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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-11-15 · 45 (15.11.1918) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
45 (15.11.1918)
Date
1918-11-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Sette 722 Dr. BLoch's KdstrmWsrr. Es chipd hvvhl nichstandenr einsalleih, jetzt der jüdischen Bevölkerung ohne weiteres Beftagen seine eigenen persönlichein Ansichten und Wsichitett als Programm auszuzwingeM Er würde eine Verantwortung ans sichj laden) w elche er im Falle des Mißsingens schzw erlich ertragen könnte. Das istj wohl bricht der Sjnn des Selüstbestimrüungsrechtes, daß statt hm einen Gruppe von Machthabern eine anders gefärbte anstritt und.der eingeschüchteirten uiissra eoutribusus plebs kurzerhand verkündet: Fetzt bin ich. der Herr, jetzt wird geschehenwas ich! wünsche. Diese Posse und Parodie aus den großen Begriff des SelbstbestiMmungsrech tes wäre und gäb e durchjaus kein andews Bild als die berühjMLen Wahlen in Da- Mcmy-Kall, bei denen der Erfolg immer denen gehört, die augenblicklich über Mehr Äärm und Kraft verfügen. Ter gerade Weg> zur wirklichen Macht in der Wiener jüdischen Gemeinde gcht durchs das Liager chrer Angehörigen, deren Meinung eingeholt werden' nruß. Das ist bisher nicht geschehen und bietet offenbar gewisse 'Schwierigkeiten. Denn die Masse der Bürgerschaft ist entnervt durch: den Krieg und voll Besorgnis über die Entwicklung der Weltvorgänge. Dadurch ist sie in eine Sti-mmüng gekommen, wie etwa die französische Bürgerschaft jzur Zeit der französischen Revolution die stumpf und gleichgültig alles Mit sichgeschchien lieft Allerdings sind bei' uns noch genugElemente vorhanden, welche sich rühren, betätigen und äußerer möchten. Sie.bleiben jedoch zerstreut und dadurch! zur OhnMacht verdammt, weil die vielen berufenen und unberufenen Führer, die sonst im . jüdischen ÄÄben ausgetreten sindteils eingeschüchtert sind und tells warten, nach! welchem Wind sie ihr Mäntelchen eigentlich drehen sollen. Die Sehnsucht bedeutender jüdischer Grupp^r nach entschlossenen Worten und Taten bleibt leider unerfüllt und so wird es einer einzigen Gruppe tnöglich, ohne jeden Widerstand' wichtige Punkte zu beschen. Da es jedoch kein wichtigeres Interesse gibt als das jcll^emein jüdische, und da jetzt Entscheidungen heraNreifen, die „zum Staub' uns schleudern oder zu den Sternen", so erheben wir mMküjntmert unsere Stimme zur energischen Forderung daß ungesäumt jene überwiegende Mehrheit der jMschen Bevölkerung Wims befragt werde, die ihre Meinung, noch nicht abgegeben hat. Wir sagen nichts als die franke Wahrheit mit der Behauptung!, daß die Mitglieder der Wiener Kultus'genteinde, wie 'sie im Frieden bestanden hat, nicht Mit allen Schritten in der jüdischer Frage einverstanden ist und eine Vertretung ihrer Interessen nicht gefunden hat. Ihre Interessen sind andere als die der Mischen Gäste Wiens) die sichj erst während des Krieges eingeftmden haben. Ihre Interessen sind ländere als die der Fugend, welche die schönen Worte hoch Mer die Erfordernisse des täglichen! wirtschaftlichen Lebens stellt. Bisher ist Man noch gar nicht. Mr das' große Prinzip MereingekoMmen, ob MM den jüdischen Standpunkt stärker oder schwächer betonen solle, ob man eine Mische Autonomie ohne jeden faktischen RjüMalt verlangen^ solle und welche Methode die eigentlich Üeste wäre, um das moralische Ghetto zu durchbrechen, in das wir bisher inftner enger eingepfercht wurden. Verschiedene Parteien sind darüber verschiedener Ansicht. Nun gibt es nach einem? sehr geistreichen Wort nicht einmal in der Wissenschaft viele unumstößliche Wahrheiten,' sondern nur WührscheinlichDeitm, die der Wahrheit am.nächsten komMeir. Noch, ftagwürdiger sind natürlichj alle Erkenntnisse in der Politik. Nun ist diese jetzt das.Nichtigste, well in ihr unser Schicksal ruht. Deshalb ist es unbedingt notwendig, auch: in der Politik die V^ahrheit zu such,en, die der Wcchrschjeinlichjkeit am? nächsten kommt. Das kann unmöglich! eine , einzelne, auf ein Programm Wochenschrift Nr. 45 eingeschworene Gruppe sein, well alle alten Programme von den neuen Ereignissen überholt wurden. Wenn also die jetzigen oder zukünftigen Leiter der jüdischen Politik vernünftig und gewissenhaft sind!, so muß ihnen selbst am meisten daran liegen, die allgemeine Meinung einzüholen und sie über die eigene zu' stellen; die Meinung der Fichen Deutschösterreichs natürlich) - welche entweder durch die erworbene Staatsbürgerschaft oder langen Aufenthalt Mit unseren Verhältnissen genau pertraut sind. Denn die zufällige Anwesenheit vieler Gäste kann da weder .entscheidend sein, noch.gibt sie den nötigen Rückhalt füjr die Verhandlungen mit dem /hiesigen Nationalrat oder für Beschwerden' an Auswärtige Vertretungen oder für den gewiß noch bevorstehenden Kampf gegen die Judenfeindschaft. Um klar durch den ' Vergleich Mit einem Bild zu beleuchten) was wir meinen: Kftnn etwa die ansässige Bevölkerung eines steirischen Tales entrechtet werden) weil zufällig der Krieg ein^e Mehrheit industrieller Arbeiter, herbeigebracht hat? Etwas ähnliches, könnte jetzt leicht in Wien geschehen und die allermodernste Theorie und Praxis könnte den Wahnsinn einer solchen Tatsache nicht bestreiten. . Daher bleibt nichts' anderes übrigals die Maßgebende Meinung aller einzüholen, die'ein Recht tzum Reden haben. Man sieht kein Hindernis, für diesen Vorgang.^ So wie sichj auf allen WiteN „Räte" bilden,'so kann es auch bei den FlLen. .geschehen. DLr bisherige ist wohl nur der Rat einer einzelnen Partei. 'Wenn aber alle bedeuterrderen jüdisch.en Vereine und Vereinigungen je nach der Anzahl ihrer Mitglieder und! nach "deren genauer und gewissenhjafter Beftagnng - in Vollversammlungen Vertrauensmänner wählen, so Wnnten diese leicht zusammentreten. Aus ihren 'Debatten ließe "sich? eine allgemeine Richtlinie für eine Mische Polftik findendie nicht-in der Hast und' deM allMneinen Lärm des'"Tages gentacht würde, sondern ehrlich auf unserer Zukunft, auf die Zukunft aller bedacht ist. An alle Gruppenführer, ergeht daher der 'Rstftihve Freunde Und lAsthanger IN versammeln, zu beftagen und das Ergebnis der GenreindL mitzuteilen. . ' Uoimschr Wirtschaft»- «ni»II»ds«xs!itik. Die Fragen des Wiederaüfbaues des' dnrchj den Krieg der Stagnation verfallenen Wirtschaftslebens stehen naturgemäß auch in Polen gegenwärtig im Mittelpunkt des öffentlicher Interesses. Die WiedeMüfrWung des ' Handels, des Handwerks und der- Industrie .bildet den Gegenstand eingehender Erwägungen mrd Auseinandersetzungen in der Presse und seitens öffentlicher und privater Körperschaften und Fachverhänbe des Landest Man sollte meinen, daß die Erkenntnis der Schwierigkeit der Aufgabe, deren einigermaßen befriedigende Lösung nur durch das ZusaMmenfafsen aller ausbauenden Kräfte und das geschlossene Zusammenwirken aller schaffenden Elemente sichj ermöglichen ließe, alle trennenden und'Hemmenden Momente und Faktoren inner- und! außerwirtschästlicher Axt von vornherein zur Ausschaltung bringen würde. Weit gefehlt. Das Schjreckensgespenst des polnischen. Nationalisüchrs ist nicht zu bannen. In allen Erörterungen wirtschaftlicher wie politischer Natur taucht' bald die „nationale Frage" aus, die überall den Aaren WirAichkeitssinn trübtden Blick für die unmittelbaren Ansgaben verwirrt und eine heillose Verwirrung des Standpunktes bewirkt.. So sind! alte Bemühungen von - vornherein zu Unftuchtbarkeit verdammt. AM klarsten tritt'dies in allen auf den Wirtschaft- . lichen: Wiederaufbau gerichteten Bestrebungen und .Aktionen zutage., - Eine unglaubliche, in ihren Folgeerscheirmngen höchst verderbliche Verquickung des wirtschaftlichen und nationalistifchen'WoMents macht sich', in dieser Bezie-'

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