Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 43 (1.11.1918)
- Date
- 1918-11-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Serie «94 -Dir. BloH's KehrÜaS und im Meißen Hiause'zu MaMngton, Zn '.Schriften und Zeitungen aller Sprachen und Länder namens derer zu sprechen, die sich als Glieder der jüdischen Nation fühlen. Vom Volke zuM Volke. So ist? die freigewählte, die weltumspannende zionistische Organisation — unter H erzls Führung — entstanden, und sie hat den Weltkrieg überdauert. Ihr ist es zu danken, daß die jüdische Nation hei der großen Umwälzung, die mit dem Zusantmenbruch des Militarismus begann, nicht ^Übergängen roerdey wird. Denn das war sonst wohl möglich . . - Das ist fürs erste Legitimation genug." Die zweite, daß wir einig sind im Volksgedanken. Für uns hören-die Termini von Ostjuden und Westjuden sehedeM Polischen und Datschen) auf. Nebenbei: wer darf sich Westjude nennen? Ist es nur der, dessen Familie vor £50 Jahren! aus Polen hieher geflüchtet ich oder ist es noch der, der mit dem letzten Schnellzug vor Kriegsausbruch aM Nordbahnhof gelandet ist? Wir tragen geographischen und politischen Tatsachen Rechnung, aber sie-trennen uns nicht feindlich. Zum dritten, baß wir uns stark fühlen. Wir arbeiten für die Zukunft unseres Volkes, und deshalb ist „die Zukunft des Volkes" längst auf unserer Seite: die Jugend. Schließlich, daß wir für unsere eigene Person nichts erstreben. Nichts erstreben, Über auch — nichts fürchten. Nicht einmal die jüdische Kurie, die jüdische Schule, den Verlust gewisser Möglichkeiten, die einzelne „Auchjuden" allzu groß werden ließen, sehr zum Schaden des jüdischen Volkes. Was sonst an Legitimation erforderlich sein mag, wird zeitgerecht nachgeholt. Der Beschluß; der zionistischen Reichskonferenz vom 20. Oktober hat die Wege gewiesen. Wir wünschen aufrichtig die tätige Mitarbeit aller jüdischen Gruppen, aller jüdischen Männer und Frauen. Niemand wird schrägt werden, wann ek jsein jüdisches Herz entdeckt hat. Aber ein volles Einbekenntnis zum nationalen Programm wird gefordert, Muß gefordert werden, sonst haben wir Zank und Streit statt Arbeit. Große und ernste Arbeit aber wird geleistet werden müssen zur Bewältigung der -schweren Probleme, die sich ^oor uns erheben. Ein Schreiben des serdischLN Gesandten Ln Amerika. Der serbische Gesandte in Amerika L. Michaelowitch hat an die zionistische Organisation in Amerika ein Schreiben gerichtet, in deM es heißt: „Das serbische Volk hat die gleichen Ideale wie das jüdische. Freiheit für jede Nation und Gleichheit aller Bürger eines, Landes waren immer Prinzipien dev Serben, die sie in ihrem nationalen Leben bei jeder Gelegenheit manifestiert haben. Wir betrachten die Juden in Serbien als unsere Müder,, und ich wünsche,, zu betonen, daß die Verwirklichung der Ideale des jüdischen Volkes von der ganzen serbischen Nation mit Enthusiasmus und Mt großer Freude begrüßt werden wird." Juden rm HngliMen tzeere. Bei einem FrühMck zu Ehren einiger Angehörigen des jüdischen Regiments, bei-dem Lord Rothschild den Vorsitz führte, erklärte Sir Adolph Tuck, daß zurzeit etwa 50.000 Juden an der Westfront kämpfen. Im ganzen dienen 60.000 bis 70.000 Juden, einschließlich der KMaialtruppen angehörenden, im englischen Heere. Das zukünftige Palästina. Won orthodorer Seite wird uns geschrieben : Wir leben in einer < Zeit, wo, welterschütternde Mr-L cignisse und Umwälzungen in blendender Eiöei heran,-“ nahen. Was gestern, für umpahrschamlichi, ja unmoglW WoMnschrist! Nr. 43 sogar lächerlich galt!, erscheint uns' Wüte möglich, ja wahrscheinlich und wird morgen zu den Selbstverständlichkeiten gehören. Unser jüdisches Volk mit Mner in der vieltausendjähriigen Zerstreutheit zur SWbsterhaltung not- 'wendig gewordenen 'Anpassungs- und Dreinsindungssä-. higkeft wird es' auch jetzt verstehen müMm seine Lebensarnd Erhaltunlg'sbedingungien den zu erfolgenden MnorientieruNgen anzupassen. Und da richten sich, alle jüdischen Blicke aus Palästina, das geheiligte Ziel m-elhrtausendjährigen! Sehnens und Träumens. Und wir wollen es'als' 'hohlere Fügung betrachten und. erkeinnen, daß gerade zu einer Zeit, die von unseren .Propheten vov Jahrtausenden mitWchNmenwoxteln verkündet'el'Zeit ihren Einzug wenigstens zu verkünden scheint, die Volker,, welche uns so viel Unrejcht unö UnWl zufügten, daran denken, dem verstoßenen Volkes sein langentbehrtes, aber nie aufgegebe.NLs Heim ^zurückzMeben. Der Milbige Jude wird es wohl nicht lzugebe.n, daß diese Erscheinungen die ersehnte und erflehte' Geula, das erwartete Maschiach- Zeitalter bedeuten sollen, dies auch schon deshalb sticht, ' weil die verheißenen Voraussetzungen, wie allgemeie Verbreitung der geläuterten Gottes eÄenntnis- Anerkennung der jüdischen Lehre und ihrer Satzungen u. v. a-, fehlen, doch müssen diese Erscheinungen als Morgenhämme'rm einer Orijentterung, did den altjüdischen Ideen näher kommen und, was speziell dsts Judentum and s!ein Schicksal betrifft, gewissermaßen als Einleitung einer besseren Zeit betrachtet werden. Wir wissen es auch aus! unserer langen Leidensgeschichte, daß uns von änderen. Völkern M und da erwiesene Wohltaten,, ausgenommen einzelne erleuchtete Persönlichkeiten, deren MmanisMus und echter LiberälisMüs kaum bezweifelt werden kann, äußerst selten rei,n uneigennützigen menschlichen Gründen entsprungen sind, sondern all.ermeistens von ehgeNen politischen oder wirtschaftlichen ' Vorteilenbegleitet wareni "Dies erscheint! um "so begreiflicher, da es aus der politischen Weltgeschichte 'klar hervorgeht, daß Völker anderen, noch dazu unterjochten und unbeholfenen Völkern gegenüber nur in deh .seltensten Fällen bloß menschlichen G.roßmü't bekundeten. Auch der alte, vielbelobte CyruS hatte feine wohlerwogenen politischen Gründe, als er unser Volk zum Wiederaufbau seines Tempels und seinesi "Landes verholfsn hat. Und wenn England heute ein jüdisches Palästina weniger odör mehr deutlich verspricht, so wird sein politischer Vorteil hievon wohl auch, p apin zu suchen'sesn, in den nicht ungefährlichen. arabischi-MohKm'Medgnischen Halbkreis von Persien Mer Mesopotamien, Syrien, Palästina, Aegypten 'bis nach Indien und umgekehrt über Afganistan eine Bresche zu schlagen, einen Keil hineinzubringen. ' v Es wird nicht uninteressant sein, zu. erfahren, daß noch lange, bevor Lord B.alfour seinen bekannten Brief an Rothschild schrieb!, der gekannte, englische Afrikaforscher Harry Iohnston, Gouverneur von Zentralafrika und Uganda, bei einer Tagung! der Royal.Geogr. Society am 24. Februar 1915 einerp.wWtige.n Vortrag hielt/der dann im Aprilheft der Veröffentlichungen der genannten Gesellschaft mit drei Kärtenbeilagen veröffentlicht wurde. Tie Karte W. 3 (Asien) ist bss hinunter nach Basia mit Teutschlands gelber Farbe gezeichnet, Syrien ur -der französischen^ Farbe, M-efopotamien bis zu'M Mittelmee'r in englischer, dann bis Wexandvette in russischer Farbe, jLuf-- fallenderweise ist auf dieser Warte bloß Palästina! ohnebeson dere.Farb einder.'^ückenebeniAegyptkn^ g ebliebe n Wellen, Süddeutsche Monatshefte, April " 1916). ' ' - ' : /. F Daß es iän den zum Aufbau desMndes'nötigen Lü- ^deutenden Kapitalien nicht mangeln wird, Wtzüxgt 'der «aufs..neue wachgerüf>ene und womöglich noch stergerungs- ^fähige Opfersinn unseres Volkes! ebenso wie die wohl-