Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 43 (1.11.1918)
- Date
- 1918-11-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 43 Dr. Bloch’s Iahrsang XXM Lentralorgan kür die gesamten Ilnteressen des Judentums a a □ □ a □ □ o □ □ □ a o □ □ K. K. PostsparKasfenamk Clearing-Verkehr: 810.976 00 Redaktion und Administration: Wien H/i, Pralerstratze 9 Telephon: 45.359. □ a D □ □ a □ □ □ □ □ Q □ □ QaaaDDaaDDaaapaaaaaaaaaaDaaaaQaQ ----ooo—-. Wiek, 1. November 1918 ErscheinL jeden Freitag Brief-Adresse: Wien, U/1, Pralerslratze 9 Telegramm-Adresse: Vloch's Wochenschrift Wien. QaQoaaaQaDDQaaaaaaoaaaoooaaaaaa Q a o g Bezugspreis r § | Halbjährig 10 Kronen g g Ganzjährig 20 Kronen g □ - Einzelexemplare 50 Heller § g Anzeigen: Die 2mal gespaltene g g Petitzeile 60 Heller. g o o sJ ooonaooociorioarmaooriciiaoooaoarmn Ll Inhalt: Leitartikel: Das jüdische Programm. — Zar Reorganisation der jüdischen autonomen Institutionen. — Ans der Woche: Der Völkerbund und die Juden. — .Roosevelt über die Kriegsziele der Alliierten. — Die Forderungen der Zionisten. — Leopold Horowitz. — Legitimation. — Dazukünftige Palästina. — Auszeichnungen. — AuS dem Leben eines Erfinder». — Ko vrespondenzen: Jüdische Kinder auf dem Lande. — Auszeichnung jüdischer Persönlichkeiten in Madrid.— Vermischte». — Feuilleton: Romain Rolland im Jean Christof über Juden und Judentum. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. - * Knjädtfchr UroKrnmm. Von geschätzter Seite erhalten wir folgende Zuschrift: Löbliche Redaktion! - Gestatten Sie mir, das Wort zu einem! Thema zu ergreifen, das ohne Rücksicht auf Schlagworte und Beliebtheit des Augenblickes besprochen werden mutz. Cs ist die Zeit gekommen, entscheidende Programme für die Zukunft des Iudentumes .aufzustellen, und es ist in unserem eigenen Interesse gekegen, klar zu sehen, eingehend zu beraten und weise zu beschlietzen. Nichts darf uns matzgebend sein, als unser Gewissen, und es' darf uns auch nicht anfechten, noch so hei Mutigen Schlagworten im Notfall ganz oder teilweise zu widersprechen. Es wundert mich sehr, daß, bisher überhaupt noch keine wirklich matzgebende Beratung einer großen Körperschaft oder noch besser einer Reihe jüdischer Körperschaften stattgefunden hat. Bis heute haben verantwortliche oder unverantwortliche Einzelpersonen ihre eigene Ansicht geäutzert, die aber für. die jüdische Allgemeinheit ebensowenig matzgebend ist, wie der Beifall einer nationalistischen Versammlung der Jugend. Da es nun kein, berufenes Forum gibt, so bleibt nichts anderes übrig,' als die Erörterung in der Mischen Messe, in der ich folgendes Vorbringen möchte: Ein unbestrittener Punkt des Programms ist die Errichtung eines' jüdischen Heimwesens in Palästina. Auch in dieser Richtung sollten die Ansichten und Absichten neuerdings klar umschrieben werden.!%mt die Forderungen Herzls und der Zionistenkongreffe haben manche Grundlagen verlören oder gewonnen, seitdem das jüdische. Elend'sland Rutzland freiheitlich und die türkische Herrschaft in iPalästina erschüttert worden sind. Aber immerhin, der § 1, die Aufrichtung der Heimstätte, soll und mutz festgestellt bleiben. Schneller noch werden wir uns in den Fragen der inneren Politik entscheiden müssen. Da .gibt es' jedoch leinen Leisten, über ^den alles gebogen werden kann. Es liegt auf der Hand, datz es im Gebiet der österreichischen Länder und Staaten zwei wirtschaftlich, politisch und kulturell gänzlich verschiedene Gruppen von Interessenten gibt. Die Ostjuden leben in grötzeren Mengen beisammen, können zur Not voneinander leben, Schulen und Beamte erhalten, eine eigene Verwaltung einrichten. Für diese Minoritäten in Galizien und der Bukowina also müßte Man bei der Neueinrichtung vollständige Autonomie und weitgehende Minoritätsrechte und Garantien für Sicherheit und Gleichberechtigung verlangen, wenn sie selbst es so haben wollen Und bei ihren politischen Vertretern verlangen. Diese ostjüdischen Gruppen würden dann etwa einen ähnlichen Bestand haben wie die Sachsen in Siebenbürgen, die auch eine geschloffene Kultur- und.Verwaltungsgruppe bilden, ohne sich in" dessen vom Leben des ganzen Staates irgendwo ab- Jremten zu -lassen. Wesentlich anders stehen die Dinge für die Juden in Westösterreich mit ihren schwachen Gemeinschaften. Für. diese mutz Man vollständige Gleichberechtigung mit allen anderen Minoritäten ihres Wohnlcmdes verlangen, unbeschadet dessen, datz sie sich zum Mischen NationalprogramM und zur Errichtung einer Heimstätte in Palästina bekennen. Es mutz ihnen auch freigestellt werden, sich einer anderen nationalen Gruppe unter Wahrung ihres jüdischen Standpunktes anzuschlietzen. Beispiele für diese Möglichkeit ^gibt es genug. Der. italienische Minister Luzzatto hat sich für Palästina erklärt; er hat jedoch nicht aufgehört, Italiener zu fein, und die Regierung entrechtet ihn nicht. Rothschild in London präsidierte einem Meeting der Zionisten, aber das hatte keinen Einfluß, auf feine Stellung als englischer Staatsbürger. Reinach in Paris trat für die Gründung des jüdischen Palästina ein. phne seine französische Bürgerschaft zu gefährden oder die Unterstützung durch die Regierung zu verlieren. So sehen wir, datz es einen Standpunkt der Gerechtigkeit und des' Ausgleichs gibt, datz nicht ein emheit-