Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 40 (11.10.1918)
- Date
- 1918-10-11
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 646 Air. Bloch's Wochenschrift Nr. 40 zur Kenntnis der Versammlung und bemerkt, datz er mit Rücksicht darauf, als dieser Artikel geeignet ist, das Ansehen unserer Gemeinde im Auslände herabzusetzen, des wahren Inhaltes wegen die Gefahr vorhanden war, den Gedanken wachzurufen, datz dieser Artikel vom Arbeitsausschüsse des Aktionskomitees seinen Ausgang gefunden habe, sich veranlag sah, an den Kultusvorstand nachstehenden Brief zu richten: „Wien, 6. August 1913. An den Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Wien. Beifolgender in Regensburg erschienene Artikel ist mir zugesendet worden und fühle ich mich verpflichtet^ Ihnen denselben 'mit der Erklärung zu übersenden, datz ich persönlich diesem Artikel vollständig fernstehe, ja ich - mutz, auch sagen, datz in den Sitzungen des Komitees der Aktion für den Wiederaufbau des Leopoldstädter Tempels niemals der Gedanke guftauchte, auf so ungewöhnlichem Wege die Erreichung des vom Aktionskomitee verfolgten Zweckes anzustreben. Da jedoch in diesem Artikel Momente angeführt erscheinen, welche blotz den Aktionsmitgliedern bekannt und vollkommen richtig find, mutz ich leider vermuten, datz dieser Artikel von einem Aktionsmitgliede stammen Müsse, worüber ich mein Bedauern in einer der nächsten Komiteesitzungen zum Ausdrucke, bringen werde, zumal ich.es als ungeziemend finde, Aber seine Gemeinde im Auslande, bezw. außerhalb derselben Abfälliges zu verbreiten und dies auch dann, wenn zu einer herben 'Kritik der Handlungen, 'bezw. illnterlässungen der Gemeinde Veranlassung vorliegt. Ich knüpfe an diesen traurigen Vorfall die sehr ergebene Bitte, der geehrte Vorstand möge endlich dem Wiederaufbau des Tempels im 2. Bezirke mit größerer Energie mähertreten, auf datz, nicht noch weitere ähnliche, das Ansehen der Gemeinde schädigende Artikel losgelassen werden. Hochachtungsvoll Dr.sGutmann m. p." Der Vorsitzende drückt nunmehr auch sein Bedauern dem unbekannten Autor des Artikels aus und bemerkt; es sei nach altjüdischem Sprichworte nicht -.geziemend, über seine eigene Gemeinde oder Familie abfällig zu reden, wir müssen vielmehr mit Men loyalen und erlaubten Mitteln an die Arbeit gehen. Der Vorsitzende bemerkt weiters, datz von seiten des Kültusvorstandes auch chieses Schreiben unbeantwortet blieb, wiewohl der Inhalt desselben gewitz in verbindlichstem Tone gehalten ist. i3n diesem Belange jedoch treffe den Vorstand kein Verschulden, weil dieses Schreiben, wiewohl an den Kultusvorstand gerichtet, nach Mitteilung eines Kultusvorstandsmitgliedes dem Vorstande seitens des Vizeprasid L ums nicht vorgelegt wurde. Zum Worte haben sich gemeldet die Herren Doktor Thaler, Hauptmann T Heu mann, Reimann, Direktor S. Reich, Planer, Gold stein, Dr. Winternitz, Schwarz, Weinwurm, Fuchs. Sämtliche Redner drücken ihre Entrüstung über die Indolenz des Kültusvorstandes aus, stimmen dem Anträge auf Einberufung einer Protestversammlung auf Kosten der Aktion 'zu. Herr Dr. Thaler beantragt jedoch, es möge durch eine Deputation das Präsidium des Kultusvorstandes von dem Beschlüsse über Antrag 2 vor Einberufung der Protest»ersammlung in Kenntnis gesetzt werden, und schlägt nachstehende Herren als DepUtationsmitglieder vor: Dr. Gutmann, ,Goldstei n, Hauptmann T h e umann, Dr. Thaler, Planer, Schwarz. Der Vorsitzende überträgt, nachdem er die heftigen, gegen den abwesenden Präsidenten Dr. Stern von dem letzten Sprecher gemachten Angriffe energisch zurückgewiesen hatte, den Vorsitz an den Schriftführer Herrn Planer und ergreift das Wort: Die zahlreichen Angriffe, die in den Ausführungen der Vorredner gegen Kultusvorstand' und Präsidium vorgebracht wurden, müssen vom Redner dahin richtiggestellt werden, datz bezüglich der Angegriffenen eine Scheidung gemacht werden müsse. Seine Ueberzeugung ist, datz im Kultusvorstande nur wenige Mitglieder Sitz und Stimme haben, welche für den Tempelbau Interesse haben; unter diesen wenigen Mitgliedern ragt der Präsident Herr Dr. Alfred Atern als überzeugter Jude besonders hervor, ihm ist der Tempelbäu wahre Herzenssache, er bewies dies so häufig, und es ist daher jeder Vorwurf, der ihm diesbezüglich Lemacht wird, als ein ungerechtfertigter zu bezeichnen. Das Komiteemitglied Herr Rektor Schwarz erklärt ebenfalls, es sei feine innerste Aeberzeugung, datz Herr Dr. Alfred Stern ernstlich den Tempelbau wünscht. Herr Dr. Winternitz teilt seine Wahrnehmung über das Verhalten des Herrn Präsidenten Dr. Alfred Stern in .der Tempelfrage an- .iätzlich seines Gratulationsbesuches, den er Herrn Dr. Stern in Baden machte, dem Komitee mit und sagt, auch er sei davon-überzeugt, datz Herr Dr. Stern dem definitiven oder provisorischen Aufbau mit aller Sympathie gegenübersiehe: Herr Dr. Stern habe ihm gesagt, sobald er nach> Wien komme, werde er diese Frage intensiv behandeln. Wie ein ^Komiteemitglied mitteilt, hat Herr Dr. Stern sofort nach seiner Ankunst in . Wien eine eineinhalbstündige Besprechung über die Tempelfrage mit dem .Sekretariate gepflogen, ein Beweis seines ernstlichen Wollens. Bei der Abstimmung zeigte sich, die einhellige Annahme des Punktes 2 und die Wahl der Deputation^ Mitglieder. Punkt 3, die Kooptierung des' Herrn Dr. Thaler in den Arbeitsausschutzj, wird einhellig genehmigt. Nachdem zu Punkt 4 keinerlei Antrag vorlag, wurde die sehr bewegte .Sitzung nach zweistündiger Dauer geschlossen. ', - _.