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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-10-18 · 41 (18.10.1918) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
41 (18.10.1918)
Date
1918-10-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
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S«t« 658; Dir. BAM WoHjenWtist Nr. 41 nale Freimaurerei usw., kurz jede Ideenrichtung, die über alle von den Menschen mnWch gesetzten Grenzen hinaus Menschen als solche durch Ideen? oder Interej> engerneinichchr zu einer Höheren Einheit verbinden Md Verbünden wollte — gesiegt har einzig upd allein aus .allen Schlachr- 1 Lidern, Ln allen Erdteilen und Ländern die.Nationaltrat, Der Gedanke der restlos geeinten Volksgemeinschaft, lind Lies war und ich ein tiarer und vorbehaiLslvser Siegfriede. Und so hat sich Lesjings Lehre vom Staate „Die Staaten vereinigen die Menschen, damit durch diese und in dieser Vereinigung jeder einzelne Mensch.seinen Teil von Glückseligkeit desho besser und sicherer genießen rönne. Das Totale der einzelnen Glückseligkeiten aller Glieder ich die Glückseligkeit des.. Staates. Äußer dieser gibt es gar keine. Jede aridere GAckseligkeit des Staates, bei 'welcher auch noch so wenig einzelne Glieder leiden und leiden müssen, ich Bemäntelung der Tyrannei" vorerst auf die große Völkerfamilie dieser Erde als nationaler Einheits- und Freiheitsgedanke praktische Auslegung- und Anwendung errungen. . .II. .Und während all dieser Umwälzungen und Vorbereitungen, während alle anderen Gemeinschaften die Wirklichkeiten des Tages erkennen," mit ihnen rechnen und für sie rüschen, bleibt das Volk, bleibt die Gemeinschaft der Juden in Oesterreich untätig, wenn man von den unvermeidlichen innerer! Zerwürfnissen und Zänkereien absieht. Von Verständnis oder Erkenntnis der großen Zeir — keine Spür. Bei absolutem Mangel irgendwelcher GroMügigteir sucht,-man durch Kasfeehauskonferonzen, kleinere oder grö ßere Versammlungen, KonventiM, Einzel-, interventionen u. a. rn. das zu" markieren, was bei allen an-, deren iacherWeil.MwidEMiche Volksbewechrnq ist/U nd.. das Wichtigste: jede Einigkeit, jeoe Eirfh eit s eh kt. Und .es ich so, als, .oh mehr als 2000 Jahre vorbergezogen wären, Jahre furchtbarster Unterdrückung, Iahre^schrecklichsten Leidens, aber auch Jahre der Vot5 dereitung, der. Vorbereitung für einigen Kampf, für Sieg und GIKLseligkeit — und all dje Jahre hätten nichts geändert. In einem ausgezeichneten Artikel! (vir. 3.6 der .tSelbstwehr", .Urag) schließt Ätar Vrod mit den Worten: „Verhallt heute noch,, im letzten Augenblick, der Ruf: „Jeder auf seinen Mchen!" dann sind wir nicht reif Kr die Erlösung, und. der Messias! wird guch diesmal weinend sein Antlitz vom Zusammenbruch und blutigen Sturz seines .Volkes wegwenden. Die aber, die einander heute lächelnd .Spottworte zuflüchern, werden Blutschuld aus sich geladen haben!" Wird der Gedanke an die ungeheure; nicht zu ermessende Verantwortung durch' Mangel an .LinigkeitsgMhl, an Unterordnungsbedürfnis in wichtigster Zeit d.ex Gegenwart und Zukunft des eigenen Volkes nie wieder gut zu machenden Schaden verursacht zu haben, nicht doch noch im letzten Augenblick .Führer und Massen zur Besinnung bringen und sie zwingen, alles- Trennende von sich zu werfen, alles Einende Hervorzuheben, um einer Welt mächtiger und gehässiger Feinde, als kleine, aher einheitliche und geeinte Minorität gegenübertreten zu können und volle, ganze Menschenrechte zu fordern und abzutrotzen in dem einen Zeitpunkte, wo. .es uns wieder einmal gegönnt K, volle und aufrechte Menschen werden zu können — wenn wir es nur wollen? Beim Zusammenschluß einer Gemeinschaft darf man zweierlei nicht übersehen. Vor allem spielt Die Zahl in der 'Welt der, Völker <eine große Rolle, insbesondere dort, wo es sich um das Durchsetzen von Rechten Handelt, andererseits kann ,.Gruppierung" nie Gemeinschaft .ersetzen, wenn sie auch nn kleinen Kreise häufig mit ihr verwechselt werden kann. Mne Volksgemeinschaft kann nicht durch eine wenn auch noch so zahlreiche Gruppierung von Studenten,, von bestimmten Altersklassen oder sonstigen einseitig zusammengesetzten Kreisen dargest.ellt werden; eine Gemeinschaft muß.alle umfassen, die Gesamtheit. Der .Gemeinschaftsged.änke muß alle durchdringen, die Dieser Gemeinschaft angehören, er muß systematisch und organisatorisch alle durchdrungen haben/allen anerzogen worden fein. Diese Systematik, diese ErZiehungsorganisation kann nicht durch BersLnrmlungstätigkeit (so nützlich dieselbe auch sein mag) allein gegeben werden. Auch der Rausch des Aügenblickerfolges der größten Versammlungen darf nie überschätzt, sondern muß von nüchterner. Ueberlegung stets richtig gewertet werden, hauptsächlich dann, wenn in den Versammlungen stets . .dieselben Leute - denselben Zuhörern dieselben Ideen vortragen. Ueberzeugte können hiebei nicht tiefer überzeugt werden, 'sie können eher verloren gehen, und UeLerzeugungsneophyLen, die in Versammlungen gLwonnen werden, sind noch niemalS eiserner Bestand ihrer Ueberzeuger geworden. Dem gehen die Dinge nicht allzutief, der neue Weltanschauungen und kleberzeugungen der Liebe auü den ersten Blick gleich lediglich aus Versammlungen'nach Dause bringt. Bei der ersten großen Belastnngsprobewird er versagen. Eigenes Durchringen, systematische Aufklärung und Erziehung schaffen den Mahl der Treue im Menschenherzen. Jüdische Gemeinschafts- und Volkspolitlk ich aber bisher bloß yar t e i mä ß i g betrieben ' worden. Mag dies in den Vorweltkriegszeiten vielleicht angängig gewesen sein, heute ist es ein unmöglicher Zustand. Marteipolitik ist das. Gegenteil vonVolks- und 'Gesamtiheitsbewegmrg, sie wäre in den gegenwärtigen Zeitläuften ebenso gefährlich und unmöglich, wie absolute Gleichgültigkeit auf der anderen Seite, wo die. vox Friedensschlüß auftauchenden Sorgen sich lediglich auf Valuta-,' Renten- und .Steuerfragen.tommUer.en., ,.B.ei,.d.^. •. ■, großen Bewegung des jüdischen Voltes, hei der. ersten seit zweitausend Jahren, die Aussicht auf Erfolg hat, muß ein jeder herangezogen, niemand aber, außer ausgesprochene Verräter und Schädlinge, darf abgestoßen werden. Der Gedanke, daß die Errettung aus Schmach und Not durch Zweifel und Uneinigkeit, durch Nichts erstehen oder Nichtwollen vereitelt werden könnte, ist so. unerträglich, daß ich ihn gar nicht aufkommen lassen, gar nicht ausdenken möchte. Die Volksgemeinschaften der Welt, die Volksgemeinschaften in Oesterreich werden sich nach innen abschließen und nach außen ihre Rechts-, und Machtverhältnisse gegeneinander fechlegen. Wehe, wenn . dieser .Prozeß .abgeschlossen ist, und. wenn .die Juden die Zeit jversäumt Haben, außen stehen geblieben -sind, vom Rate der Völker der Welt ihre Magna Charta nicht empfangen haben, weil niemand da war, der sprechen konnte und sprechen durfte: „Ich komme im NaMn der Juden Oesterreichs und verlange auch deren Anteil am Rechte auf Leben und Freiheit." Oder wollen die' Juden Oesterreichs-die Entscheidung ihrer Geschicke lediglich den Juden der Entente überlassen, ohne auch nur den Versuch zu machen, ihr eigenes .Schicksal selbst zu gestalten? Soll der, mystische Zauber der eigenen Tat unsere Arbeiten nicht befeuern dürfen, soll, um Martin B.u b e r s Worte zu variieren, „die Wandlung, die Wiedergeburt durch die Vermählung mit der Arbeit für die Idee" bei uns Juden in Oesterreich nicht Wahrheit und Offenbarung einer neuen und besseren Zeit werden? Tlnd all dtzss Arge nur deshalb, weil Menschen zueinander den Weg nicht finden können, Menschen, die zusammen gehören durch Blut und Abdämmung, Menschen, die zuscnnmen gehören durch inneres Denken und Fühlen, ob sie es auch manch-, mal gar nicht wissen oder wissen wollen, Menschen, die zusammen gehören durch uralten-noch lange nicht erlösche-, nen Haß der anderen. Änd solche Menschen sollten den Weg zueinander nicht finden und finden wollen, den heiligen Weg zur heiligen Einheit?

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