Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 42 (25.10.1918)
- Date
- 1918-10-25
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 42 Seite 683 Dr. Bloch'S lung, es müsse jedoch die Gewißheit haben, daß der Bau! mit der pväliminiertkn Summe helrgestellL werden wird/ ins Blaue-hinein könne man Vei-Lürerr halbwegs fürsorglichen Verwaltung keineswegs arbeiten: Herr Dr. Stern , resümierte sohin und ließ protokollieren: Die Kultusberwaltung widme dem provisorischen Baue 300.000 jKrönen. Dagegen habe die Aktion den diese Ziffer übersteigenden Mehrkostenbetrag aus den Steuergeldern zu bestreiten, und daß nunmch'r an Ne Provlsoirische Herstellung geschritten werden wird. Der Arbeitsausschuß hatte hierauf für den 14. Oktober d. :J. das Aktionskomitee einbörufen. In dieser Sitzung übernahm das Arbeitsausschußmitglied Herr Hugo Popper wegen Erkrankung des Präsidenten Herrn Dr. Dh. Gutmann! den Vdrsitz und erteilte Herrn Isidor Schwarz das Wort zur Berichterstattung; derselbe berichttete in obangeführtem Sinne und beantragte, den Bericht mit dem Bemerken zur Kenntnis zu nehmen/ daß mit 'Rücksicht auf Me erfolgte vorerwähnte Protokollierung! der Beschluß zur Einberufung einer 'Protestversammlung bis auf weiteres zu sistiereü sei; dieser Antrag wurde aufs genommen. Herr ■ Schwarz berichtete weiters, daß ihm von privater verlählWer Seite die Mitteilung zukam, daß die provisorische Herstellung des Tempels im Kultus- Vorstands zu einer unumstößlichen Tatsache geworden sei. Der Vorsitzende bringt hierauf eine Zuschrift. des Ehrenpräsidenten des Baukomitses, Seiner Ehrwürden des Herrn Rabbiner Dr. Grunwald, zur Kenntnis^ in der dieser dir Anregung vorgab, es mögen zwecks Erweckunlg des jüdischen Geistes in der Wiener.Judenschaft allmonatlich Zusammenkünfte veranstaltet w erden, in denen Berufene über Fragen,. welche das jüdische Leben betreffen, berichten werden. Es.soll der eine über religiöse, andere über politische, soziale, wissenschaftliche fragen sprechen, auch künstlerische Darbietungen jüdischen "Charakters sollen ins Programm! ausgenommen werden; kurz es soll ein Wiener jüdischer Bürgerklub geschaffen werden.. Es meldeten zu dem Gegenstand sich die Herren Rektor Schwarz, Hofrat Dr. Schlag u. a. zum Worte. . Sämtliche Redner brachten der Anregung die größte Sympathie entgegen und bstontes insbesondere Herr Hof« rat Dr. Schlag -sowie Herr Rektor Schwarz und Herr Hauptmann TheuMann übereinstimmend, baß vorerst Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. MarGrunwald vor einer größeren Versammlung seine Anregung näher entwickeln möge, wonach erst die Entscheidung über die Gründung eines Vereines fallen soff. * * Herr Landes- und Gerichtsadvokat Dr. I. Westfried, Krakow-Pod gorze, richtete an Herrn Rabbiner Dr. G runwald die folgende Zuschrfft: - Krakow-Podgorze, 13. Oktober 1918: Euer Ehrwürden, sehr geehrter Herr Doktor! Die Zeit, welche ich in Wien als halbwegs bemittelter Flüchtling zugebracht habe, gehört zu den traurigsten Erinnerungen meines Lebens — so gastfreundlich haben uns die Wiener ausgenommen. Der einzige Ort, an dem ich mich nicht fremd, ja sogar heimisch fühlte, war der schöne Tempel in der Leopoldstadt. Der erhabene Gottesdienst, dem ich jeden Samstag und an den hohen. Feiertagen beigewohnt habe, ist die einzige angenehme Erinnerung, die ich von Wien heimgebracht habe. Mit dem Wunsche, daß die heilige Stätte ehestens hergestellt werde, erlaube ich mir. Ihnen unter einem Wochenschrift den Betrag von 100 K. zu überweisen, als Spende für den Wiederaufbau des Tempels, und zeichne mit vorzüglicher Hochachtung Euer Ehrwürden ganz ergebener _____ Dr. Westfried. Zionistische Versqmmhmg Wer die Aufgaben nach dem NriedrnsMW. Dieselbe fand Sonntag den 20. Oktober im großen Konzerthaussaale statt und wurde von Herrn Adolf Böhm eröffnet. Dr. Abel es betont zunächst die ungeheure Verantwortung der Führer gegenüber dem Begeisterungssturm der Jugend und die Schwierigkeiten der Massenkolonisation, feiert Herz! und Jekiel Tschlenow, die beide das ersehnte Ziel nicht erreichten, und sagte, man solle die Heimstätte, trotzdem neun Millionen Juden in den Ententeländern leben, und trotz cher Erklärungen des englischen Ministers nicht als Geschenk annehmen, sondern nur völkerrechtlich verbrieft vom Völkeräropag, „denn wir wollen uns hoch aufrichten". Der Mhrer der Zionistischen Wiener Jugend, Dr. 'Stephan Bernfeld, konstatiert die ungeheuren Fortschritte der Bewegung durch den Weltkrieg, der Augenblick ist gekommen. „sein Volk zu trösten", nur wir selbst werden und sollen bestimmen, wie wir in Erez Israel leben sollen, wir sind niemandem Rechenschaft schuldig, wie unserer großen Vergangenheit und dem Andenken unserer Märtyrer. „Du sollst nicht toten!", und „niemand darf in unserem Staate hungern!" müssen die Richtlinien bilden, nach denen vielleicht sich andere Staaten entwickeln werden. Dr. Elftser Nieser war verhindert, dafür überbrachte Professor Engel aus Prag die Grüße der Juden Deutschböhmens. Er beklagt, daß die Juden rm Jahre 1846 aufgehört haben, eine Nation zu.sein, mit welchem. Beispiel 1789 die französischen Juden vorangegangen sind : er polemisiert gegen die Kultusgemeinden: wir muffen wieder Kulturgemeinschaft, volkswirtschaftliche und politische Gemeinschaft werden, wie einst im Ghetto. Erez Israel kann nur stark werden, wenn die Galuthjuden wieder nationale Juden werden, dazu müsse vor allem die Schule bienen, nicht die einstige Judenschule, sondern die Schule der Juden, die die Jugend für Palästina vorbereiten wird. Die Galuthjuden dürfen nicht etwa eine umgekehrte Chalukka werden, jetzt, wo wir die Chalukka im Osten hoffentlich loswerden: wir müssen auch hier uns stärken „und nicht schielen, doch schauen unverwandt auf das große 'Vaterland im Osten". Dr. Abraham Sonne setzt sehr feinsinnig auseinander, daß die Juden zwei Jahrtausende unter dem Unsinn der Menschheit gelitten: es ist daher nur gerecht, daß Zion in dem Augenblicke _ erwache, in dem die Menschheit sich auf ihre wahre Bestimmung besinnen und die Welt vernunftmäßig aufbauen wolle. Dr. Markus Krämer (stürmisch begrüßt) überbringt der Versammlung die Grüße der Juden der Bukowina und die Mitteilung von der soeben erfolgten Konstituierung des Jüdischen Nationalrates, der auf breitester demokratischer Grundlage die Nationalversammlung der Juden einberufen wird. Der Nalionalrat, der alle — auch nichtzionistischen — Parteien umfassen soll, hat vorläufig die beiden Reichsratsabgeordneten Dr. Bernhard Straucher und Dr. Reizes zu seinen Vertretern gewählt, welche die weiteren Schritte einleiten werden, die bazu führen sollen, daß. das jüdische Volk auf der Friedenskonferenz offiziell vertreten sei. Im Notfälle werden wir nicht — wie bisher — nur mit dem Geiste, sondern mit der Faust kämpfen, schloß der Redner. Die Versammlung, in der wir auch mehrere katholische Geistliche bemerkten, ging in tiefer Bewegung und unter Absingen der Hatiwkah auseinander.