Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 42 (25.10.1918)
- Date
- 1918-10-25
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3020846-3022300-3022343--27277-3052684- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 682 ' Dr. BLvch's lautet: „Und wenn du einen Altar non Steinen mir machst, so baue ihn nicht von behauenen; denn hast du das Eisen darüber geschwungen, so hast du ihn entweiht." ' Auch in der Stiftshütte und im Tempel Salomos war während der Bauzeit nichts von Eisen wahrnehmbar. Das lebenverkürzende Eisen entweiht das Heilige, welches das-Leben verlängern soll. (Talmud.) Unsere alten Weisen lehren, daß das Eisen ein Symbol des Krieges und der Bitterkeit im Leben sei. Dieser moralische Grundsatz möge dem verehrlichen Baukomitee, welches zur Wiederherstellung des Leopoldstadter Tempels bestimmt ist, als Lehre dienen, um in Einhelligkeit, Friedensliebe und Versöhnlichkeit dieses heilige Atzerk zu vollziehen. Ueber den Tempelbau erscheinende Artikel sollen die (Beamter;, denen diese heilige Mission Übertragen wurde, nicht/'im mindesten beirren und aüfregen, denn oft hat mancher Tadel ernste Anregung geschaffen. Zwei volle Jahre sind ins Land gegangen, seitdem diese unglückselige Brandkatastrophe erfolgte, und es wäre nach der Ansicht des Schreibers dieser Zeilen nötig gewesen, sogleich mit der Restaurierung des Gotteshauses zu beginnen, wo doch noch Material und Arbeitskraft zu nicht fo hohen Dreisen wie fetzt erhältlich waren. ' Die treuen, anhänglichen Besucher des Leopoldstädter Tempels wurden leider nach allen Richtungen unserer Bezirke zerstreut und suchten eine Stätte für den üblichen . Gottesdienst. In Sehnsucht nach dem Tempel, lautet in unseren Psalmen 'der Vers, Kap. 84, Vers 7: rrnn&K nrw im nb jp nmi nrW pi&s d: . ^bts .niKnsf 77 ‘pninatö m „Der Vogel fand fein Haus, ein Nest die Schwa l b e, ihr e I u ng e n d a z u h e g en?-ich'd e i n e Altäre, Herr des Weltalls, mein König und mein Gott." Eine besondere Anziehungskraft übte stets der Leopoldstädter Tempel auf die anhänglichen Besucher aus. Er war ein förmliches Stelldichein. Von berufenen, redegewandten Seelsorgern wurde von der Kanzel das Gotteswort verkündet und gewiegte Vorbeter mit tadellosem Choralgesang wirkten auf das Herz und Gemüt der Versammlung. Schreiber dieser Zeilen, dem es gelungen' ist, in zwei Gemeinden würdige Gotteshäuser im Vau zu fördern, gestattet sich,' mit diesen Zeilen ernstlich anzuregen, ohne Verzug an die Restaurierung des verunglückten Tempels zu schreiten und keinen Pracht- oder Prunkbau wie auch keine Erweiterung des Leopoldstädter Tempels ins Auge zu fassen. Es muh den zerstreuten Betern hierdurch möglich gemacht werden, zum nächsten Pessachseste das alte Heim zu betreten. Unserer Jugend sei es Vorbehalten, in besseren Tagen einen herrlichen, Gott und Menschen gefälligen Tempelbau auf freiem Matze zur Ehre Gottes und des Judentums zu errichten. Diese Jugend möge empfänglich gemacht werden für jüdische Lehre und jüdisches Leben, damit sie berufen sei. einen herrlichen Tempel zu erbauen, eingedenk des Satzes: „Erbauet um ein Gotteshaus, damit ich unter euch weile." ___ Albert L öw. Ksmttee zum Wiederaufbau des Tempels. In Ausführung des in der 'Komtteiesitzung vom 1- Oktober d. I. eirch'Älrg gefaßten Beschlusses, hat. der Präsident Her Aktion das Präsidium dG Kultusvorstandes von ' - der Entsendung einer Deputation an dassÄhe behufs Ueberbringung einer Botschaft verständigt undersucht, die gewählte Deputatton d'es Aktionskomitees zu empfangen, rckorauf Herr Dr. Mfted Stelrn als Präsident des 'Knltns- Wochenschrist Nr. 12 . Vorstandes Ne' Dschn'Htton zu einer Besprechung füjr Mittwoch den 9. Oktober H. I. eiinlud. ' , - An diesem Tag ei erschienen die Deputationsmitglieder, und zwar die Herren: .Dr. Theodor Gutmann, Jsisdor Schwarz, Gustav ' Planer und BiernHard Goldstein — weisere Deputattonsmitglieder blieben krankheitshalber felrn — im. Präsidium der Kultusgemeinde, woselbst bereits des Präsident Herr Dir. Alfred Steirn, b:ex Vizepräsident Herr Hoftat Dir. Rappaport sowie drei Herren dels Verfteterkollegiums anwesend waren. Herr Da:. Theodor Gutmann als Deputationsführer des Aktionskomitees ergriff das Wort und teilte den Beschluß mit, daß wegen djeE säumigen Verhaltens der Kultus Verwaltung in der Frage! des Tempelbaues eina^Protestversammlung dringlich geworden sei, nachdem bereits fünf Vierteljahre seit dem Brande tatlos verstrichen sind. Hierauf brachten bie üj&xigeit Deputierten in mehr weniger leidenschaftlicher Form die Beschwerden der Leopoldstädter Konfessionalen vor, die sich in ihrem berechttgten Ansprüche, einen regelrechten Gottesdienst genießen zu dürfen, verkürzt fühlen. ' . " . Herr Dr. Alfted Stern anerkannte; diesen Anspruch sowie die Unzulänglichkeit des im Konzerthaussaale installierten Ersatz-Gottesdienstes und -erklärte, für den provisorffchen Bau zu sein, es müsse« jedoch; darauf Bedacht genommen cherden, daß bei der herrschenden Lage eine Bau- Vergebung ohne Garantie! für Maximalpreis und Fertigstellung in befristeter Zeit eine gewagte Sachss sei, die Verwaltern fremden Vermögens nicht so ohne weiters zugemutet werden könne. _ Me Deputationsmitglieder Planer und Schcharz bemerkten hierauf, daß der Preis in dieser Frage keine Rolle spielen dürfe, denn es sei als Skandal zu bezeichnen, daß eine jüdische Gemeinde wie Wien, nicht die Mittel beschaffen könne, einen abgebrannten Tempel raschest wieder herzustellen, und was die Garantte sük'die Herstellung in befristeter Zeit betrifft, so werde die Aktion dafür Sorge tragen, daß Materiale sowohl als auch Arbeitskräfte dem Baumeister zur Verfügung stehen werden, -nachdem in der 'Inden schuft alle möglichen Baugewerbe sowie Materiallieferanten, an die herangetreten werden könne, vertreten sind. -Im Wrigen hat die Mion sich! schon im August bereit erklärt, ans dem Sammelergebnifse die Mehrkosten, welche die von der Kultusv-erwaltung \n Anschlag gebrachten Baukosten Äerfchjretten, dieser zur 'Verfügung zu stellen. Deputattonsmitglied Herr B. Gold stein verweist auf die herrschende'Nachlässigkeit ig der Steuerbe- Messung, und es . würde bei richtiger Einschätzung das Steuerergebnis hinsichtlich der eingetretenen Vermögenslveränderungeu sich mindestens um 1 Million Kronen jährlich: heben, es brauche der Kultusverwaltung demnach: nicht bange zu werden, wenn der Tempelbau noch so viel kosten werde. ‘ .An der Debatte beteiligten sich! Herr Dr. 'Rappaport und die anwesenden Mitglieder des Vertreterkollegiums, insbesondere der ErstgWaMte, welchem vvndem DeputattonsmiLgliede Herrn Dr.-Dh. Guttnann der Vorwurf gemacht, wurde, eine an den KulLüsvorstand gerichtete Zuschrift des Aktionskomitees dem Kuttusvorstande nicht vorgelegt und Nicht einmal dem Absender bestätigt zu haben, eine Unterlassung, durchdie das Aktionskomitee sich beleidigt fühlt, und daß die Zusage des Herrn Dr. ^Alfred Stern in .allen den Tempelbau betreffenden Fragen den Beratungen des Kuttusvorstaudes das Aktionskomitee Zuzuziehen, vom geschäftsführenden Vizepräsidenten Herrn Dr. Rappaport nicht erfüllt wurde. ' Letz-terer erklärte, von der erwähnten Zuschrift ebensowenig wie von oer vorzitterten Zusage des Herrn 'Präsidenten Dr. Stern Kenntnis gehabt zu haben; das Vertteterkollegium sei nicht gegen die provisorische Herftel-