Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 42 (25.10.1918)
- Date
- 1918-10-25
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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'S Test« SSI Nr. 42 M. BloUs Die Wiener Gemeinde hatte damals das Glück, einen ausgezeichneten Mann im Herrenhause zu ihrer Vertretung zu haben: Moriz Freiherr von König Smarter. Es ist nicht im Sinne Dr. Güdemanns beschlossen worden, in dem Gesetze wurde vielmehr ausdrücklich festgelegt, daß an die Spitze der Gemeinde der Kultusvorstand tritt, und daß nur der Kultusvorstand die Verwaltung der Gemeinde, sowie deren Vertretung nach .außen zu führen hat. Unsere Laienverfassung ist damit sanktioniert worden, unbeschadet aller Vorrechte, welche dem Rabbiner in seiner Stellung zustehen, unbeschadet der hervorragenden Stellung, welche der. Rabbiner im Gotteshause einnimmt, der ihm ausschließlich eingeräumten Kanzel, unbeschadet des ihm allein zustehenden Rechtes, rechtsgültige Akte zu vollziehen, Trauungen, Ehescheidungen, Trennungen und den Vorsitz im Gerichtshöfe Beth-Din, unbeschadet also aller Vorrechte, welche dem Rabbiner in religiösen Belangen.eingeräumt sind, wurde gemäß dem beschlossenen Gesetze dem Kultusvorstande allein die innere Verwaltung der Gemeinde und ihre Vertretung nach außen übertragen. Auf dieser Grundlage wurde auch das Statut der Gemeinde geschaffen, bei dessen Schaffung Oberrabbiner Dr. Güdemann in hervorragender Weise mitgewirft hat, hervorragend in dem Sinne, daß er Vereine, in welchen verschiedene Richtungen sich geltend machten,, zu vereinigen bestrebt war, und dazu wesentlich beitrug, daß die Kultusgemeinde Wien, eine der größten, damals vielleicht die größte einheitliche Gemeinde Mitteleuropas wurde und blieb. Güdemann war Erwägungen nicht unzugänglich, und wenige Jahre nachher modifizierte er seine damals ausgesprochene Meinung und schrieb hierüber in seinem Diarum folgendes: „Ich sähe ein, daß die Leitung der Gemeinde, das heißt die Vertretung der Gemeinde nach außen, dem Vorstande, gebührt. Der Rabbiner soll nichts damit zu tun haben. Die Stellung des Rabbiners soll nicht durch den Staat und die Behörde ihm gegeben werden, er muß sie sich selbst erwerben und keiner wird sie ihm dann bestreiten." Meine Herren! Das sind so einzelne Episoden aus seiner früheren Zeit. Wie sehr Dr. Güdemann als Prediger die Aufmerksamkeit zu erwecken, die Herzen zu Asseln, für sich zu gewinnen wußte, haben wir oft erfahren. Es ist eine Sammlung von Predigten erschienen, in welchen wir manches reproduziert finden werden, was in unser. aller Gedächtnis haften geblieben ist. , Am bedeutendsten war er, wenn er als Volksredner hinaustrat, wenn es galt, in großen Versammlungen, die vom Kultusvorstande veranstaltet worden waren, das Wort zu führen, so gelegentlich des Hilsner-Prozesses im großen Musikvereinssaals, wo er das Wort ergriff, um gegen die seit Jahrhunderten fortwuchernde Lüge der Blutbeschuldigung feierlich zu protestieren, so in der Versammlung aus Anlaß des Beilis-Prozesses — immer riß er die Zuhörer zum Enthusiasmus., hin durch die Kraft seines Wortes, durch die Kraft seiner Beredsamkeit. And als die Zeit gekommen war, wo das Alter seine Rechte geltend machte, als sein Gehör und'seine Sehkraft geschwächt iwaren, als er sich nur unsicher bewegen konnte, und selbst, die Stufen der Kanzel emporzusteigen, ihm schwer fiel, und er es einsah, es mit Widerstreben erkannte, daß er der Aufgabe des Predigers nicht mehr gewachsen sei. überreichte er seine Demission dem Vorstände. Der Vorstand aber beschloß, die Demission nicht anzunehmen und gab in seiner Zuschrift an Dr. Güdemann dem Gefühle des wärmsten Dankes Ausdruck für die vielen und großen Verdienstes die er sich um die Ge- Wöchenschrift meinde, um die Erhaltung des Friedens m ihr, um die Entwicklung des konservativen Charakters in der Gemeinde und um dessen Erhaltung erworben hat; der Vorstand nehme seinen Rücktritt nicht an.- er überlasse es dem Ermessen des Rabbiners, wenn er wieder in der Lage sei, die Kanzel zu besteigen. In dieser Zuschrift offenbarte sich die wahre 'Verehrung, die Dr. Güdemann in der Gemeinde, im Vorstande, der ja das SpraHorgän, die Vertretung der Gemeinde ist, sich erworben hatte. " Noch einmal trat Dr. Güdemann hervor, es. war bei der Jahrhundertfeier unseres jüdischen Frauenvereines. an dessen Spitze die um! die Wohltätigkeitspflege hochverdiente Frau Baronin Charlotte von Königswarter. die uns Gott noch lange Jahre erhalten möge, steht, bei einer Feier, die in unserer Gemeinde besonders gewürdigt werden mußte, und noch einmal trat er, und zwar er abrupto einer plötzlichen Eingebung folgend, hervor, däS war, als Graf Czernin für hie Rechte der rumänischen Juden, für ihre Rechtsgleichheit eingetreten war. Da riß ihn der Enthusiasmus hin, und er trat auf die Kanzel, um diese Errungenschaft zu feiern — das war das letztemal. daß er auf der Kanzel sprach —, heute ist eS beinahe ein halbes Jahr. And kurz darauf, bei der Ginwechung des Ambulatoriums des noch zu erbauenden jüdischen KinderspitalS! Da will ich der Worte gedenken, die er anläßlich der Eröffnung dieses Ambulatoriums, das selbstverständlich interkonfessionellen Charakters ist, gesprochen Hai: er gab bei diesem Anlasse dem Gedanken Ausdruck, daß die Jnterkonfessionalität der Wohltätigkeit von uns Juden gar nicht betont werden müsse, sie ist uns eigen und wir dokumentieren sie jederzeit. Im Gotteshause war in seiner ehrfurchtgebietenden Erscheinung die Gestalt des Hohenvriesters verkörpert. March Kohen, und ergreifend war es. zu sehen, wenn bei den von dem dähingeschied'enen Kaiser Franz Josef und von unserem Kaiser Karl I. gewährten Audienzen der unter meiner Führung erschienenen Repräsentanten der österreichischen Judenschaft Güdemann in seiner würdevollen Haltung den traditionellen Segen sprach über den Monarchen. Ich habe mit den Worten begonnen: ..Wajehi achre mos Mauscheb ewed adonai" — es war nach dem Tode - Moses', des Dieners Gottes. So können wir heute, indem wir sein Andenken feiern, uns sagen, daß die Richtung. die dieser Diener Gottes eingeschlagen hat, auch bei uns erhalten bleiben möge, daß es Aufgabe des Vorstandes fein wird, im Sinne unseres hochverdienten däbingeschiedenen Oberrabbmers den Frieden und die Einheit in unserer Gemeinde zu bewahren. Dieser Friede, biese Einheit und die Stellung der Kultusgemernde Wien werden nur dann gewahrt werden können, wenn wir jenem aemäßiaten Konservatismus tteubleiben. dem er gehuldigt hat, ganz in seinem Sinne, in fernem Geiste. Das Angedenken des Dahmgeschiedenen in unserer Gemeinde wird nicht verlöschen. Secher zadik liwrocho." Anker Zustimmung der zahlreich erschienenen Mitglieder des Kultusvorstandes, welche diese Kundgebung zum Zeichen der Trauer stehend' milangehört' hatten, verfügt der Präsident die Einverleibung der Kundgebung in das Protokoll. In Sehnsucht nach dem Hause Gvttes. (Psalm Kap. 84, Vers 7.) Nach unserer biblischen Bäuordnung dürften her der Errichtung des Altars wie auch bei dem Bäu des Salomonischen Tempels zu Jerusalem keine eisernen Werkzeuge zur Verwendung kommen. Exodus Kap. 20, B. 22,