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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-09-27 · 38 (27.9.1918) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
38 (27.9.1918)
Date
1918-09-27
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 38 Dr. BloMs Wschenichrrtt Gelte 617 Die Aufgaben der jüdischen Jugend. Ein Gespräch mit Dr. Alfred Stern, Präsidenten der Wiener israelitischen Ä'ultusgemeinde. Herr Dr. Alfred Stern hatte die Freundlichkeit, dem Schriftleiter der „Blätter aus der jüdischen Jugendbewegung", Robert E. Weiß, folgende Mitteilungen zu machen: „Was soll die jüdische Jugend tun,- um wahrhaft jüdisch zu werden?" Am Misch zu werden,' soll sich die Jugendin den" Geist des Judentums versenken, sie soll die 'Bibel in der Ursprache lesen und in ihrem Geiste leben, sie soll die Feste unserer Religion feiern und die jüdischen Sitten und Gebräuche pflegen. Das, was die Juden als kostbarstes Gut in die Welt mitgenommen haben, das ist unsere Religion. Sie sei uns alles, denn in ihr ist unsere Rationalität, unser Volkstum inbegriffen. Ich verstehe unter Religion nicht die strenge Orthodoxie, denn wir leben nicht mehr in der Zeit des Ghettos, aber mit der jüdischen Ethik, mit jüdischen mand, so wie ich, am Peter noch das .xJudenamt" sah, weiters eine Austreibung der Juden miterlebte, dann betrachtet man die gegenwärtige bürgerliche und politische Stellung der Juden in Oesterreich mit ganz anderen Augen. Wir haben zwar wenig, aber doch etwas erreicht, und dies müssen wir unter allen Umständen aufrechterhalten. „Wie denken Sie, Herr Präsident,- über die Judenhetze in der Schule von seiten der antisemitischen Professoren und Mitschüler?" Wenn mir ein solcher Fall berichtet wird, suche. ich immer bei den zuständigen Behörden ein Einschreiten zu veranlassen. Solche Verstoße dürfen auf keinen Fall geduldet werden. „Was halten Sie, Herr Präsident,- vom' Gedanken einer jüdischen Mittelschule?" Ob sich vielleicht einmal die Notwendigkeit 'der Errichtung eines jüdischen Gymnasiums in Wien ergeben werde, wollen wir der Zukunft überlassen. Wir benötigen jedoch hiezu die nötige Anzahl von Schülern und vor allem die richtige Auswahl von Professoren aller Fächer. Vorläufig ist das Wichtigste die Heranbildung tüchtiger Religionslehrer. Ich gedenke der Frage der Ver^ Süten und Gebrauchen, mit der hebräischen^.hesserung des Religionsunterrichtes, insbesondere der Sprache soll die Mische äugend voll und ganz ver-^DMsschule, zunächst der Ausgestaltung der Talmud- Lraut sem. . ' - Thoraschulen meine besondere Aufmerksamkeit zu schenken Die Religiosität verbleibt ledo-ch mcht :M Innenleben und hoffe, jederzeit fähige Lehrkräfte für sie zu finden. Wenn die Mische Jugend die Unterstützung der Kultusgemeinde benötigt, wird sie sie immer finden- Was in meiner Macht liegt, will ich gerne für sie tun. Grüßen Sie mirchie jüdische Jugend. Zur Ethraugimfrage. Nachdem, wie jüngst hier berichtet, die italienische Regierung die Ausfuhr der aus dem Orient bezogenen Ethraugim streng untersagt batch;, so daß selbst nach der Schweiz kein einziger gelangen konnte, wurde uns durch ein ungarisches Konsortium mitgeteilt, es bestehe eine Aussicht, eine beschränkte Anzahl Ethraugim aus Nordpalastina nach Konstäntinopel zu bringen. Einen Voten hinzusenden, war die Zeit zu knapp. Nur für den Fall, daß das hohe k. u. k. Ministerium des Aeußern und das hohe k. u. k. Kriegsministerium durch ihre Kuriere mit dem am 14. September von Konstantinopel abgehenden Balkanzug diese Ware mitbringen ließen, war deren rechtzeitiges Eintreffen in Budapest und Wien zu »ermöglichen. Wir wandten uns sofort mit einer dahin- „Welche Stellung soll die jüdische. Jugend dem Pa-Wzielenden Bitte an die genannten hohen Behörden, und last mag edanken gegenüber einnehmen?"?*.r dank dem Entgegenkommen dieser beiden Ministerien lang- Es ist sehr zu wünschen, daß sich die jüten die Ethraugim noch in letzter Stunde in Wien an. des Menschen, sie dringt nach außen, sie will bezeugt werden. Und dazu sollen der Jugend unsere Gottesdienste, unsere Mischen Feste und Gebräuche dienen. Sehen Sie, es ergriff mich eine unbeschreibliche Bewegung, als ich einmal am Schlüsse des Gottesdienstes einen, ganz alten Mann mit einem Kinde vortreten und das Käddischgebet verrichten sah. Der Greis betete nach f jefrtem Sohne und das Kind nach seinem Vater. Beide empfanden dasselbe Mische Gefühl. Glauben Sie mir, _ im jüdischen Leben finden Sie den besten Trost gegen -"antisemitische Angriffe. ' ' „Wie denken.Sie, 'Herr Präsident? über die Mischen Jugendvereine?" Jede Vereinigung von jungen Juden ist zu fördern, solange sie nicht religionsfeindliche oder gar bis an die äußerste Grenze gehende assimilatorische Tendenzen hat. Das Leben in der Vereinigung läßt jenen Kitt ent- .stehen, der zum Zusammenhalten gegen Angriffe von außen unbedingt notwendig ist. Geistige Gemeinsamkeiten entstehen, und int Gespräch fliegt ein Geistesfunke auf, der in den Gemütern zündend und folgenreich wirkt.. di sch e Jugend mit dem Ged anken der Gründung eines .jüdischem Kulturzentrums in Palästina beschäftigt. Vor Jahren war ich ein Gegner des Zionismus, denn.damals hielt ich den Zionismus für eine Utopie, welcher man das durch mühsame Kämpfe Errungene nicht opfern dürfe. Heute jedoch steht die Sache anders, heute ist die Aussicht auf die Besiedlung Palästinas in die Nähe gerückt, und es ist nicht . unwahrscheinlich, daß dort ein jüdisches Kulturzentrum geschaffen, Werden wird. Wir müssen trachten, am Aufbau dieses Zentrums Mischer Mtiir mitzuwirken, uttb daher ist es sehr zu begrüßen, wenn sich die jüdische Jugend mit dem Pälästinaged anken befaßt. - . Ich war nie ein Gegner des zionistischen Gedankens. Was mich aber besonders in der ersten Epoche gegen . seine Verbreiter aufzutreten veranlaßte, war jener Umstand. daß sie alles Bestehende für . völlig wertlos erachteten. Wenn jemand, so wie ich, in den traurigsten Zeiten jüdischer Not auferzogen worden ist, wenn je¬ Das erwähnte Konsortium hatte die Ethraugim in Budapest in Empfang genommen und uns dis Bedingung gestellt, daß ihre für die in Italien zuruckgehaltenen Etbraugim aufgewandten erheblichen Unkosten, wie.in Budapest,, so auch in Wien auf das nuskmehr zur Verfügung stehende Quantum verteilt werden müßten. Um nicht die Zufuhr der Ethraugim, die übrigens von den ersten .talmudischen Autoritäten der Monarchie für koscher erklärt worden sind, zu verzögern, da sie wätestens am 17. d. hier an die bis aus den okkupierten Gebieten hergereisten Sendboten der Kultusaemeinden abgegeben werden mußten, waren wir genötigt, diese Bedingung anzunebmen. Es wurden auf Grund der bestimmten Zusage, daß uns das Konsortium ibre Fakturen vorlegen werde, kür die bei uns angsmeldeten Gemeinden als Höchstpreis festgesetzt: 550 K. für eine Garnitur mit frischem. 350 K. für eine mit altem Lulow. Die Kontrolle beim Verkauf, der in gemieteten Räumen. Große Schiffgasse 3, stattfand, übten in unserem Namen außer einem Beamten der

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