ortschaften Gayar, Nagy-Lew ard, Kiße Leward, Magy arfalu, Magas salu, Z ohor, Judenhrtze in Rumänien. . . Das Jüdische Preßbureau in Stockholm erhielt aus zuverlässigstier Berliner Quelle folgendes Telegramm: Eine «äußerst heftige antisemitische Hetzkampagne hat in Rumänien eingesetzt. In stark verbreiteten Hetzaüf-" rufen wird die Bevölkerung direkt zum' Massenmord der Juden «aufgefordert.. Tie „Duminiea Popoculni", das Blatt des gewesenen Kultusministers das durch die Behörden in den Dörfern verteilt wird> brachte einen Leitartikel, der folgende Stelle enthielt: „Wenn Ihr bemüht sein werdet, jeden sich bietenden Nutzen einZuheimsen, so wird der Jude gezwungen sein, von dannen zu gehen." Der Minister ging in seiner Hetze so weit, daß die Zensur sich! veranlaßt sahi, einige Stellen aus dem Leitartikel zu streichen. / Derselbe Minister, der zugleich Universitätsprofessor ist, sammelte «au der Spitze eines aus! Professoren und. Literaten bestehenden Komitees 200.000 Lei zum Zwecke der Wiederherausgabe der berüchtigten antisemitischen Zeitschrift „Semanatorul". Der frühere Judensreund Mille entfaltet eine Propaganda des Boykotts' gegen die „Fremden", d. h. gegen die Juden, uftd ' fordert zu chrem vollständigen wirtschaftlichen Ruin!auf. -! Tie -Hetzpropaganda hat eine so vergiftete Stimmung geschaffen, daß Judenpogrome erwartet werden. Die jüdische BevöUerung empfindet die NotwMdigkeit der Organisierung eines Selbstschutzes, aber der Gedanke kann nicht verwirklicht werden wegen der -Unmöglichkeit, Waffen im freim -Handel zu erwerben. Dagegen aber erhalten die schwarzen Banden Waffen' aus den Depots der Armee. - Die jüdische Bevölkerung fordert dringend sofortigen. Einspruch und Intervention der rnternarionaken M'elt. Verfolgungen der Inden im Kosakengebiet. Die „Jswestia" publizieren den Inhalt eines blutrünstigen, aNtisemitischeh «Aufrusesi des! «Gsenerals Kraßnow in Rowotscherka'sk. In diesem' Aufrufe werden-die Ein-

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