Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 42 (25.10.1918)
- Date
- 1918-10-25
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 42 Dir. Bloch's Wochenschrift Sette 677 Arbeit erhielt, da klärte sich das.Mißverständnis auf. -Ich dachte damals nicht, als ich, ergriffen von der Wirkung des Bildes, vor dem Kopernikus stand, daß es mein letzter Besuch beim Meister sein sollte, den ich so gern aufgesucht habe, bei dem ich mir immer nach inneren Kämpfen und Verzweiflung frischen Mut und Arbeitsfreude holte. - Mit diesen Zeilen will ich dem geliebten, hochverehrtesten Künstler Dank sagen für alles' Schöne und Erhabene, für all die guten Ratschläge und' Winke, für die vielen lehrreichen und angenehmen Stunden, die ich in seiner Gesellschaft verbrachte, für die Begeisterung und Aufmunterung, die ich durch mehr als' zwei Dezennien im persönlichen Verkehr von ihm empfing, und für den künstlerischen Genuß und die Belehrung, die mir viel weiter zurück jedes seiner Werte gab — vom Rastelbinder angefangen, den wir als Akademiker alle, ohne Unterschied, bewundert und angestaunt haben, bis zu seinem letzten Bilde, dem KopernituS. An einem kurzen Nachruf, den ich dem großen Künstler unter dem.Eindrücke der Todesnachricht gewidmet, nannte ich ihn einen Hohenpriester der Kunst. Ich habe dem dort wiedergegebenen Eindruck nichts hinzuzufügen. Die jetzt vom Künstlerhause veranstaltete Gedächtnisausstellung gibt mir willkommenen Anlaß zu einer ausführlichen Würdigung des Meisters und seiner Kunst. (Fortsetzung folgt.) Ans der Woche. Mn jüdischer NaLionalrak. Sonntag fand' im Saale des Ingenieur- und Archi- Lektenvereines die Reichskonferenz der zionistischen. Organisation Oesterreichs, statt, die aus allen Teilen des Reiches beschickt war. Unter dem Vorsitz des ehemaligen Abgeordneten Stand wurde über die politische Lage beraten. Der Grundsatz, daß die Juden überall nur jüdische Politik machen dursten, wurde neuerdings bekräftigt. Zur Vertretung der Interessen des jüdischen Voltes in den neuen StaatSgebilden wird in den nächsten Tagen ein jüdischer 'Nationalrat gebildet werden, der eine Nationalversammlung auf demokratischer Basis einzuberufen hat. Die Reichskonferenz forderte die Abgeordneten Dr. Straucher und Reizes auf. im Abgeordnetenhause als parlamentarischer Nationalrat der Juden zu fungieren. Wftarek und vre Judenfrage. Die „Vossische Zeitung" meldet: Ministerpräsident Hussarek empfing die Abgeordneten Reizes und Breiter, die ihm die Frage vorlegten, was aus den 600.0 00 Juden aus Galizien werden solle. Der Ministerpräsident antwortete, daß die Frage wohl im Zusammenhang mit der Gründung eines jüdischen Königreiches in Palästina gelöst werden könne. Die Abgeordneten erklärten sich von. dieser Antwort nicht befriedigt und' teilten dem Ministerpräsidenten mit, daß die ostgalizischen Juden jedenfalls jetzt nach dem Rechte der Selbstbestimmung zur Gründung eines'Nationalrates schreiten würden. Der Judsnstaat. Einem Vertreter deS Jüdischen Korrespondenzbureaus sagte der türkische Botschafter in Wien Hussein H i lmi Pascha, daß der bevorstehende Friedenskongreß aller Voraussicht nach den Judenstaat in Palästina schaffen werde. Das selbständige jüdische Staatswesen werde jedoch kaum die Hoffnungen der Juden erfüllen, da.es in seinem ganzen kulturellen Aufbau weit mehr engfischen als jüdischen Charakter tragen dürfte. Verspätete Erkenntnis. ' In Teplitz kam es am 18. Oktober in ber Stadtverordnetensitzung zu einer Kundgebung für die cheutsche Sache, wobei der deutschnationale Stadtverordnete Mühlig wörtlich sagte: „Wir wollen alle Deutsche fein, ob Handwerker, ob Bauer. Fabrikant oder Arbeiter, ob'Christ oder Jude. Wir wollen alle vereint dastehen. untrennbar, dann können wir dem Schicksal ruhig ins Auge schauen." Es stünde um die deutsche Sache in Oesterreich nicht so katastrophal, wenn derartige Erklärungen, und zwar allgemein, früher erfolgt wären. Der Schade aus den Salzburger Ausschreitungen. In der letzten Sitzung des Salzburger Gemeinderates berichtete Bürgermeister Ott über den dmch die Ausschreitungen am 19. September verursachten Schaden. Ueb'er die bisher erhobene Schadensziffer ist folgendes mitzuteilen: Hotel „Oesterreichischer Hof" 25.000 K., Hotel „Gurope" 500.000 K.. Hotel „Traube" 4600 St* Hotel „Stein" 55.000 K., Lagerhaus Wildenhofer 110.000 K.. Militärverwaltung 24.000 K., Landesregierung 1,000.000 K.. Firma Bachmayer 360.000 K., Firma Azwanger 70.000 K.» Firma Schwarz 800.000 Kronen, Stift St. Peter 255.000 K.. eine Partei im St. P'eterbezirk 4678 K., Firma Rajsigl 300.000 K.. Scharnberger 54.000 K., Pützenbacher 10.000 K.. Scheck 160.000 K., F. X. Martin 200.000 K., Städtisches Kühlhaus 120.000 K.. Firma Fitz 4060 K„ Bäckerei Heilmayer 900 K.. Mittermayer 500 K.. Dobler 550 K. und Straßer 500 K. Es - beläuft sich sonach der vorläufig ermittelte Gesamtschade auf 4,078.788 K. Znstandegebracht wurden teils durch Hausdurchsuchungen und teils durch freiwillige Rückgabe und' Abgabe versteckter oder weggeworfener Sachen Werte von Firma Schwarz 80.000 K„ Hotel „Europe" 30.000 K.. Hotel .^Oesterreichischer Hof" 15.000 K.. Hotel „Stein" 100 K„ Stift St. Peter 400 K. und an Lebensmitteln» Ge- LraUchsgegenftänden und anderen Sachen Werte von 3600 K„ so daß sich der. Wert der zustandegebrachten Waren auf etwa. 129.000 K. beläuft. Sechzig Personen sind verhaftet und über dreihundert der k. k. Staatsanwaltschaft zur Anzeige gebracht worden. Polen «(ritt Jud en. Aus Warschau wird uns berichtet: Die deutsche Verwaltung hat bekanntlich im Generalgouvernement Warschau eine moderne Organisation d§r jüdischen Religionsgesellschaft eingeführt. Die Wahlen zu den Gemeinden waren schon iM ganzen Lande durchgeführt bis auf Warschau und Lodz. Nun hat der Vorstand der jüdischen Gemeinde Warschau, der auf Grund eines mittelalterlichen plutokratischen Wahlrechtes gewählt und dessen Amtszeit längst abgelaufen ist, auf Veranlassung des polnischen Kultusministeriums die Neuwahlen, die jetzt stattfinden sollten, aufgehoben. Darüber herrscht in der jüdischen Vevöllerung lebhafte Erregung: sie glaubt aus dieser Maßnahme schließen zu müssen, daß der polnische Staat nicht einmal eine moderne Organi'ation der Juden als Reli gionSÄosellschaft. ohne die die Verwilderung deS Gemeindelebens nie beseitigt werden kann, zukassen will. Die Verordnung entsprach nicht den zionistischen und nationalistischen Forderungen: sie war aber doch ein erheblicher Fortschritt gegenüber dem früheren Zustand. Offenbar wollen aber