Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 42 (25.10.1918)
- Date
- 1918-10-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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W. 43 Dr. Bloch’s Iayrgang XXXV Zentralorgan für die gesamten Unteressen des Zudentums □ □□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□ □ n a □ K. k. Posisparkaffenaml g g Clearing-Verkehr: 810.976 § □ 00 ' g g Redaktion und Administration: g g Wien g □ II/i, Pralerstratze 9 g | Telephon: 45.359. § O□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□aaaa Q -000- Wien, 25. Oktober 1918 Erscheint siede» Freitag Brief-Adresse: Wien, 11/1, Pralerstratze 9 Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift Wien. □ □□□□□□aaaoaaaaciaciQciaDaDQQaaaaaQ a □ □ □ □ □ a. □ □ □ □ □ □ □ Bezugspreis: § Halbjährig 10 Kronen 3 Ganzjährig 20 Kronen g Einzelexemplare 50 Heller a . . V o Anzeigen: Dre 2mal gespaltene 0 Petitzeile 60 Heller. g □ □aannaaaaoaaaoaaaaaaaDaaanaaaa Q Inhalt: Leitartikel: Die Juden und der Deutschösterreichische Staat. — Nationalismus. — Leopold Horowitz. — Aus d er Woche . Ein jüdischer Nationalrat. — Hussarek und die Judenfrage. — Der Judenstaat. — Verspätete Erkenntnis. — Der Schade aus den Salzburger Ausschreitungen. — Polen und Juden. — Griechenland. — Palästina. — Kriegsdekorationen jüdischer Offiziere und Soldaten. — Weitere Auszeichnungen.— Auszeichnung eines Feldrabbiners. — Korrespondenzen: In Sehnsucht nach dem Hause Gottes. — Zionistische Versammlung über die Aufgaben nach dem Friedensschluß. —Der Dank des Ministers. — Vermischtes. — Feuilleton: Romain Rolland im Jean Christof über Juden und Judentum. — Literatur. — Brieflasten. — Inserate. Dir I«de« ««& b-rr Drirtfchrstrrrrichischr Ktaat. Von Dr. Heinrich Schreiber. Der eherne Griffel des Weltgeschehens hat den Tags des' 21. Oktober 1918 tief in die, Tafeln der 'Heimatsge-j schichte. eingegraben, die auch die Heimatsgeschichte Her! österreichischen Juden ist. Wird dieser Tag für Ms 'Jud en ein anderer, neuerneunter W oder wird ihn das Morgenrot froher, festlicher Mlfrichtung und Sammlung er-K hellen? Das ist! die bange Schicksalsfrage, die unsere Gemüter beschleicht. Die Legende aber, die dg in die Annalen des Reichs ieingetragpn wurde, lautet 'klar und sichtbar: Der österreichische Staat ist tot; es lebe der deutschösterreichifchie Stach! In der deutschen 'Nationalversammlung im Hguse der niiederösterr^ichischen Stände, an das sich für uns 'Juden durch das! Anbeuten an die politische Stellung und Geltung, unseres Adolf Fischhof unsterbliche, stolze Erinnerungen -'knüpfen, ist; die Erricht tung des deutschösterrichchischen lStaches proklamiert und die gesetzgebende Körperschaft «des deutschen Volkes in Oesterreich; Eingesetzt würden, -'Für ckns Juden ist! es von Bedeutung, daß in den Vollzugsausschuß als Vertreter der Wiener freisinnigen Partei auch; ein Jude, unser Dir. Julius Ofner, gewählt (worden ist. Wir Juden waren ausnahmslos und ohne Unterschied den Partei wahre- und »echte 'Osesterreicher; wir waren es mit Leib und Seele; wir waren und sind österreichischstachstreu und 'verläßlich; bis in die Ktrochen. Selbst politisches Leid,.Scheelsucht, Bedrückung und Verfolgung, die unser Vollbürgertum schwacher und kränker machten,' haben uns in dieser Trecke nicht wankend', in unserer Liebe zum Vat-erlande nicht irre gemacht- Und wenn daher die Vorsehung, die das Geschick djer Staaten und Völker bestimmt, es nunmHr fügt, und, wKe «es scheint, unvermeidbar fügt, daß dieses alhss, «ehrwiürdige Reich miss» einanderfällt und sich in Linzelnje Sonderstaaten auftöst, da greift — wir bekeimen es offen und aufrichtig ^-tiefes Weh an unser H-erz ob der trübjen und schmerzlichen' Wandlung und Umwälzung der Dinge. Mit heidvoller und teilnehmender Wehmut und beklommenen 'Gemütes heißtes für uns, Abschied nehmen von dem.geeinigten iVaterkcmde, und erschüttert flehen wir an dem Grabe alterngelebter,,ehrwürdiger Erinnerungen und Gesinnungen, heiliger und stets hochgehaltener Überlieferungen, die ein Tag des Unheils in Trümmer geschlagen hat. Uns tröstet nur der Gedanke: Wir Indien sind schuldlos d aran! Uns drängt das Schicksal an die Schvelle, die den Uebergang herflellt zu jenem neuen Aufbau, dessen Fundament durch Bildung des dientschästerreichischen Staates soeben gelegt wurde. Diese Schwelle gilb es für' uns Juden zu betreten und zu überschreiten, stMi und hoch erhobenen Hauptes, wie oie anderen Bürger dieses neuen Staates, und wir.wünschen nur, daß auch uns, wie zur Zeit des Ueberschreitungstages, ein weiser und umsichtiger Führer und Lehrer vorangehe, eine Feuersäule uns voranleuchte, zur Sicherung und Festigung unserer heimatlichen Rechte. Die Hoffnung, daß uns dies bescheert werde, lassen wir nicht sinken, und es ist somit als oberstes Gekdot der Stunde an der Zeit, daß auch wir im Angesichte der grundstürzenden Veränderungen unsere politische Haltung, unser Streben und unsere Ziele kennzeichnen' und festlegen. Der verläßliche: Wegweiser fehlt uns zunächst; allein wir glauben, ihn an dem fveierlichjen' Vorsätze und Bqkenntnisfeierfassen zu könnien, der in maßgebenden Parteierklärungen verkündet und von Ofnier auf der Nationalversammlung in die fprühenden, herzerhebenden Worte gekleidet wurden: Wir ierwarten, daß chgser Staat auf der Grundlage der keh-enswarmen GleichbMechtigung, ohne Unterschied von Herkunft — Religion, wiie Dr. Adler betonte —;ejrrichtet werden wird! An uns liegt ps nun, nicht untätig die! Geschehnisse an uns vorbeiziehen und über uns hinwieggehM zu lassen. Wir Müssen und wollen achtsam fein, damit das Problem, welches durch die staatliche Umbildung für uns Indien