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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-11-15 · 45 (15.11.1918) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
45 (15.11.1918)
Date
1918-11-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 45 Dr. Bloch’s Iayrgang XXXV Zentralorgan für die gesamten Interessen des Judentums Q QDQaaoaDQDQDaDDCQQaQDOQDDDaDDa Q a - - a □ , K. k. Pollfparbasfenäml □ | Clearing-Verkehr r 810.976 g; °° . 8 g Redaküoa und Administralion: g § Wien g □ II/i, Pralerstratze S § f Telephon : 43.859. § □ O □ □□□□□□□atiEiaaaaaaBpaBoaaacuioBQa □ —-ooo—--- Wie«, 15. November 1918- Erscheine jeden Freiing Brief-Adreffe: Wien, 11/1, Pralerstratze S Telegramm-Adresse: Bloches Wochenschrift Wien. aDoaaQaaannaaacanaacnaooaaaaaa Q a g g VezugSKreis:. g a : Halbjährig 10 Kronen " g g Ganzjährig 20 Kronen g § Einzelexemplare 50 Heller 3 g Anzügen: Dl» 2««l g,spattene- ° g P tltzsile 60 H»üee. g □ o Q□nnnnGonnnaoonaanoaDDonncDCooc XX » Jnh.rttr V t it arr t £el:' Die Republik und die Juden. — Abstimmen. — .Polnische Wirtschaft-- und Judenpolitik. — Dr. Alfred Stern. — Aus der Woche: DaS Memorandum deS JüdischenNationalrates an den Narodni vybor. — Die jüdische Orientierung. — Plünderung jüdischer Läden und Wohnungen in Falkenau DaS Standrecht verhängt. — Ausweisung der polnischen Juden auS dem Ascher Bezirk. — Indische Flüchtlinge im tschechischen Staate. — Der Wiederaufbau des Leopoldstädter Tempels. — Goldene Tapferkeitsmedaillen für Offiziere und Mannschaften. — Ein vorsichtiger Prinz. — Der Prager. Adel und seine Bezüge aus den a Magazinen des Roten Kreuzes. — Die Verhaftung des Rcgierungsrates Dr. Ramboufek. — Die Haltung der rumänischen Behörden in der jüdischen Schulfrage. — Korrespondenzen: Aus der Plenarsitzung des Vorstandes der Wiener isr. KultuSgemeinde am 13. November 1918. — Stellenvermittlung für jüdische Handelsangrstellte und Beamte. — Hilf-kommissiou 1915 für ■ Palästina. — -Ein Bannspruch, der Rabbiner von Grodno gegen den Wucher. — Stimmungen in Tirol. — Wie bringen wir . unsere jüdischen Kriegsbeschädigten unter? — Talsperren ans dem jüdischen Mtertum. — Vermischtes. — Feuilleton: . Romain Rolland im Jean Christof über Juden und Judentum. — Brieflasten. — Inserate. Me usld die ZAderr. Gewaltige Hammerschläge haben das alte Gefüge des österreichisch-üngarisch-en Staates zertrümmert. Unter Schwierigkeiten nnb Kümpfen wurde die-Republik Dentschösterreich ausgernfen, welche nun ihre Entwicklung nehmen wird. D-ie 16. Stunde des 12. Npvember 1918 wlar damit die Schicksalsstunde der habsburgischen Dynastie, deren letzter Monarch in öinem bewegten. Schreiben von d en Völkern Abschied genommen Hat. Was geschiehen ist, ist aM Weibstlchl der Zeit mach! den Regeln der Geschichte nnd den unerbittlichen 'Gesetzen der Logik entstanden und weder der Einzelne, noch kleine Gruppen konnten darauf einen nennenswerten Einfluß/ nehmen. Der größe Kampf richtete sich nicht gegen Personen, sondern geigen Systeme, und auchdie Feinde der Monarchie erkennen bei allem Willen zur Freiheit an, daß^ der Kaiser selbst gute Ab?- sichten hatte, aber die Entwicklung der feindseligen Ereignisse nicht mehr aushalten konnte und ihnen deshalb zum Opfer fiel. 'Auch wir Inden erinnern uns trotz unserer alten Liebe zur Freiheit und unserer Entschlossenheit, demneuen Staat, als.seinealten Bürger - unser Bestes zu. gchen, dankbar an die Tatsache, daßj Kaiser Karl nicht die Schuld daran trugwenn wjir ungerecht von Mächten verfolgt wurden, die stärker waren als er und ihn auch selbst schließlich ins Verderben stürzten. Jetzt schreiten auch wir Juden mit großen Hoffnungen in die neue Zeit hinein, chekche große und schöne Grundsätze verkündet hat- Wir erwarten, daß auch für uns viele Günden der Vergangenheit begraben werden, unter 'denen wir zu leiden -hattjen. Was wir verlangen, ist kein Vorteil, nicht einMal der Schatten eines Vorteils, tjl etwas so Selbstverständliches!, daß .man Eigentlich gar nicht davon reden sollte. Wir wollen nichts als'Recht und Gerechtigkeit, -als die Gleichheit vor dem! Gesetz nnd das Urteil der Menschen. Hoffentlich verschwindet jetzt Las einge-- wurzelte Verbrechen, uns als eine Gesamtheit zu.betrachten,. der man die Verbrechen Einzelner vergrößert und beschwert zur 'Last legt, während Man alles Gute unterschlägt und übersieht. Man sieht in uns ein Volk des Nutzens, und rechnet unsjeden habgierigen Kaufmann zehnmal -an- Und doch; ruft jetzt der erschütternde Tod des großen Aroeiterfühvers Viktor Adler dev 'ganzen Welt ins Gedächtnis,^ wie viele und wie große opferbereite Idealisten unter den Indenlehen. Nicht einige von'diesen Führern WM Wicht sind -Juden, sondern Zu Hunderten und zu Tausenden könnten sie genfannt werden. Und nicht nur politische Idealisten haben wir in Massen, sondern auch von reinstem Feuer geläuterte Führer auf allen Gebieten des öffentlichen und gesellschaftlichen Levens, der Wissenschaft, der Kunst, der Literatur der sozialen Frage. Wird miau diese Kräfte befreien und benützen oder sie wie bisher unfruchtbar verkümmern lassen und znrücksetzcn? 'Das. ist die große Frage, die wir Inden an die Zukunft, .an den neuen Staat und seine Machthaber richten. Es fällt ans gar nicht ein, etwas Böses und Schlechtes in unserem Kreis zu. schützen oder zu verbergen. Aber der Uebeltstter Mag allein büßen und wir nicht mit ihm. Wir anderen, die wir die überwältigende Mehrheit der Juden sind und nichts anders wollen, als ehrlich unser freies .Neben für, uns selbst zu bestreiten und für die Oeffcntlichkeit alles Edle und Schöne antzustvebeu und unterstützcln -- wir wollen unter dem Schutz der für alle gültigen Gesetze getragen, von der Achtung Kr gute und redliche Arheik, gestärkt von der Gerechtigkeit der Moral, frei und offen als Bollbürger die Schwelle der neuen Zeit und des neuen Staates überschreiten. - , ,

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