Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 43 (1.11.1918)
- Date
- 1918-11-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 43 Dr. BlochH Wochenschrift Seit» 695 begründete Perspektive, in Palästinaauch Privatkapitat fruchit- und nuAbringend investieren! zu können. Auch die Lösung 'd>er Besiedlungsfracie dürfte keinen besonderen Schwierigkeiten begegnen. Wenn wir absehien wollen davon, daß,es Zahllose unter uns! geben werde, die'der innere Drang, das ftieliscke Bedürfnis die nie erloschene und nun neu anglefa'chta Liebe zum, Lande her Vater einer-« seits und der wenigstens! mZentraleuropa wieder emporgekommene Antisemitismus' andererseits zur " Auswanderung nach'Paliästrnaperanljassen werden, so wirdein nicht unbeträchtlicher Teil unserer Brüder im neuzuentstehenden Polen, dem doch tatsächlich auch Galizien einverl-eibt werden wird, selbst in dem Falle, wenn die berechn tigten jüdischen- Wünsche und Forderungen dort restlos in Erfüllung gehen sollten und der dort jetzt herrschiende AntisemitisMNs'einer wahren liberalen Aera Platz, machen sollte, was doch nicht wahrscheinlich erscheint, schon'aus rein wirtschaftlichen und Ernährungsgrüftdcn zum Wanderstabe greisen müssen, so daß, M. E.. notwendig sein ioird, die 'Einwanderung! nach Palästina, namentlich in der ersten Zeit, systematisch und plangemäß zu regulieren, ihr gebotene Schranken zu fetzen, um"schädliche Ueberstürzungen.zu vermeiden. Bei der Besiedelung, des heiligen Landes wird jübtigens auch an die Juden aus dem Jemen, als ein überaus'fteißiges) an schwere Arbeiten gewohntes, aMmatisiertes) «äußerst anspruchsloses, von den Auswüchsen der europäischen Kultur noch nicht berührtes Element in weitestem Maße zu denken sein. D-i.e in manchen Kreisen gehegte Befürchtung, daß eine jüdische Bildung in Palästina aus-die politische Lage der Juden außerhalb Palästinas nachteilige Folgen zeitigen Wuchte, erscheint in Wirklichkeit ganz, und gar unbegründet. Selbst wenü em jüdisches Palästina nichts anderes sein sollte, als irgendein Kleinstaat, wie etwa Griechennland, so leben jg, um beim! angeMgeyen Beispiel M bleiben, Griechen i,n der Türkei, wo erst, nicht lanAi her, ein 'Grieche das wjchifige Portefeuille des Aeußxrn inne hatte> und in der MNAen, Weft verstreut leben, ebenso Angehörige aller selbständigen Nationen in Amerika, ohne daß ihre Anhänglichkeit, Ergebenheit und Treue jemals bezweifelt worden wär^. Wir dürfen aber wieder nicht vergessen, daß die uns gegzenüber bekundete Toleranz,. jg sogar die Gleichberechitigung nicht aus Rachß mannt, vielmehr aus der Erkenntnis unserer Nützlichkeit und unserer Leistungen erfolge; so lange wir uns also nützlich zeigen werden und so lange unsere Leistungen Bortette bringen werden, sind unsere bürgerlichen und politischen Rechte und Vorteile uns überall gesichert, kaum werden wir aber als entbehrlich, überflüssig -erkannt, so folgt dgs Kesseltreiben des Aptisemitismus für jeden Fall, ob mit oder ohne Palästina, und es bleibt uns nichts anderes übrig, aß unfett Rechte mit djen zu Gebote stehenden Mitteln zu verfechten. Unsere Geschichte bezeugt Mrigens, daß während des Bestandes des jüdischen Staates zur Zeit des zweiten Tempels der überwiegende Teil der Juden außerhalb Palästinas, in manchen Ländern,-wie Babylon, Aegypten) sogar in dichten Massen lebte; sie bekleideten dort höher Aemter und Würden, waren tadellose, opferfteudige und treue Bürger, und wir finden keine Spur davon, daß ihr Patriotismus mit Rücksicht ans Palästina jemals in Zweifel gezogen worden wäre, obwohl ihre geistig-religiösen Beziehungen zum jüdischen Pcflästina Merans enge waren. Palästina kann demnach die Jud.enfra.ge auch heute keineswegs lösen, e's kann -aber zur Erlösung fraglicher Judenexistenzen in materiellem und geistigem Sinne beitragen. Wir dürfen ober selbst dann, wenn alles so gelingen würde, wie wir es uns vorstellen, nicht aus den' AjUgen verlieren, daß wir im besten Falle erstcheim Beginne de'r kolossalen Arbeit in Palästina stehen, und wenn etwas Gedeihliches m- G. H. zustande kominen soll, so darf Palästina nicht von einer politischien Schattierung im Judenttlme vindizierk werden; ein jeder Jude soll Bausteinle, deren so ungeheuer viÄ bedühsen, -liefern könne'n, ohne: erst ein politisches Bekenntnis oblegen zu müssen, nur muß das Gebäude selbst auf dem'einzig möglichen, hi-r storisch jüdisch-religiösen Fundament basieren. Und da kommen wir zum wichtigsten Punkt: ein neues jüdisches Leben im heiligen Lande ist nur dann denkbar und erfolgversprechend, wenn es auf Thora und Mizwah begründet werden wird. Dies ist nicht die Sache einer Partei innerhalb des Judentums, es ist vielmehr das Judentum selbst, wie es ewig war und wie es einzig sein kann, wenn es ütserhanpttsem soll. Es darf nicht mehr Vorkommen, daß das heilige Land zum Tummelplatz« weltumftürzender Thteorien," deren unheilvolle katastrophale Folgen und Erscheinungen wir gerade jetzt in Rußland beobachten konnten, zum Versuchskaninchen für allerlei radikale nnjstdische Thesen und Lehren werde. Lehr und Hrziehungsmethoden, wie sie das Jaffger'Gymnasium Pflegt, selbst oder richtiger: weil sie in der uns allen heiligend und unendlich! liehen hebräischen Sprache verabreicht werden, wo, um nur eines zu erwähnen, das heilige Buch! der Bücher wie Pas Schmierhest eines Elementarschülers behandelt, nach dem Meist von schlimmen antisemitischen Tendenzen diktierten Rezepte.aus dem Gebiete der Judaica meist unbedeutender arisch-germanischer Professoren korrigiert werdie. Dos bedeutet geistige Assimilation' ärgster Sorte, um so sMiMme'c, da es in hebräischer Verkleidung dargeb'oüen wird. Das wäre ein Beginnen mit dem Hellenismus', aus Namen kommt es ja nicht viel an und es ist gleichgültig, welcher —! mus es ist, aber un- und. antijüdisch ist es gleich dem Hellenismus, gegen welchen unsere Helden mit ihrem Herzensblute kämpftenohne daß wir heuke gottbegeisterte Makkabäer hätten, die uns beistünden. Es darf nicht mehr geschehen, daß unsere heilige Thora, für die unsere Besten ihr Leben bereitwillig Hingaben, der wir unseren bisherigen Bestand verdanken und von der wir unsere weitere Erhaltung erhoffen, vvn Juden aus jüdischem, olso auf ihrem ureigenen Boden ignoriert oder bestenfalls bloß geduldet werde; sie allein muß vielmehr bife einzige Richtschnur bilden für alles, was im jüdischen Palästina geschehen und unterlassen werden soll. Im Rahmen unserer Thora ist der weitgehendste Spielraum für eine nützliche, wirklich demokratische Einrichtung hinlänglich gegeben. Ja, ein Serubabel kann; sich, unter uns vielleicht auch heute finden, wo nehmen wir aber einen Esra und einen Nechemja? . Soll das Wort und der Begriff Evez Jisraet seine, Anziehungskraft bei Lien breifen Massen unserer Gesetzestreuen nicht einbüßen, soll der von dort aüszugiehende geistige Einfluß segensreich und heilvoll werden und befruchtend wirken, sollen die Frommen in Israel, die für die Wiederherstellung dös heiligen Land-es Inbrunst, Herz und Tränen hatten und hab ein, nicht hinweggescheucht werden, so muß die Neuorientierung m Palästina eine auf Thora und Mizwah basierende sein. M. G—s aus Jerusalem. Auszeichnungen. Feldrabbiner Dr. Friedrich Weiß, ,eingeteilt bei einer Divisions-Sanitätskolonne, erhielt für tapferes und aufopferungsvolles Verhalten vor dem Feinde die allerhöchste belobende Anerkennung (Signum laudis) mit den Schwertern. Erzherzog Franz Salvator hat dem städtischen Bürgerschuldirektor i. R. Herrn Karl Holzer das Ehrenzeichen 2. Klasse vom Roten Kreuze mit der Kriegsdekoration taxfrei verliehen.