Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 38 (27.9.1918)
- Date
- 1918-09-27
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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SeM 618 , §r. Dloch'S HilfskomMissiou ein hiesiger Mittelschulprofessor und ein Religionslehrer der israel. Kultusgemeinde, die wir auch an dieser Stelle unserer wärmsten Dankbarkeit versichern. Vor allrm aber fühlen wir uns den erwähnten beiden hohen Ministerien, insbesondere den Herren Vizekonsul von Marguet und Oberstleutnant Karner sowie den verehrlrchen Leitungen unserer k. u. k. Botschaft und unseres k. u. k. Artilleriekommandos in Konstantinopel . ZU einem Dank verpflichtet, den wir im Namen der gesamten Iudenschaft der Monarchie, der okkupierten Gebiete und zum Teil der Ukraine sowie im eigenen aussprechen. Ohne ihr tatkräftiges Eingreifen wäre die Beschaffung der Ethraugim'in diesem Jahre, die uns selbst wie ein Wunder erschien, unausführbar gewesen. Gleichzeitig aber sei hier nochmals des dankenswerten Wohlwollens gedacht,' mit dem ein hohes k. k. Finanzministerium, insbesondere dir Abteilung des Herrn Settionsrates Dr. Suttner, in allen 'Phasen unseres Unternehmens dieses begleitet hat. Weiters Mitteilungen behaltem wir uns vor.- Die HrlfstommWon 1915 für Palästina. Keimstütte für MM Kinder sKriegswaisenheim). Wir erhalten folgende Zuschrift: Wien, 15. Bez., Herklotzg. 21, 23. Sept. 1918.. Löbliche Redaktion! Das gefertigte .Kuratorium der Heimstätte für. jüdische Kinder ersucht höflichst um! gefl. Aufnahme folgender Zeilen: Die diesjährigen Ferien führten die Kinder der Heimstätte, deren Stand 50 Zöglinge betragt, und des angegliederten Kriegswaisenheimes. Wien, 15. Bezirk, Herklotzgasfe 21, unter Leitung des Herrn Direktors Kamillo B a u m g a r t e n und dessen Frau nach Ungarn, und zwar war die freundliche Stadt Nagyszomb.at das Ziel der Reise. Der Es^pfang aus dem dortigen Bahnhöfe gestaltete sich mngemein herzlich. Die Spitzen der Behörden, die Geistlichkeit aller Konfessionen. Vertreter der Lehrerschaft und emgroßer Teil der Einwohner hatten sich eingefunden und die überaus herzliche Begrüßung ließ einen angenehmen Aufenthalt erhoffen. Die Heimstätte-Zöglinge wurden in der dortigen jüdischen Schule untergebracht, in schonen, großen und, luftigen Schulräumen, wo sie sich sehr bald , heimisch fühlten. Die Zeit verging rasch, die Kinder lernten auf weiten Spaziergängen die schöne Umgebung Tyrnaus kennen, suchten an heißen Tagen, das Schwimmbad auf und tum-' mekten sich fröhlich auf sonnigen Wiesen umher. Am Sabbat nahmen die Kinder am Gottesdienste in der herrlichen Synagoge teil, wo sie auch' an Kaisers Geburtstag die ungarische Hymne mit deutschem Terte sangen. Nach vierwöchigem Aufenthalte kehrten die Kinder gut. erholt und gestärkt nach Wien zurück, und hier werden sie noch lange der so angenehm 'perbrachten 'Ferienzeit und der Ihnen entgegengebrachten echt ungarischen Gastfreundschaft gedenken. Besonderer Dank gebührt an dieser Stelle dem Vertrauensmann der Kaiser Karl- WohlfahrtSaktion, dem Komiteemitglied Herrn Direktor Ignaz Gero, der in mustergültiger Weise seinem Ambe Vorstand und seine freie Zeit den Kindern und ihrer Versorgung widmete. In edler, selbstloser Art stellten auch die Uerzte, Herr Dr. Frommer und Herr Oberarzt Dr. Szekely, ihr Können und ihre Fürsorge den Kindern zur Verfügung. Unter, den zahlreichen jüdischen Familien, die stets bemüht waren, die Ernährung der Kinder zu einer reichlicheren zu gestalten, wofür hier der wärmste Dank ausgesprochen sei, verdient Wochenschrift Nr. 38 hauptsächlich das verdienstvolle Wirken des Herrn M. Ehrenthal und seiner Familie einer besonderen Erwähnung. Er sammelte fleißig Spenden für die Heimstätte und wußte auch die weitere Umgebung Tyrnaus für die Kinder zu interessieren, so daß, durch seine Tätigkeit Ausflüge in die benachbarten Gütshöfe ermöglicht wurden, wo der Kinder eine freundliche Aufnahme und Bewirtung harrte. . Die'Kinder'waren-mit einem Worte sehr, gut verpflegt, der erzielte Erfolg dürfte auch der schönste Lohn aller Bemühungen und Aufgaben sein, die sich das Tyrnauer Komitee unter dem- Präsidium des Herrn Karl von Pottornyay und unter der tatkräftigen Mithilfe der metjicn jüdischen Familien gestellt hatte. Mit der Versicherung, daß der Tyrnauer Aufenthalt, die liebenswürdige Aufnahme und überaus herzliche und gastfreundliche Bewirtung den Kindern in steter dankbarer Erinnerung bleiben pierde. fühlt sich das Kuratorium der Heimstätte 'und des angegliederten Kriegswaiseilhermes - veranlaßt, allen Gastgebern im Namen der bewirteten Kinder den herzlichsten Dank auszusprechen. .Für das Kuratorium : Der Obmann: Medizinalrat Dr. Samuely. Flugschriften der Deutschen Fortschrittsparteim Böhmen. Aus Prag wird uns geschrieben: Die vom Generalsekretariat der-Deutschen Fortschrittspartei in Böhmen herausgegsbrne Flugschrift „Gedanken zum deutschböhmischen Staat" von Dr. L. E. ist sowohl bei der Presse, als auch im Publikum äußerst beifällig ausgenommen worden und bereits nahezu vergriffen. Als zweite Ausgabe ist die Drucklegung einer größeren und bedeutenden Schrift eines hervorragenden Politikers über „Antisemit i s m u s" geplant. . Der Verfasser, Dr. Sch., unterzieht in diesem' Werk, das zweifellos größte Aufmerksamkeit Hervorrufen wird, die unbegründeten und von gewissen Parteien geschürten Angriffe auf das Gesamtjudentum einer eingehenden Analyse. - Schon wieder eine Razzia im Tempel. Aus Budapest wird uns geschrieben: Aus Marmaros-Szig'et wird gemeldet : Hier haben sick> am Montag aufsehenerregende Vorfälle.abgespielt. Während des anläßlich des Feiertages äbgehaltenen Gottesdienstes wurden sämtliche hiesigen Synagogen und Vethäuser von Kordons umstellt. Es wurde eine Razzia veranstaltet, und mehrere. Personen, die .an dem Feiertag Ihre Legitimätionspapiere nicht bei sich hätten, wurden verhaftet. Der Präsident der Kultusgemeinde begab sich zum Regierungsfunktionär. Bei seiner Rückkehr wurde ihm jedoch der Eintritt in die Synagoge verweigert. Der Oberrabbiner der Gemeinde unterbrach den Gottesdienst und ersuchte, den Kordon zurückzuziehen, da er die Verantwortung für alle in der Synagoge Befindlichen übernehme. Der kommandierende Leutnant wits dieses Ansuchen jedoch zurück. Der Rabbiner wollte sich hierauf zum Vizegesyan begeben. Während dieser Zeit um>- ringte die Militärpolizei, aber die Deputation und stellte sich ihr mit aufgepflanztem Bajonett in den Weg. Der Militärkommandant von Marmaros-SzigetF ML. Baron Schilling erfuhr inzwischen von den Vorfällen, Heß den Polizeikordon sofort Zurückziehen und gabspäter dem Gemeindepräsidium -gegenüber sein B e d a u e r n über die Vorfälle Ausdruck- Er erklärte, daß die Razzia ohne sein Wissen veranstaltet worden sei. Es wurde von seiner Seite die strengste Untersuchung eingeleitet. Die in ihren religiösen Gefühlen getränkte jüdische Gemeinde richtete Beschwerden an die Regierung