Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 43 (1.11.1918)
- Date
- 1918-11-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 43 Seite 693 D>r. Bloch's Wachenschrift plastisch. Zu große Plastik nannte er Roheit. Er lietz auf allen Seiten ein Stück Leinwand Überhängen, um eventuell, wenn's nötig geworden, zugeben zu können. Seinem Vorliebe für die alten Meister hat ihn nie in Sklaverei verfallen lassen — er blieb ein Freier, so sehr er auch die Alten studierte und verehrte. Wenn man ihn Mit Rembrandt,. van Dyk oder Tizian verglich, galt ihm dies als höchste Auszeichnung. Wiederholt lud Horowitz mich ein, das kunsthistorische.Museum zu “ besuchen — es waren für.mich Festtage —, und als ich einmal nach gemeinsamer Bewunderung van Dyks bemerkte: „Sfe können mindestens so viel, wie dieses lächelte er überlegen und sagte: „Wie können Sie das glauben!" Hier möchte ich einen persönlichen Charakterzug des Meisters heroorheben. ..Er kannte keinen Neid — eine bei Künstlern oft zu gewahrende schwache Seite. Er freute, sich mit dem verdienten Erfolg des anderen. Harmonie m den Tönen und koloristischer Reiz zeichnen alle'seine Bilder aus, und darin haben ihn ' wenige erreicht. Seine lockere, luftige — ich' möchte fast sagen schwungvolle — Malweise gibt seinen Bildern eine Frische . und verrät nicht, wie oft er korrigiert lhat. Er war'bestrebt, jede Eequältheit in der Technik zu vermeiden. und frisch zu erscheinen, als hätte er 'alles, nur so' heruntergemalt. VoM Anbeginn der ersten Skizze in Kohle bis zur Wahl des Rahmens .war er - der strengste Kritiker seiner Arbeit, und wenn Kollegen nichts an seinem Bilde auszusehen, keinen Wunsch Mehr übrig hatten, gab er sich noch immer nicht zufrieden und wußte sein Modell zu weiteren Sitzungen zu bestimmen, bis er endlich das erreichte, was. seinen künstlerischen Ehrgeiz voll und ganz befriedigte. Durch und durch Künstler, ohne Nebenabsicht, blieb ihm die Kunst eine hoh e, h eilige Aufgabe, die durch keine materielle Erwägung entweiht werden durfte. Wie Horowitz über die Benützung der Photographie beim Malen dachte, charakterisiert folgender Ausspruch.' Es war einmal nach getaner Arbeit, beim'. Tee, die 'Rede vom Malen nach Photographien. Horowitz malte damals das Bild der Kaiserin Elisabeth im Auftrag hes Kaisers. Er . bemerkte, daß, er die Kaiserin nicht gekannt habe, und sein Bild nach Photographien und Schilderungen malen mußte. Auf die Bemerkung eines jungen Künstlers, daß die Arbeit nach Photographie auch ", ihren Reiz habe, meinte Horowitz humoristisch: „Jawohl, den-Reiz, den Auftraggeber zufriedenzustellen." Was aber bei Horowitz besonders. hervorgehoben zu werden verdient, und was ihn vor vielen seiner großen Zeitgenossen aüszeichnet und in die erste Linie stellt, ist, daß er bei seiner immensen Geschicklichkeit kein Rou- ' tinier gewesen. Das Heruntecwichsen — ich bitte, den Ausdruck zu verzeihen, er ist sehr charakteristisch in der Kunst — war nie seine Sache. Jede Arbeit eine Schöpfung, frei von Virtuosentum, durchdrungen.von hohem, - sittlichem Ernst und Wahrheit, voM Studium nach der Natur. " __ (Forts, folgt.) Von Dr. Karl Pollok. In der letzten Nummer der „Jsr. Wochenschrift" richtet Herr Dr. Heinr. H er ba t s.ch rk ein ernstes Mahnwort an die Juden' Mestösterreichs. Er ist erschreckt durch die'' Tatsache, daß „überall, wo man därangeht,- die Wünsche von Völkern und Staaten zu berücksichtigen, mit - der Frage nach den separatistischen Anwandlungen der Judenheit gerechnet wird". Er sagt, daß es „die Interessen des Volkes gefährdet, wenn die StimMe einzelner ak Ausdruck der Gesamtheit gewertet und das Urteil der Uneingeweihten durch selbstsüchtige Einbläser beeinflußt wird". Er sieht ein, daß hiegegen die bisher übliche Hintertreppenpolitik nichts nützt; eine machtvolle Kundgebung der „erdrückend..i*. Mehrheit ' des Judentums tue not, uM zu zeigen, daß dr? Zionisten, nicht d.ie Legitimation haben, uM die jüdisch-nationale Neuorientierung als für alle Westjuden bindend in Anspruch zu nehmen. Es wird nunmehr wohl, auch gestattet sein, den Autor auf seiner ersten Fahrt ins Hauptquartier, der jüdischen Angelegenheiten nach seinem Reifepaffe und seiner Legitimation zu fragen? Er deutet an, daß er vor 25 Jahren auf der Schulbank wenig Neigung und Verständnis dem Judentum entgegenbrachte. Immerhin etwas, aber was weiter? „Die Theorien, die Literatur, die Vorgänge im Zionismus hat er nicht in sich ausgenommen"; da heißt, er ist über die brennendsten Fragen des^ Judentumes nicht tiefer orientiert als der gewöhnliche Leserder „Juden-" uüd Antlsemitenblätter. Recht schlimm, denn wenn er zur Beglaubigung nichts mitbringt als eine durch keinerlei Sachkenntnis, durch keinerlei Beschäftigung mit jüdischen Dingen getrübte.Selbstgerechtigkeit, dir. so lief sitzt, daß sie in schöner Naivität nicht merkt, welch vernichtendes Urteil sie sich spricht, wenn sie ihn trotz alldem sagen läßt: „Ich habe in dem seither verflossenen Vierteljahrhundert von den damals ins Treffen geführten Argumenten nichts Modifizieren müssen"; „Der moderne, kulturell hochstehende Jude ist kein Nationalist; wer Kant, Goethe, Tolstoi kennt, weiß nichts von völkischem Bewußtsein" u. dgl. m., so MUß man wohl schon beide Ailgen zudrücken, um ihn passieren zu lassen. Aber sei es drum! Es haben bisher viele ihre Pflichten gegen das Judentum gröblich verabsäumt (denn die meisten der „schlichten Zuhörer einer Neujahrspredigt" haben doch wohl' nicht dem Judentum nützen wollen, sondern nur sich felbst; sozusagen, damit die alten Beziehungen zum lieben Gott nicht ganz abgebrochen werden, man. kann doch nicht wissen. . .); viele haben bisher nichts von den lebendigen, bewegenden Kräften im jüdischen 14 Millionen-Volle geahnt; aber der Weltkrieg mit seinem dramatischen Schlußakt hat den Autor gleichvielen anderen aufgerüttelt. er fühlt wohl, auch für uns ist eine große Zeit angebrochen? Also bereut er und will wieder gütmachen, was er gefehlt hat, will sein Voll entschädigen für das, was er ihm durch die Teilnahmslosigkeit der Jugend- und Mannesjahre geraubt hat, und darum greift er zur Feder und-Mahnt? Gefehll, weit gefehlt! Der Mahnruf ist nur ein Angstruf. Die bloße Furcht, man könnte glauben, die Westjuden wollen von den anderen Konfessionen oder Nationen geschieden leben, man könnte ihnen. zumüten, .gesondert von den übrigen Bürgern das politische und kommunale Stimmrecht in einer jüdischen Kurie auszuüben, läßt ihn seinen Mahnruf ausstoßeu. „Mit Nachdruck.und ohne geschwollene Phrasen", erklärt er, „daß die Westjuden sich hiezu nicht bequemen, sondern sich von der jüdischen Gemeinschaft lossagen werden." Soweit ist es also gekonrmen? So hätte der große Moment tatsächlich ein kleines Geschlecht getroffen? Ein jammervolles, erbärmliches Geschlecht? Indes, , wir sind völlig beruhigt, wir Zionisten. Denn wir wissen es besser. Jene jungen Juden, die vor dreißig und mehr Jahren auf den Schulbänken den Zionismus ahnend erfaßt haben, und ihre Nachfolger, Jahr um Jahr, haben inzwischen gute Arbeit geleistet. Nicht bloß für sich und ihr materielles Gm-porkommen. Sie Haben nicht aufgehört, von Mann zu MMn> m kleinen Konventrkekn und großen Versammlungen, in dumpfen Betstuben und prächtigen Tempeln, in beschränkten