Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 41 (18.10.1918)
- Date
- 1918-10-18
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Seite 669 Nr. 41 , Dr. Bioch's Wochenschrift HemzM NeWMim b% Unter außerordentlilch zahlreicher Beteiligung >— der geräunnge Zeremoniensaal war von einer illustren Trauergemeinde überfüllt ürurde Heinrich N eu m ann, zu Mieslist in Ntährengeboren, im 81. Jahre seines tatenreichen-Lebens Sonntag den 13. d. M. zu Grabe getragen. Heinrich Neumann, .der jahrelang bei der Firma Jak. Lichtenstern von ider Pike 'auf tätig war, war auf dem hiesigen Platze ein reeller, 'tüchtiger und geachteter Kaufmann, betätigte sich über auch-als guter gesinnungstreuer Jude vom alten Schlag. So stand er 'über ein halbes .Jahrhundert dem Bethaus rHr> >lp1,Tn!2 als Obmann vor. Sein Familienleben — er hatte eins Frau aus dem vornehmen Hause Frankfurter in Nikolsburg, die ihm vier herrliche Söhne ^und vier bildhübsche Töchter, wovon namentlich Frau Eugenie Aufrichtig, eine beautG, eine wahre schenkte, idie alle wetteiferten, den alten Vater, der über ein Jahrzehnt Witwer war, zu betreuen — war musterhaft. Namentlich der älteste Sohn'Wilhelm, der Hauptmann im Schützenregiment Nr. 24, der > seit Kriegsbeginn Kriegsdienste leistet, hat es sich zur Ausgabe gemacht, sein ganzes Leben dem alten Barer zu widmen, und es ist geradezu rührend, in welch aufopfernder Weise er diese seine kindlich-zärtliche Fürsorge betätigte. In Baden, woselbst der Verewigte den Sommer über weilte, war er wöchentlich zweimal und wenn es der Dienst erlaubte, auch drehnal zu Bjesuch. Welcher Beliebtheit sich der Hauptmann bei seinem Truppenkürper erfreut, beweist dtz 'Tatsache, daß das Offizierskorps des Regiments in' corpore, mit:bent Obersten an der Spitze, an der Leichenfeier teilnahm und einen Mächtigen Kranz mit schwarz-gelben Schleifen an der Bahre 'niederlegte. Erwähnt sei die Tatsache, in welch pietätvoller echt jüdischer Weise idie tiefe Trauer abgehalten wurde. Der Herr Hauptmann in „Feldgrau" im ausgerollten betet vor. Auster dem Hauptmann trauern aber nach zwei Feldgraue, der jüngste, erst 'aus Albanien heimgekehrte Sohn und ein Enkel, Oberleutnant Aufrichtig. Mit Heinrich N e u m a n n 'schwindet wieder einer der Wenigen der alten echtjüjdischen Garde. — Friede seiner 'As'che! I. L, „3. V.", Sektion II, Glockengasse 30. Samstag, den 19. d. M., um y24 Uhr nachmittags, wird im Verein-lokale Herr Löbl Taubes über: „Soziale Einrichtungen in der Bibel" vortragen. . Allstritte aus dem Judentum. ' Vom 6. bis^12. Oktober 1918. Baschrach Ma, geb. 29. IJanuar 1875 Wien, 6. Bezirk, Nahl- - gaffe 1. ( Becenyi Olga, Kontoristin, geb. >8. Oktober 1891 Wien, 7. Be-, zirk, Levchenfelderstraße 21. > Deutsch Hans, Handelsakademiker, geb. '8. April 1896 Wien, 7. Bezirk, Schottenfeldgafse 60. ' FeiMmidt Josef,. Buchhalter, geb. >28. August 1891 Wien, 20. Bezirk, Bäuerlegasse 17. > Dr. Gottlieb Rudolf, Advokat, geb. 21. Juli 1881 Porlitz a. d. Mettau, 3. Bezirk, Barmherzigengasse ,16. Kaufmann Richard, Kaufmann, dzt. 'Leutnant, geboren 26. Juni 1683, Böslau, 7. Bezirk, Neubaugasfe 21. Turnheim Sofie, geb. 30. 'Oktober 1892 Trzciana, Bez. Pzervw (Galizien), 7. Bezirk. Stollgasfe 3. Wifenz. (Diamantene Hochzeit.) Am Samstag - den 12. d. M. beging Vorstehersiellvertreter Herr I. H. Herbats ch e k mit seiner cv.itlin das seltene Fest der diamantenen Hochzeit. (Nachdem der Preise Jubilar in feierlicher Weise zur Thora geruAn wurde, hielt Herr Bezirksrabbiner Dr. Hoff ein der Feier angemessenes Gebet, in welchem er Gottes Segen auf das Jubelpaar herabflehte. Nach Beendigung' des Gottesdienstes begab sich dev gesamte Kultusausschuß in die Wohnung der noch rüstigen, geistesfrischen Jubilanten und gratulierte denselben in herzlichster Weise. Olmüh. Am 15. d. M. beging Sr. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Oppenheim mit seiner Frau das Fest der silbernen Hochzeit. Diese Gelegenheit gab den Mitgliedern unserer Gemeinde willkommenen Anlaß, dem-Jubelpaar durch Aufmerksamkeiten aller Art die Verehrung und Dankbarkeit für das segensreiche Wirken in ihrer Mitte zum Ausdruck zu bringen. Besonders erhebend gestaltete sich der 8lkt der Ehrung durch das deputative Erscheinen der.KultuSgeseindevertretung unter Führung des Vizepräsidenten Herrn Dr. M. Hochwald in der Rubbinerswohnung. Dieser feierte unter Überreichung eines Ehrengeschenkes das Hochzeitspaar in einer herzlichen, ehrenden und anerkennenden Ansprache und überbrachte die Segenswünsche der ganzen Gemeinde. Fran Vizepräsidentin Sofie Kaufmann, welche die Komiteedamen des jüdischen Frauenvereines und der lüdischen Ferienkolonie führte, sprach innige ... Worte der Beglückwünschung aus und überreichte die Ehrengaben. Auch Deputationen aller anderen jüdischen Vereine waren zur Gratulation erschienen. In bewegten Worten sprach Herr Rabbiner Dr. Oppenheim allen den Dank für die ihm und seiner Gattin in reichem Maße erwiesenen Ehrungen ans _ Kolm. Nächste Woche verläßt Frau Rabbinerswitwe Dr. Dantime Gugenheimer unsere Gemeinde, mm bei ihren Geschwistern m Nürnberg Aufenthalt zu mehmen und sich der religiösen Erziehung iljrer Kinder dort zu >,widmen. Frau Rabbiner, welche mit ihrem! vor Zwei Jahren so 'frühzeitig verschiedenen Gatten in glücklichster Ehe lebte und ihm im wahren Sinne eine .Gehilfin ' sowie ein Esches chail war, erfreute sich in allen hiesigen Gesellschastsschichton. selbst der Andersgläubigen, der 'größten Achtung und Wertschätzung und wird daher auch ihr Abgang aus unserer Gemeinde allseitig' größtes Bedauern auslöseu. Siebst ihrer Pstrchren. als tteue und hingebungsvolle Gattin sowie als fürsorgliche Mutter ihrer Kinder widmete sie sich in hervorragendem Maße den charitatwen Zwecken der Gemeinde. (Sie war Vorstandsmitglied unseres Frauen- und Wohltätigkeitsoereines und neigte stets ihr Ohr den Armen und Bedrückten zu und hat deren Tränen gestillt und getrocknet. Während der schweren Krieg^eit hatte sie unter Hintansetzung aller ihrer Kräfte 'in der Flüchtlingsfürsörge unermüdlich gearbeitet, und wußte auch, 'wenn es notwendig war. selbst bei den kompetenten Behörden vorstellig zu werden, was ihr auch dank ihrem, anmutigen und imponierenden Wesen 'immer voll und ganz gelang. So leitete sie dürch zwei Jahre hindurch die Flüchtlingsküche für dis zum Schulbesuche'erscheinenden Kinder und wurden dieselben täglich mit warmen 'Speisen 'beteilt. - Sie hinterlützt daher in unserer Gemeinde eine große Lücke und wir wünschen ihr, daß sie auf ihren weiteren Lebenswegen alles iGute genießen möge, hauptsächlich, daß es ihr -gelingen soll, ihre vier hoffnungsvollen Kinde? n.ch ihrem Vorhaben ist streng jüdischem Geiste, als würdige Nachkommen des sel. Oberrabbiner und Gaon S. M. Hirsch zu, erziehen. Wir werden ihr 'als auch ihrer Familie auch weiterhin die wärmsten Sympathien bewahren. > K. Triest. Am 27. v. M. starb in Grado nach kurzer Krankheit (Grippe) Leutnant Meinhard -Moser, Kommandant einer Scheinwerfer-Abteilung, Sohn des Oberlehrers .und Schriftstellers Heinrich Mofer, 28 Jahre ult. und wurde auf dem israelitischen Friedhofe in Triest mit allen militärischen Ehren bestattet. Der Verblichene war Besitzer des Karl Truppenkreuzes, der Tapfer-- kektsmedaille und des Signum-.laudis mit den Schwertern, und sollte, jetzt zum Oberleutnant befördert werden. Im Tagesbefehle hietz es: Die?. u. k. Scheinwetferkompagnie hat mit seinem Hmscheiden einen braven, mustergültigen Offizier, 'seine Qfsizierskütlegen einen aufrichtigen und wahren Kameraden 'und Freund verloren. Sein Angedenken verbleibt bewahrt für immerdar. Herr Hauptmann Andrafek drückte der betrübten Familie namens des Kompagnie- Kommandos und der Offtziero der Kompagnie das Beileid aus. Romain Kolland in, Jean Christof «brr Inden und Audrnium. Von Dr. I. Ziegler, Rabbiner in Karlsbad. (Fortsetzung.) VIII. Die nationale Erneuerung. Er ist diesem heiligen Ertrag seiner Wanderrähre nie treulos geworden. Bis ans Ende seiner Tage ist es der Traum seines Lebens geblieben, daß sich die Reinen und Edlen aller Raffen und Nationen zusammenschließen mögen um das große Werl der Menschheitsläutsrung fortzusetzsn. Trotz der großen Wandlungen, die er an her intellektuellen Welt, an den führenden Geistern aller Länder, namentlich aber Frankreichs, miterlebt, ist Jean Christof dank seiner großen Selbständigkeit im Denken und Handeln allezeit der gleiche geblieben. Als er nach Frankreich kam, sah er in der Welt der Kunst und des Geistes ein schier unentwirrbares Chaos. Alles in Garung, alles erfüllt von Zweifelssucht, alles in Zersetzung, in Fäulnis begriffen, alles dekadent. Er, der Fremde, mußte glauben. Frankreichs Antergang sei bevorstehend. Sein Freund Olivier. der echte Franzose, kannte sein Volk besser; der verzweifelte nicht. Aeber-