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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-10-04 · 39 (4.10.1918) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
39 (4.10.1918)
Date
1918-10-04
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 39 Seite 631 Dir. Bloch's Wer Vorschlagskörper für die jüdische Glaubensgemeinschaft besuche, müsse schon jetzt im Gesetz das Vorschlagsrecht festgelegt werden. In der Eingabe des Deutsch-Israelitischen G e m e i n d e b u n d e s wird aüsgeführt:. „Hier handelt es sich um ein Grundgesetz des preußischen Staates, um die verfassungsmäßige Festlegung der Rechte der verschiedenen Bekenntnisse für ewige Zeiten. Hier darf schon aus grundsätzlichen Erwägungen, aus dem einfachen Gebote der Gerechtigkeit' heraus, wenn die Mächte des religiösen Lebens, die auf eine gesetzliche Vertretung Anspruch haben sollen, genannt werden, die jüdische Religionsgemeinschaft nicht ausgeschaltet werden. Bloße Erklärungen der königlichen Staatsregierung, , so-dankenswert" diese an sich auch sein mögen, bieten keine Gewähr für die Zukunft, und die Vertröstung der jüdischen Religionsgemeinschaft hierauf bietet keinen.Ersatz für die gesetzliche Vertretung." Antisemitische Strömungen in der polnischen Presse. Als nach dem Abzüge der Russen aus Lemberg die Wortführer der sogenannten allpolnischen Richtung und mit ihnen die Herausgeber und Redakteure des sattsanu bekannten antisemitischen „Slowopolskie" den galizischen Stäub ab schüttelten und hinter der russischen Front vor dem österreichischen Standrecht Schutz suchten (sie hatten manches auf dem Gewissen), da schien für einige Zeit die Luft gereinigt. Doch nur zu bald erwies sich diese Annahme als irrig. Vorerst begann sich die Krakauer Presse mit dem Tonender Warschauer polnischen Blätter zu befreunden, dann ,aber ließ auch der in Lemberg erscheinende „Kurier lwowski", zu dessen einflußreichen Redakteuren der getaufte Jude Fryling gehört, die Maske fallen und brachte in fast jeder Nummer irgendeine^ Notiz, oft auch einen besonderen Artikel von unverhüllt antisemitischer Färbung. Dem Kampfe gegen den Kettenhandel, gegen die Zentralen u. dgl. wurde von vornherein eine gegen die Juden gerichtete Tendenz aüfgedrückt, diejenigen Polen christlicher Konfession, die Grund und Boden einem Juden, und möchte er noch so assimiliert sein, verkauften,"wurden als Verräter an der polnischen Sache gebrandmarkt, jede'Gerichtsaffäre, in die ein Jude verwickelt' war, ^besonders herausgestrichen, mit einem Worte, die Boykottbewegung im Königreiche Polen hatte auch hier 'gründlich Schule gemacht. Nun leistete sick^as Blatt, ^dessen Tendenz vollständig den Anschauungen des überwiegenden Teiles der polnischen Gesellschaft'entspricht, in einer der letzten Augustnummern eine Veröffentlichung, die wir zwecks DokuMentierung unserer vorstehenden' Ausführungen in möglichst getreuer Uebersetzung aus dem polnischen Originale zur Kenntnis unseres Leserkreises bringen wollen. Zum besseren Verständnis sei vorausgeschickt, daß die Medizinische Fakultät der Universität in Lemberg vor- Beginn des laufenden Jahres mit 'Rücksicht auf die Ueberfüllung der Lehrsäle und den Mangel an ^Lehrkräften die Zahl der Hörer des ersten Jahrganges auf 120' beschränkte. Diese Verfügung wurde^nun von einer der hiesigen Tageszeitungen einer sachlichen Kritik unterzogen. ' i s I I!! : f Daraufhin veröffentlichte der „Kurier lwowski" nachistehenden Brief MS den ihm nahestehenden Kreisen: „Wie un den letzten Jahren vor denk Kriege die Mittelschulen ein geistiges Proletariat heraikzüchteten, so ' droht jetzt die Entstehung, eines akademischen Proletariats, dessen Hauptzisfer ein fremdes, mchtpolnisches, unserer Nation feindliches Element bildet, der beste'Beweis hiervon ist der immer häufiger in den Lehrsalen und Korridoren vernehmbare Jargon. Wochenschrift An den Schaltern der Universitätsquäshur drängen sich Scharen von jungen Leuten, von denen viele nur sehr schwach für den Universitätsberuf vorbereitet sind, und von denen ein großer Prozentsatz die polnische Sprache nicht beherrscht, gerade diejenigen, die infolge des „Numerus ciauses” an den westösterreichischen Universitäten keine Aufnahme fanden. Es kehren also allmählich jene Herren und Damen von Wien zurück, denn in Lemberg wird jeder ausgenommen, und man muß ja sogar nicht die polnische Sprache beherrschen, denn die hiesigen Professoren besitzen soviel Courtoisie, daß sie die betreffenden, wenn nötig, auch in deutscher Sprache prüfen. Polnische Hörer werden an den Universitäten in Wien, Graz, Innsbruck nicht aufgenommen. Warum soll also unsere Hochschule ein Asyl für die dort unerwünsch- . ten Elemente bilden? Dem Mangel an Aerzten wird nicht abgeholfen, wenn jeder Abiturient die Möglichkeit hat, das Doktorat zu erwerben. . Denn nicht die Erwerbung des bloßen Titels kann da Wandel schaffen, sondern. Menschen, die sich in Wirk-, lichkeit mit Liebe ihrem Berufe widmen, Menschen von moralischem Werte als Fachleute und Burger. Es handelt sich nicht so um die 'Zahl'als um die Qualität der Aerzte. Deshalb erachte ich im Hinblick auf die Hebung des allgemeinen Niveaus der akademischen Jugend, vor allem zwecks Sicherung des polnisch e n Ah a r a k t e r s u n s e r e r a, 1 m a mate r, die Einschränkung der Freguenzziffer an der medizinischen Fakultät als sehr richtig, und glaube, die Anschaltungen des überwiegenden Teiles unserer Universitätsjugend zum Ausdrucke zu bringen, wenn ich den heißen Wünsch ausspreche, unsere Universitätsbehörde möge den ,.N n m e r n s e i'a. n s n.8" a u ch auf die übrigen Fakultäten ausdehnen. Gezeichnet: Studiosus." Braucht diesem wahrhaft kulturhistorischen Dokumentnoch irgend welcher Kommentar beigefügt.werden? Ich glaube, es tut nicht pot. Auf eines nur mag hingewiesen werden. Die Wiener Universität hat, geleitet von engherzigen, inhumanen Tendenzen, ihre Morten für Hörer aus Galizien verschlossen, jedoch mit der Verschleierung, daß sonst die aus Niedsrösterreich gebürtigen Studenten keinen Platz fänden. Der ehrenwerte Studiosus aus Lemberg möchte aber viel weiter gehen, als die Wiener Antisemiten, er will gleich alle galizischen Abiturienten, ja selbst jene, die ihr Reifezeugnis an einer Lemberger Mittelschule erlangt haben, von dem Besuche der hiesigen Universität ausschließen oder im besten Falle nach allrussischem Muster einen winzigen Prozentsatz jüdischer Hörer zugelassen willen. So gedacht und geschrieben im Jahre des Heils 1918. Mag es etwa ein Losungswort sein, unter dem die polnische Generation von beute an die Wiederanfrichtung ihrer staatlichen Selbständigkeit schreitet? Es Mißte einem jeden von uns vor einer ähnlichen Perspektive für die Zukunft grauen. Der im „Kurier lwowski" veröffentlichte Brief hat bis heute im Lands weder von christlicher noch von jüdischer Seite die gebührende Antwort gefunden. Wie nur die öffentliche Meinung außenstehender Kreise über ähnliche Vorkommnisse urteilen mag? _ B . .. i : Das polnische Staatsdepartement über Judenfrage. Polnische Blätter berichten: Das Berliner „Komitee für den Osten" wandte sich kürzlich anläßlich der in Warschau und Lodz verbreiteten Aufrufe der geheimen sogenannten „Befreiungsarmee", die zu Aus-

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