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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-11-22 · 46 (22.11.1918) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
46 (22.11.1918)
Date
1918-11-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
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740 Dr. Bksch'S Wochenschrift Nr. 46 ünttel — nach gelegentlicher Angabe polnischer Blätter selber — aüsgeraubt haben, also doch gesättigt sein konnten, die jüdischen Geschäfte und Wohnungen heint- Mucht haben. Dabei solle , sich niemand auf die Heimkehrer «rusreden. Eigene bodenständige Beoölkerung war es, die, irregeleitet, an fremdem Gut und.Eigentum sich so arg vergriffen hat. Zn Dubiecko — ein Beispiel für hundert — haben die tobenden Bauernbanden die Schränke und Bettes sowie alles, was sie nicht mehr brauchten und nicht mitnehmen wollten, zerschlagen und wertlös gewacht. Zn Przesto wurden sogar sämtliche Häuser in Brand gesteckt. Von überall ertönen laut und unaufhörlich Klage- Und Hilferufe. Zeöe Selbsthilfe wird durch die polnischen Machthaber einfach unmöglich gemacht. Wo jüdische Milizen entstanden sind, um Leben und Eigentum zu schützen, werden sie über kurz oder lang durch List oder Gewalt entwaffnet und „unschädlich" gemacht, worauf dann Raub, Plünderung, Mord und sonstige Schandtaten regelmäßig einzusetzen pflegen. Vide z. ©}. Przemysk. Hier jcft nach. dem Einzuge der Polen in die, durch Bombardement der offenen Stadt mit Granaten aus zwei Kanonen „eroberte" ehemalige Festung die gegen dreihundert Mann zählende . jüdische Miliz mitsamt den Offizieren und dem! Kommandanten, einem Hauptmann, insgesamt kurzerhand entwaffnet und in unwürdiger Weise verhaftet worden unter dem lappischen Vorwände, die Zuden hätten sich den Ukrainern iM Kampfe gegen die Polen angefchlossen. Eine bewußte, notorische Lüge. Hat doch kurz vorher die Filiale der Polnischen Liquidationskommission, der Polnische Nationalrat in Przemhsl, die ehrliche Neutralität der Zuden offiziell anerkannt und diese Erklärung öffentlich affichieren lassen. Es war ebendjese Behörde, wüche gleich aM 1. d. M. die jüdische Miliz voll, anerkannt hat. Tut nichts. Bis zuM 12. d. M. mittags wurde jeder Mw.achsene Zude von der Straße weg ohne weiteres von Militärpatrouillen verhaftet und abgeführt, oft blutig geschlagen. Automatisch begannen die Plünderungen der Meisten Geschäfte, und zwar bezeichnenderweise Juwelier-,. „Galanterie- und, Delikatessengeschäfte. Soldaten, auch Patrouillen und Mob, reichten, .sich brüderlich die Hände. Patrouillen drangen bei Tag und Nacht in hie Privatwohnungen auf der „Suche Vach Waffen". Aus Mangel an Waffen konfiszierten sie ändere .für die. KriegMhrung -nützliche Sachen, Äs^ .da find Uhren, Pyoulerjen und barich GÄ und derglNchen guter Dmge Mehr. AÜes unter vorgHaltenem, schußbereitem Gewehr. Seither smd sämtliche, jüdischen Ge-- schäfte gesperrt. Die .Staöl ist tot. Der öffentliche GortesdiMst ist verboten. Wurdm doch sogar dem GoÜesbienst geweihte RmrMe entweiht, Thorärällen und TDllin zerrissen, Gebetbücher, Bibeln usw. zerfetzt und verschleppt. Häßliches, südliches . Beginnen. Nicht aus Not, aus HungerSpot hat dieser Pöbel Uhren und dergleichen geraubt. Wurden doch, dortselbst in letzter Zeit in der StaÜon sehr viele WäggoNbiLüngen, zumeist mit LehenÄmtteln belädbn, grünlich äDgeraübt. . DD ist politische ÄrWt von länger Hand. BÄich-- tet doch der „CzD", Nr. W4 voM'15. November 1918j,! feite, daß dD polnische MilitärkoMviarHo sämtliche jüdWÄr Milizen planmäßig aufgelöst hat. Dieses Bekenntnis MißfeDHÄteN werdM. Äks Grund wird vorgeschützt, daß „diese Abteilungen spontan und ohne vorherige Versündigung ünd Zustimmung des' polnischen Militärkommandos bewaffnet würden". ,. Bemerkt fei nur noch,, daß die .Polen aus offenkundiger Feigheit die den Ükraistern zugedachte „Strafe" äD FurD vor R^lpWzität den wehrlosen Züden, die ffch ürcht zu täMn veWögen, zumessM. Denn „gÄLcht" und gestraft Küß werNn. s Ux Iuds als Der Zufämmerrbruch der Monarchie hat überall tzur und der Völkerverbrüderung stellen. Trotzdem dulden sie es ohne jeden Widerspruche, ohne Widerstand, daß sich an vielen Orten der entfesselte. Mob auf die Juden stürz^ um sich gerade an diesen für die Leidan des Krieges zü rächest, der don den antisemitischen Agrariern heraufbeschworen und durchs wucherische Aushungerungs- Juden, die sie im Zeichen des! .Fbrtschrittes' und der Völkerbefreiung zu trstgen haben: * - Eine Damch die Lemberg am letzten Sonntag verlassen hat, schildert die schrecklichen Zustärrde iw der hart umkämpsten Stadt, die weder einen Verkehr noch Licht oder Lebensmittel hat. Ein Laib Brot wird mit 50 Kronen befahlt, und jeder der ihn holt, ist in Lebensgefahr. Die Straßen sind völlig ausgestorben und ständig unter Gewcht- und Maschinengewehrfeuer. Tie regulären ukrainischen Soldaten und die polnischen Legionäre kämpfen gegeneinander mit so großer Erbitterung/ daß es fast keine Verwundeten gibt, sondern nur Tote. Die Polen dringen in jüdische Privatwohnungen ein und schießen ans den Fenstern, und die Insassen der Wohnungen fallen der Rache der anderen, zum Opfer. So wurde eine unschuldige jüdische Familie von zehn Köpfe samt den kleinen Kindern.üiedergemacht. In einem Haus wurden' 80 Leute um Mitternacht im Hof zusammeugetrieken und jeder zehnte sollte erschossen werhchr. Erst auf instäiidiges Bisten der weinend eü umschuldigen Opfer tziogest die Ukrainer nach.einer SchDeckensffunde ab. Die arme jüdische Bevölkerung leidet entschlich. Die Ukrainer haben am Samstag schwere Artillerie ausgesahren und beschießen polnische Batterien bei Zimnawoda. Das' Kanonenseüer dröhnt den ganzen Tag. Bei den ursprünglichen StraßenNmpjen würden' auch! viele friedliche Einwohner getötet, und täglich fallen viele FüstueN und 'KW/ep, hie vÄn; Hüstger aus die Straßjq getriÄen werden. Die Urrqiner haben die 'obere Stadt mit den Amtsgeväüden' im Besitz, die Legionäre die untere,' und im Mittelpunkt des vornehnrsten Viertels pfeifen die Erschösse der Miaschineügewelsre. Die Ukrainer haben den Polen Einstellung der Feindseligkeiten und Mitverwaltung der Stadt aNgebotcn, die Legionäre lehlnteü gegen den Willen ihrer ^Regierung ab. Ein SpiW mußte wegen andauernder BesMeßnng durch die Polen W Kü'gblrWü geräumt werden in einem jüdischen Bechaus würden fünfzig Leichen gefunden. Die Däme, welche in einem Spital TDnst machte, , gelängte schließlich nach iNHrtägiger Fahrt unter fort-J dauernden Kämpfen ddr Mannschaft milden Polen in einem Sanitätszug mit fünfhundert ö.MKichischeM Verwund eW' Äus^ stüheM 'KWrpsen! Mer Brzezany, Chodorow, Stryj nach- Ljawöeznh, Ko ein rad-iotelegraphisch herbeigeholter ungarischer Zug den Transport erwartete. Bei -dieser GMgeMeit sah stie einen iMiasfenzug von schreÄlichen Elend'sgestalten österreichisch!- ungarischer KriHsgefangener, die jetzt zu Fuß -ans MuAand in' monatelanger Wanderün'g nach Häufe streben. D'em jüdischen Natiostalrat find folgende Berichte zugekommen: „Die Vorgänge in Westgälizien gestalten sich zu einem förmlichen! VernWtunlgskrieg. gegen die jüdische Bevölkerung. Bereits aus etwa 100 Orten liegen igraüenhäste Schilderungen der Pogrome vor, welche von der polnischen Bevölkerung, insbesondereder Bauernschaft, unter Führung ünd tätiger. Mitwirkung

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