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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-11-22 · 46 (22.11.1918) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
46 (22.11.1918)
Date
1918-11-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 46 Dr. Bloch'S Wochenschrift Seite 741 sogar von Legionären Veranstalter wurden. Die -aus jüdischen Soldäten und .anderen, jungen Heuten gebildete Selostwehr wurde von den.polnischen Militärbehörden entwaffnet und dann der Ueberfall auf Pie wehrlose jüdische Bevölkerung organisiert. Ueberall gab' es zahlreiche Verwundete und Töte. Erschütternde Einzelheiten werden aus Brzesko gemeldet, wo man die jüdischen Häuser anzüudeie und -auf die fliehenden Juden schoß. Die Keller sind voll Lnchjen, und man traut sich nicht, sie zu bestatten. M Pvzemyff wurdest vorige Woche nach der Eroberung durch die Polen sämtliche jüdischen Geschäfte und Wohnungen geplündert, die Synagoge demoliert, die Ritualien geschändet, viele Personen ansgeraubt, geschlagen und ermordet. Beim jüdischen Nationalrat in Wien lausen stündlich Meldungen -über Greueltaten ein. Die Ereignisse erinnern an die Greuel während' der russischen Pogrome. Der jüdische Nationalrat hat sichin dringenden Telegrammen an das Ausland um Hilfe gewendet." Mord mb PlWemnUn in PHemysk. Sonntag den 10. d. M. haben polnische Truppen den Kamps -um unsere Stadt ausgenommen und diese bis Montag 5 Uhr?srüb von den Ukrainern zurückerobert, welche die Stadt seit dem 4. November besetzt hielten. Gleich darauf wurde die im Einverständnis mit dem polnischen NatiLnalrar gegründete jüdische Miliz. entwaffnet, deren Kommandant Hauptmann Reißner ans dem Bett geschleppt und unter Kolbenschilägen wurden alle in den Arrest getrieben. — Dann schritten die polnischen Soldaten zu -Plünderungen, Raub und Mord gegen die Juden, die Synagogen wurden geplündert, auf bestialischste Art wurden hunderte jüdischer Geschäfte und Wohnungen erbrochen und ausgeraubt, die Juden auf schrecklichste Art mißhandelt, blutig geschlagen und mehrere erschossen, die Mffeehäüser überfallen und sämtliche jüdischen Gäste auch >auf den Straßen beraubt und verhaftet. Dieses Drei-best der wilden Horden,-an welchem sich auch polnische 'LegionsoffiZiere beteiligten, dauerte schreckliche drei Tage mrd Nächte. Am Hellen Tage wurden die Geschäfte erbrochen und der Pöbel Zum Rauben ermuntert, ohne daß jernand von den polnischen Machthabern -etwas getan hätte, um diesen Schandtaten Einhalt zu tun. Die sogenannten polnischen Bürgerlichen und die Intelligenz, schauten diesem Treiben mit Freude zu und machten Bemerkungen, daß es sich doch nur um jüdisches- Blut und Gut Handelt. Der polnische Militärkommandant Major Stachiewicz wollte die jüdische Deputation, welche um Schutz Litten kam, nicht.einmal vorlassen. Nun sind fast ialle Juden hier beraubt worden. Der Schaden wird -auf 20 Millionen geschätzt. Inzwischen hat sich die Raubgier, der'Polen ein wMig gelegt. Nun Haben sie zur Verteidigung ihrer Taten die Behauptung ersonnen, die Juden hätten auf die polnischen Soldaten geschossen. Alle Polen wollen das gesehen haben, .aber niemand weiß, wer geschossen hat, und-es ist auch kein Pole getroffen worden. Noch immer kommen gelegentlich bewaffnete Soldaten in jüdische Häuser, um in den Brusttaschen Börsen und Mnlichen Orten Munition und Waffen zu suchen! Jeder -Widerstand wird mit blutigen Schlägen beantwortet. In unserer wie in allen -anderen, polnischen Städten und Dörfern herrscht eine schreckliche Anarchie. Wer soll da.Ordnung bringen? Die Polen haben weder Willen.noch Kraft dazu, daher muß . auswärtige Hilfe kgmmen und dies so rasch -als möglich. Drei Millionen Juden stehim -der Willkür-»der verbissenen Judenfressern vogelfrei gegenüber. W habe hier in Przemyfl die russische Invasion MjiterlAt, Mer nie solche schreckliche Taten wre jetzt durch die Polen gesehen. WjMN dies in Zukunft nicht verhütet werden wird, so wird ein Polen entstehen, das das gewesene Rußland wie Rumänien, in der Judenverfolgung vielfach übertreffen wird. Schon heuteverkündet man, die Juden würden im kGuten oder im Bösen das Hand räumen müssen, ohne- Rücksicht ans die vom Präsidenten Wilson und anderen Freiheitskämpfern verkündete Völkerfreiheit. Die Juden werden von den Polen hier zur Arbeit für Schützengräben geschleppt und dabei mißhandelt. Die Mische Miliz wird noch immer in Hast gehalten. O. Ä. Die Pogrome Ln Brzesto. Aus Brzesko wird gemeldet: Als-sich in dem Städtchen die Kunde von den Judenpogromen in Westgalizien verbreitet hatte, wurde in einer /Sitzung des Gemeinderates die Schaffung einer Bürgermiliz zur Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung verlangt. Dienstag den 12. d. M. überrumpelten starke Bauernbanden die jüdische Selbstwehr, entwaffneten sie und erpreßten bei dem Bezirkskommandanteu die gesamte Munition. Sie erbrachen sämtliche jüdischen Geschäfte und plünderten sie vollständig aus. Während dieser Vorgänge haben sie aus dem Ringplatz geschossen. Hiebei wurde der Korporal Wolf erschossen. Dem Kaufmann Moses Goldmann wurde Geschäft und Wohnung ausgeplündert; nachher gaben die Plünderer, angeblichweil er jüdische Soldaten beherbergt hatte, fünf Schüsse gegen ihn ab. Als er in Agonie lag, trat noch ein'Soldat aus ihn zu und versetzte ihm mit den Worten: „Du hast noch zu wenig, Jude", einen Bajonettstich ins Herz Sein kleines Mädchen, das einen Hanl-schuß bekam, wollte kein Arzt verbinden und behandeln. Eine andere Bande raubte dem Chiel Moses das Geld und erschoß ihn. Meier Perlmann wurde unter einen rollenden Zug geworfen und überfahren. Am Vorabend kamen zwei Abteilungen polnischer Soldaten aus Bochnia und Taruow mit dem Aufträge, dem Pogrom ein Ende zu bereiten, aber der Kommandant dieser Mannschaft, ein Leutnant, hielt an seine Abteilung folgende Ansprache: „Auf unsere Brüder werden wir nicht schießen. Morden braucht man nicht, aber rauben ist gestattet, dafür wird niemandem ein Haar gekrümmt." Die Exzedenten haben abends noch zehn jüdische Häuser in Brand gesteckt, um sie einen Kordon gebildet und die Flüchtenden beschossen. Ein Kellerraum in einem dieser Häuser ist noch voll von jüdischen Leichen. Mittwoch den 13. und Donnerstag den 14. d. M. wiederholten sich diese Vorgänge. Bisher sind festgestellt.' 5 Tote, 8 Schwerverletzte und ein Sachschaden von 20 Millionen. Es wurden zwar über Me Scrdr das Standrecht verhängt, .aber es wird nur gegen Inden ang ermüdet. HM für die GepümdertLN m MMzom. Wir erhalten folgenden Aufruf: Juden! AM 2. und 3. November 1918 sind in Brzozow über hundert jüdische Familien zugrunde gerichtet worden. Bauern der Umgebung überfielen die ruhige jüdische Bevölkerung, raubten und zerstörten alles, ohne auf Widerstand zu stoßen. Die Miliz, die am 2. November 1913 mit Abschluß der Juden — die jüdische Bevölkerung hat wiederholt um Aufnahme von Juden yr die MM vergeblich gebeten — geschaffen wurde, hat nicht einmal den Versuch unternommen, die Räuber ausernanderMjagen. Achtzig Familien, die noch am 2. NoyMber 1918 früh wohlhabend waren, sind heute ganz bettelarm.

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