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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-10-25 · 42 (25.10.1918) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
42 (25.10.1918)
Date
1918-10-25
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 43 Dr. Blocht Wochenschrift Seit« 67» GelvMestimmMrg gelangten«. Sde haben dieses Programm - durch ihre Sprecher irr den Vertretungskörpern kuiidgegeben, haben es an der obersten Skslle des^ Reiches 'verdolmetscht, haben es in einer Massenverfam'mlilng zum eifervollen ubd pathetisch!en Ausdrilck gebracht und si« finden dafür müch Stütze in dem neuen geistlichen Ob^rhäupte der Wiener Kultusgemeinde, dchseu Leuchte freilich auch im Osten aufgegangen war. Wir Westjuden aber sind keine Nationalisten, die im Dienste einer beschränkten Judenpolitik aufgehen wollen. Wir ,find Burger, und zwar treue und staatserhaltende Burger jener Gemeinwesen/ in denen utisere Voreltern gelebt und gewirkt haben, in den'ckr sie gestorben sind, an deren Kultur, wirtschaftlicher und politischer Hebung sie mitgearbeitet haben, zu deren "Blüte! sie bei/ trügen, für die sie ihr Bestes hingabeü, für die wir selbst leben ünd sterben, oft mit Undank gelohnt, mit Haß-und Versolguugssucht bedacht, wofür sie und wir aber doch mich Dank, Wohlstand, Ehren und gebärende Geltung geerntet haben und ernten. Wir Gnnen und wollen die 'Stätten, in denen wir das gleiche Recht, mag es anch! Mannigfach nur auf dem Papiere stehen, errängen habennicht dsrkeugnen, ebenso wie jene anhänglichen' Staatsbürger anderer Bekenntnisse ihnen ihre Treue und Anhänglichkeit unentwegt bckoahren. Gibt es ein anffälliAres Dokument für' die Schädlichkeit jüdischnationaler Bestrebungen, als die Anerkennung und den Beifall, d<en sie bei den "juden? feindlichen Alld.eutschen und Christlichsozialen, - kurz gesagt bei allen Antisemiten, finden? Sie Ratschen - in die Hände, wenn sie von jüdischnationalen, Bestrebungen hären und gehen davon Ms, daß mit der Errichjtung der eigenen Nation^ lität uUd StgatlichDeit alle Juden entweder abwandern oder sich auf die engen Schranken ihrer Nationalität werden beschränken müssen. Sollen wir uns aus ein größeres ober Reineres Ghetto zürüMegeb'sst und dort zurückgedrängt werden, in Lebens in Amt, in . Schule, in Handel, Wandel und Verkehr? Mit anderen Worten: Können wir bei der Minderheit, in der wir Inden uns beftnden, uns solche Experimente und Abenteuer gestathen? Können wir!es dulden, dgß die gewaltige. intellektuÄhe und, wirtschaftliche Kraft, die wir Juden repräsentieren und dis zu unserer Zahl gewiß, im verkehrten Verhältnis' 'steht, preisgegeben werbe einem Unglofähr, eingezwängt werde ins Prokrustesbett eines' überhitzten^ nationalen Phantoms? Wir brauchen Nkcht erst abzuwarten und es darauf arvkomMen zu' lassem ob urrd wie 'Wjilson' und die Entente über unser Schicksal ihr Richtschwert schwingen. Halten wir uns vielmehr an die' 'Juden in den Ländern dev Entente sÄbst, die jeM als Sieger sich gebärdet; fragen wir doch die Franzosen, Italiener und Engländer, zuletzt, aber gewiß nicht zuletzt, die amerikanischen Juden, ob. sile nicht ihre staatliche Zu'giehörigke.it o benan stellen, ob sie sich-, nicht cfts Franzosen, Engländer, Italiener unp Amerikaner fühlen. Werben sie es zugeb en und dulden, daß beispielsweise in Amerika diel Juden als eigene jüdischnationale Schichte aus dem politischen und sozialen 'Heben au'sgeschieden und aus Palästina gewiesen 'werden? Nein und tausendmal nein! Ich habe diel Ueberzeugung, daß sie mit allem Gewicht und allem Stolze:<K fordern werden— und vielleicht brauchen sie! es nicht zu fordern, weil es sich für sie von-selbst verDht — daß sie in einer zeitgemäßen Variation des wUtbürg,erlichen Ru^es: Ciyis Romanus sum! die Devise Hochhalten werden:. Freie Bürger der Bckreinigten Stalaten, kurz amerikanische Staatsbürger jüdischen Glaubens' zu''sein! So, meine ichsollten auch wir es halten, auch in jenen Ländern, die jetzt kleiner 'beigeben müssen.. Jch stimMe da ganz mit Fulda Werein, der es einmäl meines Erinnerns! drastisch ansgedrückt hat: „"Ich bin ein Jude und ich bin ein Deutscher, und wer mir mein D!eutschtum nehMen will, dem lacA ich! ins Besicht!" Auch ich meine, wir innerösterreichischen Juden sollten sagen amb daran sesthalten: Wir sind Juden, wir sind Oesterreicher, und wem das zu wenig ist, wir sind Teutsch- Oesterreicher, nach Geburt und Sitte, Bildung und Kultur/Stellung und Erfühl. Wer einem dies bereitet, dem lache mjRn nicht bloß, dem — fahre man lins Gesicht ' - Von Dr. Adolf K«rpr«lik. Die Leser der „Wochenschrift" haben gewiß mit großem Interesse von den beiden vortrefflichen Artikeln: „Die/Pflichten der Stunde" von Dr. Rudolf Ritter v. Schwarz-Hiller'Md „Ein ernstes Mahnwort an die Juden in Westösterreich" von..Dr. Heinrich Herbatschek in Nr. 41 vom 18. Oktober d. I. Kenntnis genommen. Nicht um mit dem einen oder anderen der von mir hochgeschätzten Herren zu polemisieren, trete ich in die Schranken: ich nehme weder einen nationalen noch einen antinationalen Standpunkt ein, ich gehöre weder einer Partei noch einer „Gegenpartei" an — manche dürften mich darob indolent nennen —, ich bin so unbescheiden, mich als objektiv und neutral zu bezeichnen. Das Recht, mitzureden. wird man mir kaum absyrechen. Ich will bloß einiges berühren, was mir in jedem der beiden Artikel einseitig zu sein scheint, und hervorheben, was hüben und drüben übersehen worden ist. Vielleicht möchte es jemand für unzeitgemäß halten, nicht national gesinnt zu sein, und mit Berufung auf den logischen „Grundsatz vom ausgeschlossenen Dritten" es geradezu als Nonsens erklären, sich für weder national noch antinational auszugeben. Demgegenüber sei zunächst folgendes festgestellt: Das Hauptmerkmal des Begriffes „Nation" ist wohl die eigene Sprache, die Umgangssprache, die man gleichsam mit der Muttermilch eingesogen, in welcher man herangewachsen, mittelst welcher man die ersten Grundlagen zu den verschiedenen Studien und Wissenszweigen bekommen hat. In diesem Sinne gehört jedermann zweifelsohne „seiner Nation" an, der „Nätio“, in der er geboren — „liatns“ — ist. Wer es als unabweisliche Pflicht empfindet» dem Schlachtruf der nationalen Führer zu folgen, nicht nur für die Erhaltung der nationalen Güter LU kämpfen, sondern auch — wie es in der neuesten Zeit geschieht — um politische Errungenschaften. ist unstreitig national gesinnt. Wer aber die Entwicklung des allermodernsten Nationalismus bei fast allen Völkern verfolgt und wahrnimmt, wie eben wegen der politischen Kämpfe der Hatz einer .Nation gegen die andere stärker ist, als die Liebe zu den Konnationalen» der darf, wenn er die Fähigkeit, mehr zu hassen als zu lieben, in sich nicht spürt, sich für nicht national halten. Insofern er aber seinem eigenen Volke das Recht nicht absprechen kann, für alles einzutreten, was für fernen Bestand, für sein Gedeihen und seinen Fortschritt unerläßlich ist, ist er nicht antinatioüal gesinnt. .Das sei — wie gesagt — zunächst und im allgemeinen festgestellt. Im besonderen jedoch bekennt Schreiber dieser Zeilen offen und unumwunden, datz er den ganzen Nationalismus, wie er gegenwärtig allenthalben aufgefatzt und geübt wird, für ein Unglück hält, für ein Verbrechen gn den höchsten Gütern, für einen Wahnsinn. Ein Unglück ist es, daß Religion, Wissenschaft und Kunst, Sozialdemokratie und Freimaurerei — siehe die Ausführungen Dr. o. Schwarz-Hillers — versagt haben, ein Unglück, daß diese Güter, die gewiß höher zu bewerten sind, jp&föe von einzelnen Nationen erstrebten

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