Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 41 (18.10.1918)
- Date
- 1918-10-18
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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mm 67ö Dir. Blocht Wochenschrift Nr. 41 zeugt, daß sein Land aus dieser Wirrnis verjüngt hervorgehen werde, fürchtete er nicht den Einfluß der zersetzenden Elemente, der Snobs, her verlumpten Aristokratie, des am Gelds klebenden Bürgertums, der entarteten Juden. Aufgesogen werden sie schließlich alle von dem gesunden, allumfassenden Geist seines klugen Md großzügigen Volkes. Und er hatte recht behalten. Mit einem Ruck schüttelte Frankreich alles Parasitäre und Schmarotzerhafte von sich ab. Ein -neuer Geist und ein neues Herz kam! in die fast verwesten Gebeine. War die alte Generation vollgesogen von dem! nihilistischen Mitleid eines Tolstoi, dem! düsteren Zerstörungsstolz eines Ibsen, der Raserei Nietzsches, dem! heldenhaften und sinnlichen Pessimismus ^Wagners (III, 549), so war nun eine Welt glommen, die auf dem Wege war zu einem Zeitalter der Kraft, der Gesundheit, der männlichen Tat, charter Herrschaft und straffer Ordnung (505). Eine Generation erstand, voll von glühendem Glauben an ihre Zukunft, siegesgewiß und tatensichsr (499). Verschwunden war die alte Zeit mit ihrer zerquälten Gedankenwelt, die Entartung freien Denkens, das Lachen ohne Heiterkeit, die Ironie ohne Grötzo (550). Die neue Zeit trachtete mehr zu handeln, als zu verstehen, mehr nach Glück, als nach Wahrheit, sie wollte leben, sich des Lebens bemächtigen (493). Einerseits nahm der Sozialismus in seinen-verschiedenen Abarten die jungen Gemüter in immer Mrkerem Matze gefangen, andererseits durchbrauste der Nationalismus, wie ganz Europa, so auch Frankreich. Der Aufstieg der vierten Klasse begann sich durchzusetzen und erfüllte mit heißem Sehnen die Millionen der Arbeiter der ganzen WsG Das! Motto des PürgertuMs war wieder: Zurück zur alten, gesunden, unverfälschten Volkskraft, zum nationalen Geist. Christof mit seinem Sinn für das Robuste, Urwüchsige, selber ein Stück Volk, shürzte sich mit der ganzen elementaren Wucht seines ungezügelten Temperaments in die sozialistische BewegMg und zerrt auch den zarten Olivier, diesen Typus des verfeinerten Bürgertums, in den wilden Tanz Hins ein. Hier leimt Christof den russischen Flüchtling, den - jüdischen Arzt Menasse Hermann näher kennen. Ein Mann, „der wie -viele seiner Landsleute die doppelte Gabe besäst sich! unter anderen sofort wie zu Hause einzurichten und sich in jeder Revolution so wohl zu fühlen, daß, man fragen konnte, was' ihm dabei mehr Spaß mache: das äußere Drum und Dran oder die Sache selbst". (230.) Anläßlich einer Demonstration an einem ersten Mai kommt es! zu einem Konflikt der flutenden Massen mit der Polizei: Ehrishof und Olivier, die anfangs nur Zuschauer der Bewegung sein wollten, werden schließlich Mitbeteiligte am Aufstand. Vom Tumult getragen, werden die beiden Freunde getrennt. Olivier bemerkt plötzlich, wie der kleine Krüppel Emanuel Feuillet, dessen er sich stets mitleidvoll, angenommen . hatte, niedergestoßen wird und in Gefahr schwebt, erdrückt zu werden. Wie besinnungslos wirft sich Olivier in das schwerste Gedränge , um seinen Emanuel zu reiten. Er wird niedergeworfen und tötlich verwundet. Indes laßt der ahnungslose Christof sich von der Menge.fröhlich weiterschieben, ihm macht es Vergnügen von seinen Ellbogen mächtigen Gebrauch machen zu können. Er wird von einem! .Polizisten ergriffen, setzt sich! zur Wehre. Der Polizist wirft ihn nieder und zieht den ^Säbel. Christof, bis zum Wahnsinn gereizt, entwindet dem Mann das Schwert und stößt es dem Polizisten ms Herz. Er wird zum Mörders Während dieses schreck-" liehen Zufalls wird der arme Olivier in das Haus einer befreundeten Wirtin getragen. Hermann, der auch aus Neugierde dem Tumult beigewohnt und Olivier fallen Lesehen hatte, kom'mt eilig herbei und kann , nur konstatieren, daß Olivier verloren sei. Im Weggehen “ er auf einen Bekannten, der ihm von Christofs unheilvoller Tat Mitteilung macht. Nun heißt es Christof retten, bevor er Oliviers Tod erfährt. Sie eilen zur Barrikade, wo Ehrishof mitkämpft. Menasse drängt sich, zu ihm hin und beschwort ihn zu flüchten. Christof will nach Hause, zu Olivier. Menasse laßt das natürlich . nicht zu und sagt, die Polizei folge Christof auf den Fuß ihn gefangenzunehmen. Es gilt also die Flucht zu ergreifen. Er soll eilends nach der Schweiz. Morgen werde ihm Olivier folgen. Wie benommen gibt Christof endlich nach. Er wird zur Bahn gebracht. Menasse gibt ihm die Stadt an, wo er weitere Nachrichten erwarten, und das Hotel, in dem er absteigen soll. In furchtbarer Aufregung und verzehrender Angst um' Olivier kommt Christof in der .Schweiz an. Am nächsten Morgen erhielt er Menasses Brief, in dem ihm dieser vom Tode Oliviers Nachricht gibt. Christof gerät in Raserei. Er wollte nach Paris zurück. Eilt zum Bahnhof, wirft sich in den erstbesten Zug, der in der Richtung nach Paris abfährt.' In der zweiten Station nach der französischen Grenze hielt der Zug. Er ging nicht weiter. Es war Nacht. Bebend vor Wut shieg Christof aus und wollte Auskunft haben. Keiner der verschlafenen Beamten, gab sie ihm recht. So verließ er den Bahnhof und ging aufs Geratewohl in die Nacht hinein. Mitten auf ödem Felde warf er sich schluchzend auf die Erde und schrie nach, Olivier. Dann wollte er zum Bahnhof zurück. Er verirrt sich und wandert ruhslos die ganze Pacht hindurch. Als der Tag anbrach, hatte er keine Ahnung von der Gegend, in der er sich befand. Mitten auf einer Wiese brach er züsammen und schlief bis zum Abend. Als er erwachte, schleppte er sich lotmüde zu einem Bauernhof, bat um ein Stückchen Brot und eine Schlafstelle. Der Bauer Musterte ihn scharf, gab ihm Brot, führte ihn in den Stall und sperrte ihn .ein. AM Morgen öffnete ihm der Bauer, fixiert , ihn genau und hält ihm dann das erste Blatt einer Zeitung vor die Augen. Es war sein Bild, das Bild des großen Musikdichters Jean Christof Krafft, der einen Polizisten erstochen hat. „Das bin ich," sagte Christof, .sijefern Sie .mich aus." Ohne viel Worte zu sprechen, führt ihn der Bauer einen.Feldweg entlang, weist mit dem Finger nach den Elockentürmen und Fabrikschloten, die sich ihren Blicken zeigten, und sagte: „Dort geht es zur Grenze." Mechanisch geht Christof weiter. Er war in der gastlichen Schweiz, er war gerettet. - Zehn Jahre lang weilt Christof außerhalb Frankreichs. Nach einer tragischen Liebe zu der Gattin des Arztes, der ihn in der Schweiz mit liebevoller Gastfreundschaft ausgenommen hatte, kommt er in einer Schweizer Sommerfrische abermals mit jener Frau zusammen, an die ihn nunmehr eine reine und keusche Liebe ketten sollte. G ra z i a B u o n t e M p i war ein kleines Mädchen von 14 Jahren, als sie der Vater nach dem Tode der Mutter Ms Italien nach Paris zu seiner Schwester, der Mutter von Colette Steven brachte. Im Salon Colettes verliebt sich das junge Ding sin Christof. Als her Schmerz Grazias zu groß wurde, schrieb sie deM! Vater, sie wolle heim, er möge sie holen. So. kehrt Grazia in ihre italienische Heimat wieder zurück. Nach einigen Jahren heiratete sie einen siungen österreichischen Gesandtschaftsattachs und kam nach Paris. Ohne daß Christof ahnte. Machte die schöne, einflußreiche Diplo- , matensgattin Christof zuM berühmten Mann. Sie gewann für ihn die Redakteure angesehener Zeitungen, wußte gewandt feindselige Kritik zu unterdrücken .und ebnete Jo die Wege Kraffts. In einer Gesellschaft kam er endlich mit der nun zweiundzwanzigjährigen jungen Frau zusammen. Sein Herz entbrennt in heißer, dankbarer Liebe zu ihr. Doch kurze Zeit nachher mußte sie Paris verlassen, ihr Mann wurde nach! Amerika versetzt. Dort starb, ihr Gatte. Als Witwe reist sie mit