Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 41 (18.10.1918)
- Date
- 1918-10-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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f«fn—t LM Dr. Bloch’s Zentralorgan füt die gesamten,Unteressen des ZudsnLums «Cr=== =o© «n«'' j K. i. dsksvarksflenamt «learrus-Verkshr: 810.97« Wien, 18. Oktober 1918 Ksfeefttott m»d NdmirUstratt«» r ■ , ■ ——- «Bits Erscheint jeden Freitag «:* n/i, yr«terftrsße 8 45*339 Srtch4ldrefis: Wirs MsZersteKtze S Tr7frrrrimj 1L11^nX Bisch'- MscksrJHsllZ. Ms« ©Ör ® Bezugspreis: Halbjährig 10 Krone» Ganzjährig 20 Krone» Einzelexemplare 50 Hell« Kv-s^s»: 2k Issel gef{*?£*«* S ysSirMk ZS HsAvr k: Inhalt: Leitartikel: Die Wichten der Stunde. — Ein ernstes Mahnwort an die Juden in Westösterreich. —Aus d er Woche. Die Judenfrage vor Sr. Majestät dem Kaiser. — Wilsons Demokratisierungspläne. — De fundamentalen Volkssreiheiten und Bolksrechte. — Preistreiberei --- Hochverrat. — Ein Hofrat wegen Schleichhandel in Haft. — Schleichhandel und Hochverrat. — August Wünsche und das Alte Testanrent. — Jüdische Helden an der italienischen Front. — Nach dem Tode ausgezeichnet. — Korrespondenzen: Eine Versammlung wegen des „Selbstbestimmungsrechtes der Juden". — „Knopfmuseum Waldesianurn" in Prag. — Verein für jüdische Geschichte ünd Literatur. — Vermischtes. — Feuill eton: Romain Rolland im Jean Christofüber Juden und Judentum. — Literatur.—'Briefkasten. — Inserate. Die Wichten der Stunde. Von Dr. Rudslf Ritter v. Schwarz-Hiller, Gemeinderat der Stadt Wien. Wien, den 14. Oktober 1918. Wenn man zu Zweit eine Pflicht versäumt, ist man eibenso ruhig, wie wenn man sie allein erfüllt.1 Paul Hermen. ' I. Die absolute Richtigkeit der oben als Motto diesem Aufsatz Vorgesetzten Worte des berühmten Franzosen wirkt üb erzeugend auf jedermann, der Zeit, Ruhe und Sachlichkeit in diesen' Sturmtagen ungeheuersten Geschehens findet, das gegenwärtige Verhalten der Juden in unserem Vaterlande zu untersuchen und objektiv zu^ beurteilen. Nur sind es leider nicht nur zwei, die sich jetzt damit beruhigen, ihre Wicht zu versäumen, es sind ihrer viele, sehr vjele — vielleicht Tausende. Die unterdrückenden und die unterdrückten Völker dieser Welt sind nach vieljährigen mehr öder minder geheimen Vorbereitungsyrbeiten nunmehr seit Wochen öffentlich und eifrig daran, ihre Zukunft auszubauen und für ewige..Zeiten zu sichern, damit ihnen di?se schrecklichste und entsetzlichste Zeit von mehr als vier Jahren organisierten Menschenmordens als Ersatz für. verlorenes Blut, für verlorene Zeit und Kultur untrügliche Hoffnung, Ruhe und Sicherheit für freies Sichausleben in künftigen Tagenbringe. Alle Völker unseres geliebten Vaterlandes,, an 'dessen ungeschmälertem Bestände gerade wir Juden stets mit unwandelbarer Treue und Anhänglichkeit hingen und hängen, haben sich in ihrem Streben und Ringen nach freier Entwicklung innerlich vollständig geeint, die großiten, früher uMberbrückbar erscheinenden Gegensätze sind verschwunden,' wie ein Block, wie ein Ganzes aus einem Guß harren die einzelnen Völker des Signales zur Erklärung ihres selbständigen Willens, des Rufes zur ersten Betätigung .ihrer. Freiheit. Und mag man über die scheinbare ZerMchelung althergebrachter Traditionen wie immer denken, vor diesen großen, machtvollen und ursprünglichen Volksbewegüngen, die alle die Einheit und in dieser die Freiheit suchen, muß aller nörgelnder Widerspruch. alle aufquellende Bitterkeit verstummen. Diese Erscheinungen sind alle so groß und überwältigend, Hilden Bergströmen gleichend, die steinerne Fesseln gesprengt haben, aus der Berge Nacht zum Tageslicht heroorbrechen und, alle Dämme und Schutzbaue überwälzend und zerreißend, ihren eigenen Weg wählen — und niemand kann dem wilden Bergwasfer, und niemand kann dem Wollen geeinter Völler Widerstand leisten. Dieser größte Krieg hat eine Tatsache, eine Wahrheit unwiderlegbar wieder ausgerichtet und eine große, schöne Illusion vollständig vernichtet. Dieser Krieg hat, sechsundsiebzig Jahre nach Goethes Tod, Meigt. daß alle Philosophie Plunder war, daß alle Träume kosmopolitischer und internationaler Kulturgemeinschaft eitler, nichtiger Tand waren — reicher Stoff für Fabulisten, beglückender Rausch für große Herzen, aber der erste wuchtige Sturm der Wirklichkeit hat alles weggefegt, als wäre es nie gewesen. Vom Turmbau zu Babel bis zu den vierzehn, neunzehn oder dreiundzwanzig Punkten des amerikanischen Professors ist in der Geschichte der Ewigkeit nur ein Schritt, und mit diesem einen Schritt scheint die Menschheit mit ihrer Kultur nicht allzu weit gekommen zu. sein. Die Erkenntnis dessen mag traurig stimmen, es ist aber die Wirklichkeit, und die in dieser Welt weiter leben sollen, müssen sich mit dieser Wirklichkeit sehr rasch vertraut machen, damit die Macht der Tatsachen sie nicht niederwerfe, und sie Kraft und Möglichkeit zum eigenen Weiterleben finden. Auf den Schlachtfeldern und im Hinterland sind nicht wabere Streiter, nicht stille Helden geschlagen worden, unterlegen ist die kosmopolitische Idee, die Idee der Menschenbrüderschaft, der Gedanke der Jnternationalität. Versagt hat der internationale römische.Katholizismus, versagt hat die internationale Wissenschaft, versagt die internationale Kunst, die internationale Sozialdemokratie, die intern,atio-