Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 38 (27.9.1918)
- Date
- 1918-09-27
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 38 und an beit Obergespan. Die. Vorfälle haben in Regierüngskreisen schärfste Verurteilung gefunden, zumal sich vor kurzer Zeit auch in Sz. A.Ejhely ein ähnlicher Vorfall abgespielt hat. bei dem alle verantwortlichen Faktoren die. Verantwortung ablehnten, und niemand wissen wollte, wer-diese Razzia veranstaltet hatte. Zu dem Skandal in M a r m a r o s - S z i g.e t hat die israelitische Landeskanzlei ein (Eomm'umque herausgegeben. in dem sich: ü. a. folgende bemerkenswerte Sätze befinden: Diese tiefbetrub'endeErscheinung, die die Gefühle der patriotischen Israeliten aUfs tiefste verletzte^ zwingt sie schon , jetzt zum wirksamen Schutze ihres Selbstgefühles Und ihrer Rechte. Die israelitischen leitenden Kreise sind bestrebt, beschwichtigend auf die in ihren Gefühlen Und Rechten so tief verletzten Glaubensbrüder einzuwirren, können sich aber auch dem nichtverschliefen, den israelitischen Bürgern Gelegenheit zu bieten, offen und entschieden gegen die Unwahrheit Und Ungerechtigkeit zu protestieren Und sich in geeigneter Weise zuM Schutze ihrer bürgerlichen Und individuellen Angelegenheiten sowie ihrer GlaUbensangelegenheiten zu organisieren. Die israelitische Bürgerschaft wird diese Angelegenheit ohne Rücksicht auf Parteiunterschiede schon im. Monat Oktober _ in . einer LandeSoersammlung in entsprechender Oeffentlichkeit behandeln. Offiziös wird hiezu noch gemeldet: Die skandalösen Störungen israelitischer Andachten, wie sie in Satoraljaujhely und zuletzt in Maramarostzigei vorgefalken sind, haben die Regierung bestimmt, zur Abwehr solcher »Vorkommnisse Verfügungen zu treffen. sind ermächtigt, mitzuteilen, 'daß die Regierung in der Angelegenheit der Maramarostzigeter Vorgänge die" strengste Untersuchung eingeleitet hat. Mit der Führung dieser Untersuchung wurden ein Ministerialrat und ein Oberinspektor der Grenzpolizei betraut, die an Ort und Stelle die Erhebungen pflegeil. Betreffend die Vorgänge in Satoraljaushely ist bereits das Ahndungsverfahren im Zuge. Wie wir erfahren, wird in den nächsten Tagen voraussichtlich eine ' Zirkularverfügung der Regierung an die Behörden v rächen, dir .die Wiederholung , von Vorfällen, wie sie sich in Satoraljaujheln und: Marämarosßiget. ergeben haben, vorbeugend verhindern soll. . Eine Requisition in Oswiecim. Wie aus Oswiecim berichtet wirb, erschien dort am 4. d. M. plötzlich eine aus mehreren „Detektivs" bestehende Kommission, die angeblich den Auftrag hatte, in den Häusern der Juden eine Durchsuchung und Requisition von Waren vörzünehmen. Von der antisemitischen Vezirkshauvtmännschaft unterstützt, drang die Kommission in die jüdischen Häuser ein, erbrach Schränke und raubte Waren aller Art, insbesondere dem Privatgebrauche dienende Wäsche und Kleidungsstücke, selbst ein „Strejmel" fiel dieser seltsamen Requisition zum Opfer. Eine Bestätigung über die Wegnahme der Gegenstände wurde verweigert. Die Waren wurden bei den Salesianern deponiert. Erst das Eingreifen der jüdischen, als Selbstwehr organisierten Jugend machte dem Treiben ein Ende. . . _ Nach Wiener Muster. Aus Budapest wird uns geschrieben: Die vom Wiener Kultusvorstande vor zwölf Jahren ins Leben gerufenen und' zum. größten Teil von Rabbiner Dr. Mar Grunwald bestrittenen historischen und apologetischen Vorträge haben sich, wie es auch außerhalb Wiens schon seit 'langem bekannt ist, derart bewährt, daß auch andere gröbere Judengemeinden das Wiener Beispiel befolgen. Nun hat sich auch die Budapester Judenschaft unter dem Drucke des überhandnehmenden Antisemitismus entschlossen, im Winter 1918/19 einen Zyklus von belehrenden Vorträgen aus jüdischer.Geschichte in alter und' neuer Zeit zu veranstalten. Diese Vorträge werden unter der Aegide.des Ungarisch-israelitischen Literaturvereines im äkten Parlamentsgebäude abgehalten. Sekte 619 Als Vortragende sind jüdische Gelehrte, Schriftsteller und Politiker in Aussicht genommen. Die Vorträge sollen dann auch als Flugschriften gedruckt erscheinen. Auch die Szegediner Gemeinde hat bereits die Abhaltung solcher Vorträge iM kommenden Winter beschlossen.. Ein Zeichen der Zeit. Zu den von feindlichen Fliegern schon mehrfach heim gesuchten Städten gehört auch Frankfurt a. M., und es ist ein Zeichen der schrecklichen Zeit, in der wir leben, daß der Vorstand , der Israelitischen Gemeinde dieser Stadt öffentlich die einschränkenden Bedingungen bekanntgah, unter denen mitRücksichtaufdieFliegergefahr diesmal der Gottesdienst am Neujahrsfest und am Versöhnungstug stattfinden mutzte. Einzigartig in der Geschichte der Juden dürfte es fein, daß eine Gemeindeverwaltung in Wahrung weltlich-gesetzlicher Rechte erklären muß. daß trotz getroffener Vorsichtsmaßregeln eins Gewähr für die Sicherheit der Synagogenbesucher nicht gegeben werden kann, und daß der Besuch der Synagogen, der übrigens Kindern unter elf Jahren überhaupt untersagt ist, auf eigene Gefahr und Verantwortung der Besucher erfolge. Erklärlich wird' der. Schritt des Gemeindevorstandes durch den Umstand, daß die Kellerräume keiner der Frankfurter Synagogen sich als Fliegerdeckung eignen. Hoffen wir, daß die Stadt fernerhin nicht mehr dem Feinde als Angriffsziel diene. Einige; Sb-rr Bessarabien. (Auszug aus einem Briefe vom Zentralkomitee des „Verbandes der einheimischen Juden".) Die rumänische Regierung hat vor einigen Tagen beschlossen, die Gymnasien und Lyzeen in Beüarabien zu. romanisieren, was für dis dortige jüdische Bevölkerung ein großer Schlag bedeutet, da etwa 30 solcher Schulen von den Juden, .gegründet wurden, und Mit deren Mitteln unterstützt werden. - - Herr I. Gradisteanu. ein bekannter rumänischer Politiker, bat einen Artikel in „Evrnimentul" (eine Iassyer Zeitung) vom 31. Juni a. St. unter dem Titek r..Die Autonomie Bessarabiens" erscheinen lassen, worin er betont, .daß diesseits und jenseits des Pruths ein Wind bläst, den er aber' als künstlich und den großen Interessen des Landes nicht angevatzt betrachtet, und wodurch die Autonomie Bessarabiens verlangt wird. Tr bringt dort Beweise, daß sowohl historisch, als auch ethnographisch ein solcher „Pärtikularismus" Bessarabiens nicht gerechtfertigt ist. Besonders da ebestens die Folgen des russischen Einflusses vertilgt werden müß- ' Len. Er hebt hervor, daß auf 2 Millionen Rumänen etwa 800.000 Juden, Ukrainer, Bulgaren. 'Russen und Deutsche entfallen, welche eine um so wichtigere Minorität därstellen, als die Juden ganz speziell die Majorität der Mittelklasse und der Städtebevölkerung repräsentieren. Der Kampf gegen eine solche Minorität, bestehend größ* tenteils aus Elementen, welche dem Rumänsntum feindlich gegenüberstehen, wird um so schwieriger sein und um so länger dauern, als die Rumänen in Beffarabien in pnneto Rationalismus noch sehr rückständig sind. Ganz anders wird-es sein mit einem einheitlichen Rumänien, in welchem die 800.000 Fremden ganz disparat in der Mitte der Rumänenmasss sein würden. „Romania-Noua" (?,Das neue Rumänien") ist ein nationalistisches - Vrovagandaorgan, welches in Kischinew erscheint und jeden Tag Lobesworte für Cuza.*) für dessen schönen Patriotismus Lehren und in seinen Feuilletons eine Lite- *) Cuza ist der Chef der.rumänischen antisemitischen Partei. Dr. Blorh'S Wochenschrift