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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-10-11 · 40 (11.10.1918) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
40 (11.10.1918)
Date
1918-10-11
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 40 Dr. Bloch's Wochenschrift Teile 645 Sekretärs Emil Engel'im Beratungszimmer der Kultusgemeinde statt, in welcher der Vorsitzende erklärte, die vorliegenden Offerte seien derartige, daß ein Eingehen auf dieselben der enormen Preise Wegen unmöglich sei, daß Herr ^Architekt Hermann, der .sich anfangs für die Herstellung entschiedenst aussprach, als an ihn aber die Aufforderung gerichtet wurde, den provisorischen Bau zu übernehmen, zur Erklärung sich genötigt Iah, er könne den Bau unter Garantie in befristeter Zeit nicht übernehmen, und da ein Tempel nur von jüdischen Kräften hergestellt werden solle, so sei die Kultusverwaltung zurzeit nicht in der Lage, den provisorischen Bau in Angriff zu nehmen. Die Vertreter der Aktion bemerkten hierauf, daß man sich doch an andersgläubige Baumeister wenden, möge, da ja eine Zwangslage vorliege und seinerzeit der Tempel ebenfaMvon Andersgläubigen gebaut wurde; darauf bemerkte der Vorsitzende, das , Aktionskomitee möge solche Baumeister, die aber eine gewisse Garantie für die Bauvollendung bieten, nominieren. Das Aktionskomitee hat diese Mission übernommen und sich bereits mit mehreren Baumeistern in Verbindung gesetzt. Bei dieser Konferenz bemerkte Herr Sekretär Engel, der Vorstand will diesem Zwecke bis 400.000 K. zur Verfügung stellen. Die Aktionsmilglieder machten sich erbötig, für einen Mehrbetrag die nötigen Gelder aus den Sammlungsergebnissen beizustellen. Nach Herablangen der Entscheidung des Stadtbauamtes haben zwei Sitzungen des - Vertreterkollegiums unter Vorsitz eines Mitgliedes des Vizepräsidiums "stattgefunden, unter Beiziehung derselbe-- Experten, die stets beigezogen wurden und sich stets ablehnend verhielten, jedoch nicht unter Verziehung des Aktionskomitees. Was in diesen Sitzungen beschlossen wurde, ist uns offiziell nicht bekanntgegeben worden, jedoch aus der Tätigkeit, bezw. Nichttätigkeit des Vorstandes ist uns bekannt, daß derzeit nicht gebaut wird. Hieran knüpft der Vorsitzende Dr. Gutmann die Frage, warum man die Pläne dem Ansuchen an das Stadtbauamt nicht sofort anschloß. Es mußte ja dem Vorstande bekannt sein, daß keine Baubehörde ohne vorliegende Pläne Entscheidungen treffen könne, und es seien hiedurch seit Mai d. I. bis heute viele Monate unnütz verstrichen, ein Zeitraum, welcher auf die Kosten des Baues bei den stetigen Preissteigerungen sehr bedeutenden nachteiligen Einfluß ausübte. Der Vorsitzendebemerkt ferner: Das Komitee hat seinerzeit vom ersten Präsidenten Herrn Dr. Älfr. S t ern die Zusage erhalten, das Komitee werde zu allen Sitzungen des Vorstandes, in Welchen der 'Tempelbau auf der Tagesordnung steht, beigezogen werden: das Komitee begnügte sich mit bieser Zusage nicht und .erbat sich in diesem Belange eine bindende Erklärung des Kultusvorstandes, die bis heute — feit mehr als einem halben Jahre — nicht herabgelangt ist. Wiy motivierten dieses Vorgehen damit, daß Herr Dr. Stern ein'alter Herr ist, der nicht immer in der'Lage sein wird, die entsprechenden Verfügungen zu treffen. And wie es sich zeigt, haben wir gut vorausgesehen: denn zu den letzten zwei Sitzungen unter dem Vorsitze .eines der beiden Vizepräsidenten wurden wir nicht zugezogen. Weshalb? Die . Frage beantwortet sich mit der Bemerkung eines der Herren Kultusräte, welche läutet: ,„Wir wollen keine Nebenregierung." Haben wir oder Herr Dr. Alfred Stern je daran gedacht, eine Nebenregierung zu schaffen oder zu dulden?' Wir wollen nur die betreffs des Tempelbaues Indolenten im Kultusrate durch unsere Mitwirkung zu einer erhöhten Tätigkeit anspornen; wir beabsichtigen etwaigen Bedenken entgegenzuarbeiten, um den Endzweck zu erreichen, und darin ist keine Nebenregierung, vielleicht eine Kontrolle zu erblicken, und der durch die Kriegszeit bereits überreif gewordene Kultusvorstand bedarf in dieser Zeit und besonders in der Frage des Tempslbaues einer sehr scharfen Kontrolle. Der Kultusvorstand hat mehrere, wichtige Zuschriften seitens des Aktionskomitees erhalten, und dieser hat bis nun auf-keine einzige eine Antwort, ja nicht einmal eine Empfangsbestätigung an uns gelangen lassen: der Vorstand behandelt uns als eine iHuurritv iiegligrable (Zwischenruf : „Aber die Million wollen sie nehmen!"): er verletzt die einfachsten konventionellen Formen (Zwischenrufe: „Am uns herabzusetzen!"). Die Ausrede, es mangle län Schreibkräften, ist hinfällig, eine Empfangsbestätigung ist in zwei Minuten erledigt. Die Herren Kultusräte kümmern sich um den § 3, lit. a, des Statutes nicht, konzentrieren ihre Tätigkeit auf § 3, H'. e, wiewohl dieser,Teil im Verhältnis zum lit. a minder wichtig erscheint, wenn der erste Absatz des § 3 des Statutes ins Auge gefaßt wird, welcher besagt, daß die Aufgabe der Kultus gemeinde ist, für die Befriedigung der religiösen Bedürfnisse der Mitglieder zu sorgen und die hur,ch diesen Zweck gebotenen Anstalten zu erhalten und zu fördern. Der in § 3,-!ir. e, enthaltene Teil beinhaltet die Eharität, diese muß also der lit. a gegenüber zurückstehen. Der Vorsitzende bringt die Zuschrift eines Komitee- Mitgliedes, das in jüngster Zeit sich als einer der größten Wohltäter in unserer Gemeinde erwies, und zwar des Herrn Bernhard G old stein, vom 30. September d. I. des folgenden Inhaltes zur Kenntnis: „Ans der mir zugerommenen Einladung zur Dierrstagsitzurrg am 1. Oktober d. I. bemerke ich zum Punkte 2 der Tagesordnung: Ich kann es nicht unterlassen, diesen Anlaß zu benützen, um nicht nur in meinem eigenen Namen, sondern hu Namen einer größeren Zahl Freunde und Personen meines Bekanntenkreises zu erklären, daß wir von den seinerzeit erfolgten Widmungen unbedingt abgesehen hätten, wenn vorauszusehen gewesen wäre, daß sich die Dinge so gestalten werden, daß nicht einmal an die provisorische Instandsetzung des Gotteshauses geschritten wird. Ich bin überzeugt, die Ansicht des überwiegenden Teiles der Spender auszusprechsn, wenn ich betone, daß die Zuwendung der Spenden nicht zu dem Zwecke erfolgte, um die eingeflossenen Gelder einfach unverwendet zu belassen, statt raschestens ans Werk zu gehen, mn der großen Zahl Glaubensgenossen die Teilnahme ,am regelmäßigen Gottesdienste an der altgewohnten Stätte zu ermöglichen. Schließlich wurde doch die in großzügiger Weise eingeleitete Sammelaktion nicht zu dem Zwecke ins Leben gerufen, daß seitens der Kulftusvorstehung innerhalb des Zeitraumes von mehr als einem Jahre gar nichts geschieht, um das Werk des Wiederaufbaues des Leopoldstädter Tempels — eine gewiß brennende Frage — zu verwirklichen. Meinerseits wurde auch seinerzeit, als ich mich gern in den Dienst der Sache stellte, ein Beitrag für die ausgelaufenen Spesen des Aktionskomitees in Aussicht gestellt und überweise ich Ihnen zu diesem Behufe den Betrag von 3000 Kronen mit Rücksicht auf die unermüdliche Tätigkeit Ihres geschätzten Herrn ^Präsidenten. Hochachtungsvoll Bernhard Gold st ein." Dieser. Wohltäter hat mündlich auch die Aeußerung getan, es werde, wenn es so weiter geht, die Frage .aufgeworfen werden müssen, ob nicht die Sammelgelder den Spendern zurückzusLellen sein werden, welche Kelder zur Förderung gewisser Wohltätigkeitsinstitute verwendet werden könnten. Der Vorsitzende bringt ferner einen in sder in Regensburg erscheinenden Zeitschrift „Sinaifahne" — und zwar in Nr. 27 vom:4. Juli 1913 — enthaltenen Artikel, betitelt „Wiener jüdische Gemütlichkeit"',

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