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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-11-01 · 43 (1.11.1918) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
43 (1.11.1918)
Date
1918-11-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite £90 Dr. Bloch'S WoHenschrist Ar. L3 liches Schlagwo.rt die Möglichkeit des Lebens für die Juden erschlagen mutz^ wenn ma neingnderg er echt bleiben will und gegenseitig die Eigenart der I n t e r e s s e n s ch o n t. Dagegen durften s ch w e r e Konflikte kaum zu vermeiden sein, wenn etwa ostjüdische Auffassung entscheidende Instanz auch, für westjüdisches Denken und Fühlen werden wollte, wenn man gegenseitig .an Schonung und Rücksichtnahme' vermissen labt. Eines schickt sich nicht für alle — die Tschechen in Triest müssen eben ein anderes Programm haben als die Tschechen in Prag, die sich jefijft Helfen können. Dabei ist durchaus nicht nötig,' daß die politische Ehrenhaftigkeit Schaden leidet, dagegen wäre es ein schwerer Schaden, wenn wir Anden . ohne Nachdenken uns von moderner Musik.betäuben lassen und den lauernden Antisemiten ins Garn gehen. Schreibt doch schon die „Ostdeutsche Rundschau" in ihrem Briefkasten: - i ,; . - - . „Wir sind völlig einverstanden mit dem jüdischen Nationalrat. Im Deutschösterreich der Zukunft dürfen natürlich nur Deutsche wählen und auch wählba r sein. Der jüdische Nationalrat hat ausdrücklich be- . schlossen, daß die Juden in Zukunft überall nur jüdische Politik treiben wollen. Deutschösterreich aber wird deutsche Politik treiben. Also haben Adler, Austerlitz» Ellenbogen usw. in einem wirkkichen Deutschösterreich nicht mitzureden. Ein jüdischer Nationalrat soll sie zu Delegierten des Judentums machen. Damit sind wir einverstanden!" Das Blättchen hat natürlich eine solche Schreibart nötig! Diese Doppeldeutschen, sind Wohl die allerletzten, die andere Leute angreifen dürfen.. Mit ihrem Heil- und Siegfrieden haben sie das Massenunglück der Welt und schließlich die Niederlage der Mittelmächte verschuldet. Sie haben den Haß der Welt über Deutschland heraufbeschworen und deshalb ist für - ihre Frechheit, auch »für die antisemitische, wohl bald die GötzendäMmerung gekommen. Auch die „Reichspost" wagt noch immer den Mund . gegen die Juden vollzunehmen und schreibt an Hervorragender Stelle: i i ■ ' i I . „Zwei jüdische Nationalräte? Wie die jüdische Presse mitteilt, hat sich im> .Sinne des kaiserlichen Manifestes RAbg. Peiz.es gemeinsam mit den Exekutiven der jüdischmationalen Parteien . in Ostgalizien zum Zwecke der Geltendmachung.der Rechte und Interessen des' jüdischen Volkes in Oshgalizien als Jüdischer Nationalrat konstituiert. — Warum nur für Ostgalizien? Oder hat man in der unter Führung des Abg. Dr. Ofner gebildeten radi? kaldemokratischen Partei der Wiener Liberalen den „jüdischen Nationalrat für. Wien" zu erblicken? Auffallend ist es, datz .die Juden, obwohl sie, ihr eigenes nationales SelbstbestimmUngsrecht besitzen und davon auch, .. wie die Wahl jüdischer Nationalräte zeigt, Gebrauch machen, auch noch in der Nationsvertretung der^ Deutschen Oesterrei«^ Sitz und Stimmen beanspruchen und erhalten." . > Die „Reichspost" ist wohl die letzte Instanz, welche in d er Politik etwas zu reden hat. Sie glaubt wahrscheinlich, DM man ihre jämmerliche Kriegshetze schon vergessen hat. Oder daß man sich nicht erinnert, wie die klerikale österreichische Partei haßerfüllt gegen dgs orthodore Serbien hetzte, was' jedoch nicht hinderte, daß die. katholischen Parteien der EntentMnder die ärgsten Feinde des katholischen Oesterreich wurden. Vom Klerikalismüs gilt eben das brannte Wort .über Aegypten : „M ist ein schwankendes Rohr — wer sich daraus shützt, dem durch?. sticht es die Hand." Auf jeder Seite der Geschichte steht. datz, jeder zugrunde geht, der sich mit dem Klerikalismus verbündet. Was uns Juden not tut, ist vor allem klare Erkenntnis der Verschiedenheit der Gruppeninteressen, und datz, nicht die einen rücksichtslos die Lebensbedingungen der anderen zertreten. Eine klare Scheidung. Wir erlangen eine gemeinsame Plattforin und vermeiden wir das beschämende Schauspiel eines Kampfes v o.n Juden gegen Juden auf dem Völkerkongreß. . . R. S. - Zur Reorganisation der jüdische» autonome« Institutionen. Von Dr. Theodor Haas, Advokat in. Brünn. Der Krieg neigt seinem Ende zu. Die Ereignisse überstürzen .einander und niemand weiß, was auch nur die nächste Zukunft bringen wird-. Alle Völker der Monarchie regen sich, um bei der Neugestaltung der Dinge nicht nur ihre Rechte zu wahren, sondern auch dieselben zu befestigen und womöglich zu erweitern. Eine fieberhafte Tätigkeit herrscht in allen politischen Lagern, um den Uebergang zur Friedenswirtschaft entsprechend vorzubereiten. Es sollen jedoch nicht nur die vielen Einrichtungen, welche der Krieg mit einer nie geahnten Meisterhaftigkeit zerstört hat, in modernisierter Form wieder hergestellt werden, sondern man schreitet auch zur Verbesserung und Ausgestaltung anderer, vor dem Kriege bereits bestandener,- jedoch veralteter und lückenhafter Verhältnisse auf öffentlich-rechtlichem sowie auf sozialem und privatem Gebiete. Es ist ein ähnlicher Prozeß, wie nach einem Brande nicht.nur hie den Flammen, zum.Opfer gefallenen7..Ge? bäude wieder aufgebaut werden, sondern gleichzeitig die Gelegenheit benützt wird, um^danehen auch andere, erhalten gebliebene, jedoch bereits von. früher her schadhafte, wenn auch benützbare und in diesem schadhaften Zustande weiter benützte Objekte zu adaptieren. Auch wir Juden - dürfen bei einem solchen .Anlasse nicht die Hände in den Schoß legen und bloß zuschauen, was um uns herum geschieht. Wir haben gleichfalls. Veranlassung, zuzugreifen, um verschiedene öffentliche Angelegenheiten in einer den Zeitverhältnissen entsprechenden Weise Zu regeln, und so manches nachzuholen, was bei dem bekannten konservativen Sinne unserer Glaubensgenossen, .oft auch nur aus lokalen oder persönlichen Gründen unterblieben ist. Es' rst nicht nur. notwendig, sich auf die.Erhaltung des Bestehenden zu beschränken, sondern auch entschlossen die Hand an Neuerungen zu legen, soweit dies die Bedürfnisse und! die. Lage erfordern, und von altersher übernommene, heute nicht mehr aktuelle Bestimmungen den neuen Verhältnissen anzupassen, um sie lebensfähig zu erhalten. Wenn von gewissen spezifischen Korporationen, wie dem mährisch-jüdischen LandesMassafonds und der höhmischen Landesjudenschaft, abgesehen wird, bestehen die jüdisch-autonomen Korporationen in erster Linie in den ^Kultusgemeinden, welche eine Zwangsorganisation der Juden der ganzen diesseitigen Reichshälfte bilden, der jedoch die erforderlichev weitere Ausgestaltung zu öffentlich-rechtlichen Landesverbänden, bezw. zu einem Staatsverbande fehlt. Auch im inneren Ausbau der Kultusgemeinden ist feit ihrer vor Mehr als einem Vierteljahrhundert vollzogenen Schaffung vieles zu ergänzen. Dieselben müssen, wie alle Einrichtungen unseres .öffentlichen Lebens, auf eine breite demokratische Basis gestellt und nach bestimmt und gleichmäßig geregelten, nicht zu allgemein gehaltenen Grundsätzen verwaltet «werden. , '! . ,,‘ .

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