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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-10-25 · 42 (25.10.1918) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
42 (25.10.1918)
Date
1918-10-25
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 674 T-r. Bloch's Wochenschrift Nr. 42 «auf dem Grabe des Men Ojesterveich^ sich aufpflanzt und durch Eigenbrödehei in «Verwirrung zu geraten droht, zu Nutz und Frommen unserer Glaubensgemeiirschaft richtig behandelt und gelöst werde. Es muß daher auch einmal da hineingpleuchtet wirrdm. ' Viele von Ms «tappen im Finstern. Es ist keine Frage, daß die Juden und dfe Mische Politik nicht gchörig orientiert sind. Freilich! wird man sofort dieser Behauptung in die Rede fallen und «auf die zionistische! und jüdischnationale Bewegung verweisen; doch darf man nicht übersehen, daß immerhin doch nur ein Teil der jüdischen Bevölkerung diesen Ideen zugetan ist und sich die Anhänger der zionistischen und jüdischnationchien ■ Geistesrichtung trotzt des Wiener -Ursprungs des' Problems und seiner Propagierung zuvörderst und -zumeist aus den Kreisen der Ostjuden, der galizischeu, polnischen und russischen Juden, rekrutieren. Ein -Großteil der Westjuden, vielleicht der Stack der beweglichen und stürmischen Jugend «ausgenommen, steht nach wie vor diesen Bestrebungen gleichgültiger und kühl gegenüber. Freilich die Zionisten und Jüdischnationalen wissen, was sie wollen und sie hoffen, daß sie das, waA sie wollech auch! erreichen werden. Sie «erachten, daß die Sturche, welche die Verwirklichung ihres politischen Traumes! herbeiführen soll, also die. Stunde der Eirtscheidung, für sie gekommen sei. Immerhin fragt es sich, ob jene anderen Juden, die also nicht Zionisten find und nicht jüdischnationale Ambitionen hegen, das Gleiche wollen und nach dem Nämlichen trachten dürfen. Es ist eine beklagenswerte Erscheinung, Jbafei während der Kriegsdauer mit Ausnahme der radikalen Färbung für die Juden anderer Sinnesart das Assoziationswesen mehr weniger verMchlässigt und aüsgeschaltet blieb. Darunter verstche ich die Tätigkeit der Vereine uird den Zusammenschluß in VersamnÄungen, die Aufklärungsarbeit, die politische Schulung. Selbst die Kultusgemeirchen, dmen in dieser Hinsicht dM eine führende Rolle zugeschrieben werden fällte, haben großenteils versagt. Sie haben sich, um nicht politisch auszufallen mld offenkundig im Interesse eines falsch verstandenen „Burgfriedens", auf die Pflege ihrer satzungsgemäßen Tätigkeit, auf die Wahrung ihrer engeren Gemeindeaufgüben und der religiösen Obsorge« zurückgezogen; in politischen Dingen haben sie ängstlich lgeschwiegen. Das gleiche ist zu beobachten bei jenen größ eren Veremsorganisationen, welche sonst in der Judenpolitik des Westens früher ein großes' und entscheidendes Wort gesprochen haften. Auch diese haben Leitnahmslos der Wntwicsiung der großen Geschehnisse Mgeschen, sie sind den D«ingen nicht gefolgt oder, wenn sie schon nicht ganz abstinent Evesen find, so hahtzn sie es doch vermieden!, laut «gn die Oeffentlich^eit zu ätzten. So konnte es^ ü'e>ispiels>- weife fich> begebtzn, dftß selbst aus der Wiener Gemeindestnbe, als zu Beginn des! Sommers eine eingehende und ziemliche Wrmische Debatte Wtzr die Judenpolitik abgeführt wurde, die sich! hauptsächlich! mit dein Einsprüche gegen baß damalsverlautüarte Programm der jüdischnationalen Partei befaßt hat, keine Nachricht und keine Aufklärung in die Oeffentlichßeit drang, es sei denn, daß kurz darauf ntzue Versuche Unternommen wurden, den bereits legendär gewordenen Gem'ekmdebund zum Leben zu «erwecken, nachdem vorher von einer geplankein Neuregelung der gesetzlichen Verfassung für die Kultus'gömLinden etwaZ mehr AuMbens! gernacht worden war. Allein auch diese Schritte und Bemühungen blieben unfruchtbar, abgesehen davon, daß diese Verhandlungen großenteils!, erner Neigung der leitendein Persönlichikeiten zuliebe, wie gewöhnlich, in aller Vertraulichkeit stattgefundenHahen, daß nur wenige austzrwahlte Männer daran teilnHmen dursten, daß die Publizität ausgeschlossen war und daß demnach die breite Allgemeinheit auch davon keine Notiz nehmen konnte. Man weiß noch heute nicht, wie es mit dem Gemeindebunde, wie W mit dem jüdisch.-- pölitischen Programm desselben steht; ob.^es und wie es verfaßt wurde, was damit geschehen ist, und ob über- Haupt «etwas geschehen ist. Alkes dieses steht dahin- und äst unverändert'in ein nah ezu undurchdringliches Gcheimnis gehüllt. Tatsache ist, daß sich nur die 'Zionisten und die Jüdischnationalen in der Oeffentlichkeit bemerkbar machen. Ihre Wortführer schreiben Broschüren, halten VersamnÄungen ab, agitieren^und sind hinter allen Ereignissen her und werben außer für die Verwirklichung des .Judenstaatproblems für eiche' nationale Zusammenfassung der Juden, wobei nicht allein an die östlichen Ländergebiete, Galizien, die Bukowina und das neue Polen, gedacht wird. Bezeichnenderweise findet dieses Bestreben auch in dtzr westjüdischen Jugend Beachtung und Anktang- Wi-e aber fühlt und denkt der StamUrj, .ich, möchte sagen, der bodenständige Block der jüdischen Gemeinschaft, die nicht in den östlichen Provinzen ihre Zusammenhänge hat, diein den Sudetenländern, in den innerösterröichischen Gauen wohnt, hier zur Welt gekommen ist, deren Väter hier a.n der historischen Entwicklung in allen politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Beziehungen unmittelbar mitgewir'kt hat, die diese Lage der Dinge und den Kulturzustand, in dem wir hier leben, das Zentrum unseres Wirkens-, mitgeschaffen, dafür gestritten hat, mit Opfern dafür eingestanden ist, die Gut und Blut dafür hingegeben und für sich, und ihre Nachfahren die staatsbürgerliche Gleichwertigkeit und Gleichberechtigung errungen hat? Alle jene, die sich als für Faktor und als ein beachtlicher und stellenweise maßgeblHe'r Faktor des Gangen fühlen, die keine Gelüste nach! nationalen Schichjtungen in unserer Heimat hegen, die zwar jüdisch denmn und fühlen, sich auch -aufrichtig als 'Juden bekennen,-aber ihr Bürgtzrtum nicht spalten und sondern'lassen wollen? . Sagen wir es mit einem Worte: die treue Angehörige des Staates und der Staats gemeinschast sind?,Es unterliegt keinem Zweifel, daß jene Juden, “ die von dieser Empfindung beseelt sind, und sie äußern und zur Geltung bringen, die wirtschaftlich und intellektuell hichiteste und kräftigste Schichte der Judettschaft repräsentieren. Man braucht nur zurüchudenken an die Zeit, als . der Krieg ausbrach, als er begann, mit welchem Nachdrucke die gleichbürgerliche Stellung üüd Haltung der Juden hervorgehoben wurde, daß die Juden auchwirklich im Kriege ihren ganzen Männ gestellt, tapfer gekämpft, reichgesteuert und für den Ruhm des' Vaterlandes hingebungsvoll 'eingetreten sind. Es ist wahr, der Ausgang "des Krieges und die Konturen des heranrückenden Friedens haben diese ruhmreiche find opferwillige .Hingebung nicht durchaus gelohnt, die Anwartschaften noch« nicht.erfüllt. Es hat sichwieder eine Woge des Judenhasses Erhoben und man will die Verdienste, welche das Judentum sich um den Staat und das Land erworben hat, schmälern, drücken und die Juden selbst als Freibeute für Verfolgung und Bedrängung behandeln. Der Widerstand gegen diesen Haß, seine Abwehr, findet feine Stütze in der Be- WeguUg der nationalen Selbstbestimmung, Bie genährt wird von der 'Entente und gezüchtet von dem amerikanischen Doktrinarismus. Das'äst natürlich Wasser auf die Mühle der Jüdifchnationalen. Ihr wichtigster ProgramMpunkt war von Mer die nätfougle Absonderung, Aüchj sie - Nehmen die SelbstbestüNmüng für sich! in Anspruch,und. erheben die Forderung auf Anerkennung ddr jüdisch en NationalitÄt. In d'er Effe der stürmischen Ereignisse wollen sie aucheine jüdische Nation Schmieden.. Dias, ist dis „Förderung der Stunde", die die Jüdischnationaftu als Devise aufgestellt hiaben; um dieses Panier scharen sich alle JNden zionistischer-Richtung,, damitsibei einer Umgestaltung Oesterreichs auch die Juden zu einer nationalen-.

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