Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-11-15 · 45 (15.11.1918) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
45 (15.11.1918)
Date
1918-11-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3020846-3022300-3022346--27321-3052731
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 723 Nr. 45 Dr. Bloch'S hnng von Anfang .an brMt, Me „NgtLonalisiernnü d«s - polnischm WirtschaftsleLen", in normalen Zeiten oft versucht und hjLusigvr noch; an der %c| der Tatsachen Mscheitert, soll in diesen Zeiten der Zerrüttung und der Ohnm-gcht mit aller Kraft der Verwirklichung nähergebracht werden. Das ist der Sinn und die Richtung aller polnischen Wirtschaftspolitik in der Gegenwart, das die Hauptaufgabe des „Wiederaufbaues" und der geplanten Maßnahmen der „Uebergangswirtschast". .. Das war auch der Sinn und das Hauptbeftceöen der. großen polnischen Handelskonferenz, die dieser Tage in Warschau tagte. ,Schonäußerlichw ar diese Tagung polnischer Kaufleute, zn der über 500 Teilneh mer erschienen sind, völlig „ju den rein". Ungeachtet des nicht ganz unerheblichen Umstandes, daß etwa 70 bis 80 Prozent des gesamtpolrrischen Handels in jüdischen Händen liegt! Dagegen glänzten durch die recht fühlbare Anwesenheit sämtliche „Sterne" des polnischen Antisemitismus und die Führer und Schrittmacher der Nationalisierung, vor allem der berühmtHrrüchtigte Herr Jlski. Erschienen waren in gleicher Weise Vertreter der höchsten polnischen Staatsbehörden, in deren Namen der polnische Minister für Handel und Industrie Broniewski die Verhandlungen einleitete; ferner der Warschauer Stadtpräsident Ingenieur Drzewscki und der Vorsitzende des StaaLsrates Balinski.. Anwesend waren gleichfalls die Vorsitzenden der polnischen Handelsvereine und des Fabrikantenverbändcs. Der hochoffiziöse Anstrich der ganzen Veranstaltung machte eine gewisse Zurückhaltung in der Form unumgänglich. Es wurde denn auch niemals ausdrücklich von den Juden gesprochen. Dies war auch kaum nötig. Der Aufstellung eines Eindeutigen positiven Nationalisierungs- Programms stand diese formale Rücksicht nicht im Wege. Man sprach nicht-davon, daß die Juden verdrängt und depossediert werden Müssen, doch mit aller wüchchenKwerten Deutlichkeit vom der Notwendigkeit, den polnischen Handel „unabhängig" zu machen und von den „fremden Elementen" zu emanzipieren. Und das. war schließlich die Hauptsache. Programmatische Sätze enthielt bereits die Begrüßungsrede des polnischen Ministers für Handel und Industrie, Herrn Broniewski. Er rühmte die Bedeutung des polnischen Handels für* das polnische nationale Leben und warnte vor dem' Optimismus^ der die Schwierigkeiten, die der Entfaltung eines machtvollen polnischen Handels im Wege sichen, nicht sieht. Es würde keine leichte Aufgabe sein, denn die Polen hätten sich bisher mit Handel nicht befaßt. Nunmehr sei aber die Sonne der Bildung und des Fortschrittes Wer -Polen aufgegangen, uich das „ganze. Volk" wende sich dieser Aufgabe zu. Die Tagung —^ meinte der Minister — rstüsse den Anfang einer neuen Epoche im polnischen Handel bilden und den Grundstein legen für das künftige Machtvolle unabhängige nationale Wirtschaftsleben des polnischen „Volkes". Zur Verdeutlichung dös Bildes trug indessen eine ,weitere Debatte über die „Landesindnstrie" bei. Als der Direktor des polnisch en Fabrikantenverbandes in einem Referat-auf die Notwendigkeit der Unterstützung der Landesfaürikation hinwies, wurde dieser Hinweis' von verschiedenen Seiten mit den: Emwand beantwortet, es gäbe in Polen feinef „Landesfabrikatiou" schlechthin, sondern auch eine solche „Uichtpolnischön" Chäräkters, die polnische Kaufleute nicht unterstützen dürfen. Es wurde auch laut gegen diejenigen polnischen .Industriellen protestiert;, die sich zwecks Asbsatz ihrer Erzeugnisse des jüdischen Handels bedienen. Eine Entschließung wurde darauf einhellig gefaßt, in d er die poknischen.Fab.rifkanten aufgefordert werden, ihre Mare' nur an Polnische Kausleute zu liefern. Die Tagung be- Wochenschrift schloß außerden^ die Einführung der pflichittnäßigen vollen Sonntagsruhe für Handelsgeschäfte inm Läden jeder Art, was bömnnllich dem jüdischen, ohnehin am Sabbattage ruhenden Handel.ruinös sein würde, für die „Nationale- - skerung" jedoch eine außerordentliche Förderung bedeuten müßte. Herr Jlski begnügte sich dagegen danach mit der ,Hattnlofen" öffentlichen Feststellung, daß der pobnische Handel an der Spekulation nicht betoiligt wärq, und der'Aufforderung, diese „fremde" Spekulation nach Kräften zu bekämpfen. Man wird Meinen, Bestrebungen zur Mationalisierung des Handels in einem Moment, da es einen legi? tim'en Handel Werhaupt nicht gibt, seien schwerlich tra>- gisch zu nühmen. Allein nicht auf das eigentliche in diesem 'Zeitpunkt Erreichbare und zu Erreichende kommt es mr, sondern aus den klar erkennbaren Willen und dia Art, wie er sich kundgibt. Der Ge ist, wie er auf der Tagung polnischer Kaufleute zu Warschau ganz unverblümt zutage trat, wird nicht verfehlen, auch denen, die niernals im Optimismus besänge:: waren, ein tiefes Erschrecke:: zu bereiten. Es ist der Geist unversöhnlichsten Hasses und der Wille zur Vernichtung, der die polnische Wirtschafte und Iudenpolitik gemeinsam beherrsch:. ' (Jüd. Mo.) * » * Antisemitische Exzesse in Warschau. Das Jüdische Preßbureau in Stockholm meldet: In Warschau und dejn Vororten haben in Letzter Zeit wiederholt antisemitische Exzesse stattgefunden. Am vergangenen Mittwoch den "23. v. M. sah Warschau einen regärechten Judenpogrom. Den Meldungen der Warschauer Presse und dem Polizeibericht zufolge beteiligten sich an esirem judenfeindlichen Auflaufe 2000 Mesonen und wurden viele jüdische Geschäftsläden und Häuser geplündert und demoliert sowie Mehrere Personen verwundet. Diese Exzesse sind keine zufällige Erscheinung^ sondern wurden vielmehr von langer Hand vorbereitet. Tie jüdische Bevölkerung Warschaus und anderer Städte Polens wird in letzter Zeit in schändlichster Weise terrorisiert. Die antisemitische Presse, ruft der „Gazette Po, ränna" („Dwa Erosza") an der Spitze hetzt unaufhörlich gegen die Juden. Eine unterirdische Pogromorganisation verbreitet unter dem Namen verschiedener phantastischer Komitees blutrünstige Aufrufe gegen die Juden. So war am 14. Oktober, am Tage polnischer Volksdemonstratio» nen, in allen Straßen folgender Aufruf angeschlagen: Achtung Polen! Unterstützt mit jüdischem Gelbe, versuchen die polnische Sozialdemokratie und der jüdische „Bund" einen banditischen Bolschewismus ln Polen zu. organisieren. Die nichtsnutzigen Kerle rufen die polnischen -Arbeiter MM Brud erkämpf, zur Vernichtung der polnischen Kultur. Tie „Diktatur des internationalen Proletariats" preisen die falschen Verteidiger der Arbeiter als gerechte Waffe an. Der russische Arbeiter kennt schon zur 'Genüge die Folgen dieser Diktatur. Der'Jude Bronstein-Trotzki, „der große Diktator des internationalen Proletariats", hat sich den gewesenen zarischen Dienern angeschlossen und er erdrückt Mit seiner blutigen Faust das russische Volk. Soll der polnische Arbeiter, soll das polnische Volk diese Greuel durchmachen? Nein, wir Polen verstehen, worum es sich, hier den Juden handelt, worum es sich dem „Zentral koMitee der polnischen sozialistischen Partei" hcnchelt, d. h. jener Organisation, der kein einziger polnischer Arbeiter angehört. Die Juden sind durchschaut; sie wissen, daß das ganze polnische Volk gegen sie haßentflaMmt ist wegen ihres Wuchers, ihrer Spekulation, ihres Denunzianten

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.