Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 45 (15.11.1918)
- Date
- 1918-11-15
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite-728 Dr. Bloch'A Kulturinstitutionen in angemessener Weife Rechnung gt - tragen Werden. Wir haben oben int allgemeinen angedeutet, wozu 'uns unser nationales Gewissen und der Ernste des geschichtlichen Augenblickes drängen. Wir hoffen und sind davon überzeugt, daß unsere Forderungen von den berufenen Vertretern des tschechischen Volkes mit gleicher Offenheit, mit gleich gutem Willen und Vertrauen werden geprüft werden, als wir sie vortragen. Mit derselben Offenheit gestatten wir uns, auf den vergiftenden Einfluß des wachsenden Antisemitismus aufmerksam zu machen. Wir tun dies unt so mehr, als trotz der Warnungen einzelner Führer und anderer hervorragender Persönlichkeiten des tschechischen Volkes diese kulturlose Bewegung iM Volke verbreitet wird. Obwohl wir nicht bezweifeln, daß die berufenen Faktoren des tschechischen Volkes imstande sein werden, jni entscheidenden Augenblicke den Gang der Ereignisse zu bestimmen, betrachten wir es als unsere »Pflicht, darauf aufmerksam zu machen, daß es zu -ß& geDenheilen kommen könnte, denen ebenso, wir im Sinne . der Humanität, im Interesse der tschechischen Demokratie vorgebeugt werden muß. In dieser Angelegenheit sehen wir als einziges Mittel an, daß die Führer des tschechischen Volkes wie auch die tschechische Presse zurzeit die breiten Schichten des Volkes darüber belehren, daß es nötig ist, die Beziehungen Zwischen dem tschechffchen und dem indischen Volke im Wege der Verständigung, keineswegs aber gewaltsam, zu regeln. Insbesondere wird es . nötig sein, der Vorstellung entgegenzutreten, als wäre Mit der Errichtung des tschechoslowakischen Staates die Vertreibung der Juden oder eine Beschränkung ihrer bürgerlichen Rechte verbunden. Als die einzige Art) die unserer nationalen Ehre 'entsprechen, und gleichzeitig daS tätige Eingreifen antisemitischer Elemente in die ruhige Entwicklung des gegenseitigen Verhältnisses beschränken würde, sehen wir eine offizielle Kundgebung des löblichen Narodni vybor an, mit der dieser unsere fofgenbett Forderungen annehmen würde: 1. Anerkennung der jüdischen Nationackrtät und Freiheit des Bekenntnisses zu ihr: 2. volle bürgerliche Gleichberechtigung der Juden und 3. nationale Minderheitsrechte für das jüdische Volk, Demokratisierung und Der-, einigung der jüdischen Gemeinden. Wir bitten, der löbliche Narodni vybor Möge unserem Wunsche entsprechen. Gleichzeitig gestatten wir uns. Mitzuteilen, daß wir eine Abschrift dieses Memorandums. der Zentrale, der zionistischen Weltorganisation in Kop e n h a g.e n mit dem Ersuchen zugesendet-haben, darüber die^tschecho-slowakische Nationalregierung in Paris zu unterrichten. Mit größter Hochachtung Der jüdische Nationalrat. Dr. Ludwig Singer m. p., Obmann. Karl Fi sch el m. p., Dr. Mar B r ob m. p-, 1. Obmannstellvertreter. 2. Obmannstellvertreter. Prag, den 26. Oktober 1918. Die Mische OrienüMlrg. Wie schwierig den Juden ihre richtige Orientierung lallen wird und wie sehr sie die Einigkeit notwendig haben werden, beweist wohl am besten folgender Artikel, der alle bisherigen Entschlüsse über den Haufen werfen kann. Man wird aus ihm ersten, wie dringend wir eine abgeklärte und wirklich politische- Vertretung aller Schich- Wochenschrift Nr. r> Leu der jüdischen Bevölkerung brauchen, und wie wenig jetzt Feindseligkeiten, Lärm und Oberflächlichkeit am Plätze sind. Der' Artikel, dessen Ausführungen jedenfalls sehr beachtenswert sind und zuM Teil schon erfüllt wurden, lautet wie folgt: Wie sich.Tschechen die Zukunft Wiens vorstellen. O lMütz, 6. November. Im hiesigen „Nasince" wird das „Wien der Zukunft" geschildert. ,,Wienwird/ wie Konstantinopel, international werden. Jeder dort in'größerer Zahl wohnenden Nationalität wird die volle Möglichkeit und Gewähr gegeben werden, sich national frei zu entwickeln..Die tschechische Minorität werde die entsprechenden Volks-, .Bürger- Und Mittelschulen bekommen, welche Wien, öder der deutschösterreichische Staat erhalten werden. Die neue Volkszählung werde auf Grund der Muttersprache durchgeführt werden. Es wird deutsch und in beschränktem Maße tschechisch amtiert werden. In einem jeden Gemeinde-, Landes- oder Staatsamt wird ein Viertel der Beamten der . tschechischen Sprache in - Wort und Schrift Mächtig sein Müssen. Nationale Kirchen und nationale Priester werden den Tschechen zugewiesen werden, die auch einen Anspruch auf einen tschechischen Bischof in Wien haben. In handelspolitischer Beziehung wird Wien, an der internationalen Linie Lundenburg—Graz liegend (Lundenburg als südlichster Punkt des tschecho- . slawischen Staates, Graz als nördlichster Punkt des südk slawischen Staates), eine Brücke bilden. In Wien werden große Handelslager errichtet werden. In Flo-; r idsd o r f für tschechische.Erzengnisse, in Favorite n für südslawische Produkte. " Diezw eite Brücke Zwischen den Nord- und Südslawen werde das deM tschecho-slowakischen Staate angehörende Preß bürg bilden. DawerdedieDonau ür der Richtung S e M l in handelspolitisch zur Geltung koMmen. P r e tz b u r g wird, bedeutend, größer werden. Die slowakischen Ortschaften in Nord-Mederösterreich und Nord-Westuugarn werden dem tschecho-slowakischen Staate zufallen." . .__ PWuderung jüdischer Läden und Wohnungen in FaffemUl. Das Staudrecht verhängt. Am Mittwoch kam es in Falkenau zu großen Ausschreitungen, die offensichtlich nach einem best iMmt e n Plant organisiert wgren. Schon' in den Vormittagsstunden war ein starker Zustrom von Leuten aus den Dörfern nach der Stadt bemerkbar. In den frühen Nachmittagsstunden bildeten sich Banden, und sofort setzte auch der Ansturm auf einzelne Geschäftsläden ein. Die Wut der Menge richtete sich gegen die Inden. Einzelne Läden wurden gänzlich ausgeraubt. Selbst vvr PrivatWohnungen wurde nicht Halt gemacht. Stundenlang durchzogen die Leute Mit ihrem Raube die Straßen. D as Plündern w ä h r t e b is i n d i e s p a t en N a ch t st un d e n und hörte erst nach Eingreifen der eilends gebildeten bewaffneten Jugendwehr auf. Der bereits aM Sonntag gebildete S i ch e r h ei ts a us f chu ß h a t v o ll ff an d i g v er - sagt. AM Donnerstag früh wurde über Falkenau das St and recht verhängt. Bon Eger ist eine Abteilung Nationalgarde eingetroffen. Ausweisung der polnischen Juden aus dem Ascher Bezirk. Der Heimkehrerrat in Afch hat' angeordnet, daß sämtliche galizischen Juden innerhalb drei Tagen das Gebiet des Ascher Bezirkes zu verlassen haben. Die. Verpflegung dieser galizischen Flüchtlinge ist iM Augenblicke