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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-10-04 · 39 (4.10.1918) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
39 (4.10.1918)
Date
1918-10-04
Page
– (sequence 6)
Language
German
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©eite 63<> Dr Blüch'B Wochenschrift Nr. :;9 Ein Dankopfer dem LeopoldstadLer Tempel. ~ Ewig wahr bleibt die /Bezeichnung des jüdischen Volkes als nV")“ DJ? Jedes neue Ereignis vermehrt die Beweise dafür, als ob es noch mehr der Be- - weise bedürfte. Kaum sind zehn Juden beisammen, als auch gleich ein nkinjan, ein geistiges' Zentrum, entsteht, und wenn es gelingt, eine Dhorarolle herbeizuschaffen, ist ein improvisierter Tempel, ein makom kodesch, da. Diese Tatsache Haben alle Geschichtsschreiber, besonders Ersetz, hervorgehoben. Wir haben es im Jahre 1914 wahrend und nach der Flucht aus Galizien und der Bukowina miterlebt. Die erste Tat der schwergeprüften Flüchtlinge, sobald sie kaum einend Ruhepunkt fanden, war die Gründung eines makom kadosch, falls sie keinen fanden. Cs steckt nicht gerade Ironie darin, wenn Man die gesetzestreuen Juden die Avantgarde Gottes nennt. Man mag über die Religion denken, wie man will, aber es gibt keinen Menschen, 8er so. bar jedes Gefühls wäre, daß er beim Anblick von Strucks Bilder „Wandernde Juden" — wo . ein tiefgebeugter Jude, die Thorarolle an seiner Brust gepretzt, hoffnungsselig in die Fremde zieht — ungerührt bliebe, um so mehr heim Anblick der Wirklichkeit. . Einen starken Anziehungspunkt für die Flüchtlinge aus Galizien und der Bukowina in Wien war . der abgebrannte Leopoldstädter Tempel. Dieser war an den Freitag-Abenden; an Samstagen und Feiertagen. oder bei sonstigen Anlässen von.Flüchtlingen angefüllt. Es gab, glaube ich, keinen Flüchtling in Wien, der nicht im Leopoldstädter Tempel.Erbauung suchte. v .Seit der Zerstörung des Tempels —-. ich meine freilich des erwähnten Leopoldstädter Tempels — befanden sich die Flüchtlinge in einer»Art - geistiger Diaspora, sie waren und sind — mittelpunktlos. Der erwähnte Tempel war uns eine geistige Heimat, ein. seelischer Hafen, wo wir uns der schonen Predigten, geistreichen Vorträge und erbaulichen Gesänge freuten. -. Wir sind dem „Tempel" Dank schuldig. Wie schön wäre es nun, wenn wir auf der Brandstätte des eingeäscherten Tempels ein rnifl opfern möchten, ich meine, wenn diejenigen Flüchtlinge, welche glück- ' sich in ihre Heimat zurückgekehrt sind und sich materiell erholt haben, aus Dankbarkeit für die empfangene genußreiche Gastfreundschaft, und diejenigen, welche, sich hier ansiedeln,—aus eben demselben - Grunde und obendrein im Vorgefühl des wiederkehrenden Genusses, zum Wieder-, aufbau des Tempels beisteuern möchten. Ja, es wäre ein Gebot des Gewissens und ein VVN t£>lTp- _ N. Lothringer. 3« den Vorgängen in Palästina. Auf die an uns gerichteten Anfragen Aber die fernere Tätigkeit unserer „Hilfskommission" geben wir bekannt, daß wir uns weiter wie-bisher nachj Maßgabe unserer Mittel der hier weilenden.Palästinenser ännehmen werden, deren Zahl durch! Zuzug aus Nordpalästina fortgesetzt steigt. Ferner widMen wir uns, .unserer Aufgabe gemäß, auch fernerhin unseren Schützlingen in Palästina und den Nachbarländern,. soweit sie uns erreichbar sind. Der „Kriegsspitalshilfefür Palästina" bleibt ein weites Arbeitsfeld sowohl mach jetzt, während des Krieges, als ganz besonders für die Zeit des er-. warteten Friedens.. Das „Oesterreichische Landeskomitee für Palästina" betreibt seine Sammlungen ffür das. Kriegswaisenbaus im Lande der Väter'mit dem gleichen Eifer wie bisher. ,'Hilfskommission 1915 für Palästina." ZuM 50. Jahrestage des Bestehens des Deutsch-Israelitischen Gemeindebund^. Der Deutsch-Israelitische Gemeindebund verdankt einem nach Deutschland eingewanderten böhmischen Juden seine Entstehung. Moritz Kohner wurde am 4. April 1818 zu Neuern in Böhmen geboren. Er kam jm jugendlichen Alter nach Leipzig, wo er ein großes Kommissionsgeschäft errichtete. Ko hn er .zeichnete sich bald durch seine tatkräftige Teilnahme an allen öffentlichen Angelegenheiten aus. 1866 trat er in das StaotverordnetenkollegiuM M: 1874 wurde er als erster Jude in den Rat der Stadt Leipzig gewählt. Auch am politischen Leben nahm Kohner als Wtglied, der in den siebziger Jahren in Sachsen begründeten Nativ.-;, nalen Reichspartei teil, die ihn bald in ihren Ausschuß wählte. Kohner hat an seinem Teil eifrig und mit Erfolg an der Beseitigung des judenfeindlichen Geistes mitgearbeitet, der damals in Leipzig herrschte. Sein besonderer Eifer galt wdoch allen jüdischen Angelegenheiten. Als Vorsteher der "Leipziger jüdischen Gemeinde erkannte er bald, wie unzulängliche die Ergebnisse der nur auf einen engsten Kreis gerichteten Tätigkeit werden müssen und wie viele wichtige und notwendige Aufgaben die deutsche Jüdenheit nur mit vereinten Kräften leisten 'kann. So entstand iM Geiste und im Herzen Kohners der Gedanke an eine Zusammenfassung der deutschen Juden, wie sie später durch die Begründung des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes verwirklicht wurde. Von der Begründung bis zu deM am 21. März 1877 - erfolgten Hinscheiden Kohners bekleidetedieser das Amt des Vorsitzenden des Gemeindebundes. Die Vertretung des Judentums im preuß. Herrenhaus. Der.'Verband 8er deutschen Juden hatte in einer Eingabe vom 27. Januar dem Äbgeordnetenhause den Antrag unterbreitet, daß in demGesetzüber die Zusammensetzung des Herrenhauses eine Vertretung des Judentums durch Vorschlagsrecht, festgelegt werde: die Regierung hätte, lediglich eine . Berufung auf Grund königlichen Vertrauens versprochen, während die evangelische und katholische Kirche ihre Vertreter auf Grund von Präsentation m die Erste preußische Kammer entsenden sollen. Da das Abgeordnetenhaus dem Anträge nicht stattgegeben hat, haben der Z entralv er ein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens und - der Deutsch-Israelitische Gern e in deb und Eingaben an das Herrenhaus, das Abgeordnetenhaus Und das Preußische Staatsministerium gerichtet, die die Petition des Verbandes der deutschen Juden unterstützen sollen. In der Eingabe des Zentralvereines heißt es, daß der Verein einer Gewissenspflicht folge, wenn er in letzter Stunde seine "Stimme erhebe, uM den Antrag des Verbandes der deutschen Juden zu unterstützen. „Unter unseren Glaubensgenossen herrscht eine berechtigte Erregung über die Behandlung der jüdischen Glaubensgemeinschaft in den Beratungen-und Entschließungen des Abgeordnetenhauses. Mit Recht, gewährt die Gesetzesvorlage den Mächten des religiösen Lebens ein Vorschlagsrecht für das ^Herrenhaus. Hierbei darf die jüdische GlaubensgeMeinschaft, die Mutter aller Kuliurreligionen, nicht unbeachtet bleiben. Es ist nicht ausreichend und entspricht nicht der Bedeutung der jüdischen Glaub ensgemeinschäftj wenn die königliche- Staatsregierung die Berufung von Juden kraft königlichen Vertrauens in das Herrenhaus in Aussicht gestellt'hat. Die jüdische Glaubensgemeinschaft. muß in dem Gesetz als vollberechtigte Macht des religiösen Lebens anerkannt werden." Unabhängig davon, daß zurzeit kein einheit-

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