Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 42 (25.10.1918)
- Date
- 1918-10-25
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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fititl 676 Dir. Blocht WoAnschrist Nr. 42 Machtstellungen zu gegenseitiger Unterdrückung, dem Wahnsinn Iiationallsmus. unterlegen sind! Siehaben insofern persagt, als sie den gewaltigen aller Kriege nicht perhindern konnten, M sie den unsäglichen Jammer und das grenzenlose Elend, das er Mer die Mehrheit ber Menschen gebracht, nicht abzuwehren vermochten. .Sie hchben jetzt versagt, jene hochsen, ewigen GMer, aber sie Md nicht unLergegangen: sie werden weiter bestehen und gedeihen zum Heile der Menschheit; Ms seiten des Siegers ist die Macht, aber nicht immer — und jetzt ganz gewiß, nicht — das Recht! Religion und Wissenschaft" und Kunst, .Sozialdemokratie und FreimMrerei Md alle „Ideenrichtungen, die Aber alle von den Menschen künstlich gesetzten Grenzen hinaus Menschen als solche durch Ideen- oder Interessengemeinschaft zu einer höheren Einheit verbinden oder verbünden wollen", werden .ewig bestehen und sich fortentwickeln, untergehen wird — nicht die Nationalität — Mer der neuere. . Zt-ationalismus, Md nun zur jüdischen Nation! Wir begreifen es, daß in Mer Zeit, ,in welcher sich die gesamte zivilisierte Menschheit auf den nationalen Standpunkt stellt und pon dem ihr zuerkannten Selbstbestimmnngsrechte Gebrauch macht, Mch der Ruf an die Juden ergeht, sich zu sammeln, zu einigen und als geschlossene Volkseinheit ihr Recht zu fordern. Ist aber eine Einigung aller .Juden möglich? Was Haben alle Mer - die ganze Welt zerstreuten Inden gemein? Nur die Religion! Eine Religion allerdings, die nicht nur das Verhältnis .ihrer Bekenner zu Gott und untereinander regelt, sondern Mch tief ins Mrivatleben des einzelnen schneidet. .Alles Mdere Haben sie mit den Völkern gemein, .in.deren Mitte sie leben: Sprache,'Sitten (und Unsitten) und.alle sonstigen Lebejrsgewohnheiten. Man' wende mir ja nicht ein, daß außer der Religion Mch noch die Sprache, die hebräische Sprache, ein die gesamte Iudenheit des Weltalls umfassend.es Band fei. Sie ist nur im Osten ein starkes Band, das übrigens an so manchen Stellen auch schon Schaden gelitten, im Westen Oesterreichs und in Deutschland kaum noch ein Ichwacher Faden und Ln Westeuropa nur noch vielleicht esn Spinngewebe. Brächte man es zustande, bei sämtlichen. Juden der ganzen Welt ein. intensives Studium der Sprache .der Väter zu erwirken und eine eifrige Mlege der jüdischen Geschichte, dann ließe sich ein nationales, Empfinden mit der Gesamtheit bei ihnen erzielen. Sie würden sich Hann, wie die Ostjuden, zu Nationen konstituieren, zu sovielen Nationen, als es Völker gibt, in deren Mitte sie leben: zu einer einzigen Gesamtnation — gloufc' ich — nimmermehr! Das wäre nur in einem „geschlossenen Siedlungsgebiete" möglich. Also .Palästina! Wir haben von maßgebender Seite gehört, daß an ein Zusammenströmen aller Juden nach Palästina nicht gedacht werde, habe es doch schon voralters, da 'der: Iudenstaat noch bestand, Juden gegeben, die im Auslände lebten und ihren Zusammenhang mit dem Lande der Väter festhielten. Gewiß. Aber das waren Juden, die teils.selber noch im Heiligen Lande geboren und ausgewandert waren, teils im .Schoße, ihrer Kamille die lebendig erhaltene Tradition der Väter übernommen und gepflegt haben. Aebrigens wissen wir, daß in der Alerandrinischen Zeit die Mßerhalb Mrlästinas lebenden Juden schon ziemlich stark „griechelten". Also selbst wenn Palästina als jüdischer Staat erstehen sollte, wenn soviele Bewohner es fassen kann, hinzögen, es bliebe noch immer ,^ein nicht unbeträchllicher Teil im Auslande zurück, der zu den Stammesbrüdern ebensowenig Beziehungen hätte, ' wie französische, italienische, überhaupt sephyxdische Juden sie heutzutage zu deutschen, polnischen und ungarischen Juden haben. Man kann sich durchaus einverstanden erklären mit dem Streben, die. Gesamtheit der Juden zu .einer Einheit zu verbinden, darf jedoch an der/Möglichkeit des Gelingens zweifeln. Spannen wir jedoch unser Netz nicht so. weit aus. Nicht einmal in unserem Gesamto.aterlande, wie es vorläufig noch, besteht, wäre eine Einigung auf nationaler Balis möglich. Und wenn die Ostjuden gar aufhören sollten, unsere Mit-Staatsbürger zu fein, dann mögen sie es den Westjuden ruhig überlassen, nach ihrer.eigenen Fasson selig zu werden. Diese mögen sich hier selbständig und. ünabhänig vön jenen organisieren, Md ob sie hierorts die Bezeichnung „Nation" für sich wählen oder als Religionsgenossenschaft weiter leben, wollen, einig sein in her Verfechtung der Menschenrechte, an denen sie d.en ihnen gebührenden Anteil beanspruchen, einig in der Mlege der Schätze, die die Väter ihnen hinterlassen, und mögen mit den Andersgläubigen.auf allen Gebieten der Kultur und des öffentlichen Lebens, mit .sittlicher Kraft und Würde wetteifern. So ungefähr kann man sich eine Einigung denken, nicht .aber etwa nach Art der übrigen Nationen Altösterreichs, die, vom Selbstbestimmungsrecht Gebrauch machend, sich gegeneinander gänzlich abschiießen wollen. Dazu fehlt übrigens bei den Juden auch das Häuptmoment: das geschlossene Gebiet. Offen bleibt noch die Krage, ob die Anerkennung einer „jüdischen Nation" seitens des Staates Ur die Juden nicht eher eine Schwächung, als eine Stärkung, wäre. Von David Kohn. .Er .ist nicht alt geworden'. An Jahren wähl, aber er blieb jung in seiner Kunst, er hat sich in seinem Wirken nicht überlebt. .Diese..Behauptung wird durch sein letztes Bild „Köpernikus" am deutliMen erwiesen. i , 1 “ Ich sehe den großen Meister vor mir/ es war der letzte Eindruck, den ich. von ihm gewouuen, als er mich vor den Kopernikus .in feinem. Atelier führte. Er. rückte dieStaffelei mit dem großen Bilde ins Licht, hielt sich, . wie er d.ies immer zu tun pflegte, zur Seite und beobachtete, welche Wirkung das" .Bild auf mich machte. .Feierliche Stille—- ich betrachtete lange das mich überraschende Bild —, die er endlich mit den Worten unterbrach': „Nun, was meinen Sie: wissen Sie, was es ist?'- And als ich zur Antwort gab : „Ein Sterngucker .offenbar- und wahrscheinlich auch ein Borträt", da strahlte das gute Gesicht, „Das freut mich, und welchen Eindruck haben Sie von der Arbeit?" „Großartig, packend, von einer Wahrheit, die ich nur bewundern kann, "rief -ich aus. Ein feines Lächeln, ein Zug her Befriedigung, .spielte auf seinen Lippen, Freude blitzte aus. den klugen Augen. ‘ / a i i i .; i; „Das ist der Kopernikus!" sagte er daun, Md erzählte mir. hieraus den Hergang.der Arbeit, wie.lange er sich mit dem. Gedanken beschäftigte, ehe er an die Ausführung ging, > i \ . i . „Es freut mich, daß Sie alles, errieten.»" Jetzt fiel's mir ein, daß mich der Meister vor längerer Zeit fragte,^ ob. ich nicht Studien nach altem Gestein besitze, und als ich ihm kurz nachher mein Fried? hofsbild mit alten Grabsteinen.zur . Beurteilung schickte, erhielt ich zu meinem nicht geringen Staunen kein Wort der Kritik, die er mir sonst immer, zuteil werden ließ. Es war ein MißperMndnis, Er dachte, ich hätte ihm bas Bild, auf seine Anfrage wegen der Steine geschickt, und als ich beim nächsten Wiedersehen «den ^Meister schüchtern fragte, warum ich kein Urteil über meine letzte