Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 37 (10.9.1918)
- Date
- 1918-09-10
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. .37 Tr. Blocht Wochenschrift SMe 597 migkeit ZU störten und', wo' sie verloren gegangen ist. wieder herzustellen, liegt nicht in unserer Macht, da sich ihr der Zeitgeist widersetzt. In religiöser Hinsicht bleibt uns also die Anhänglichkeit zur Religion selbst zu festigen, zu ihrer hohen Ethik und'zu ihrem! erhabenen Geisten Vor uns erstreckt sich aber noch das andere Feld: dajenige der nationalen Arbeit. Das nationale Gefühl zu stärken, die Liebe zu Zion zu festigen — das ist der Ilern der Sache. Wäre das nationale Gefühl bei 'den Juden da, so wäre auch die Iudentaufe ganz vereinzelt. Da mühten alle Stürme der Welt, alle Höllenkräfte, an unserer inneren Kraft zerschellen. Denn das Gefühl ist stärker als alle äußeren Mächte.' . So liegt also klar vor'uns die Diagnose der Krankheit: der Mangel hauptsächlich aM nationalen Gefühl. Auf welche Weise ist aber dieses Gefühl zu wecken? Durch die jüdische Erziehung, zu Hause von den Eltern, in der Schule von jüdischen Lehrern, im Leben und in der Gesellschaft durch national fühlende Juden. Worin besteht aber diese jüdische Erziehung? In der Pflege der jüdischen kulturellen Werte: der jüdischen Geschichte, der hebräischen Sprache, der nationalen Literatur, der 'Palästin ag eo graphi e usw.; durch das An eifern zur nationalen Würde, durch die Warnung vor der Assimilation. Durch diese und ähnliche Mittel ist das eingeschlafene nationale Gefühl zu wecken. Ist eZ aber einMjl da. so ist erst die Hälfte der Arbeit getan. Es zu erhalten, ist die andere Hälfte der Aufgabe. Auf welcher Weise ist dann das nationale Gefühl zu erhalten und zu pflegen? Auf welcher Weise kann Mit verhüten, daß es nicht wieder verloren gehe, wie' ln der Epoche des Rationalismus? stände abzuweichen. Ich möchte nur bemerken, daß das Ideal einer nennen Heimat auf unserem uralten Boden segensreich zum Erwachen des jüdischen Sekbstbewußtseins beitragen, die Gründung dieser Heimat die natürliche Un>- t er läge der Entwicklung der jüdischen Kultur geben wird. Somit ist der Grundgedanke des -Zionismus geeignet, die Lösung der Taufepidemiefrage gründlich zu unterstützen. Wird also das nationale Gefühl im Zusammenhänge mit der Anhänglichkeit an die religiöse Ethik das jüdische Herz beleben, .so wird auch die Iudentaufe beseitigt. Denn damals könnte der Antisemitismus keinen Juden bewegen, fein Judentum! aufzugeben, weil der Druck der jüdisch fühlenden Juden ihn an feine Brüder noch mehr fesselte. Der Antisemitismus, kann auf unsere Reihen nur dann verheerend wirken, wenn die Juden nicht vom jüdischen Gefühl beseelt sind. Denn damals wählten sie die' Taufe, weil Jude zu sein ' unbequem war. Ist aber das jüdische Gefühl da, so kann die Frage der Bequemlichkeit keine Rolle spielen, weil das Gefühl den Weg zuM Judentum zeigt. Die Juden wurden sich auch ihres Judentums nicht schämen, und damit wäre eine weitere Ursache der Iudentaufe weggefallen. Auch jedwede Propaganda Mühte erfolglos bleiben. Die oeehrteü ..Apostel" der Iudentaufe können nur dann Erfolg haben, wenn sie bei den Juden nicht auf das' nationale Gefühl stoßen. Dens.' an diesem Hindernis wird ihre apostolische Arbeit zerschellen. - So läßt sich die ganze Frage zusammenfassen: Krankheit: Iudentaufe; Heilung: jüdische Erziehung. Tarnow, den 15. September 1818. Erstens durch die Vertiefung dieser Erkennk- <* t . nis iM Volke, daß es nicht verloren gehen S-lbWMuktsem der Notw-n^gk-it der DK galtziM» Mken m Erhaltung des nationalen Gefubls wird den Willen star- ' . ken, es tatsächlich zu erhalten. Das ist aber nicht alles, Aus Stockholm wirs oerichstek: was in dieser Richtung zu tun ist. Soll das erwachte Die Polen aus Galizien werden in England nicht nationale Gefühl dauernd erhalten werden, so muh es als feindliche .Ausländer betrachtet und sind demgemäß sich nicht nur 'auf der eingeyrägten Erkenntnis seiner von der Internierung befreit. Diese Regel gilt nur für Notwendigkeit stützen, sondern es Muh seine natürliche die Galizier „polnischer Raffe" und findet keine An- Quelle, aus der es immer neue Säfte schöpfen könnte. Wendung auf die Juden aus Galizien, zur Unterlage haben. B Der Nachweis der .woknifch-galizischen Geburt" muß Es ist eine allgentein bekannte Tatsache, daß einMdurch ein Zeugnis des „Polnischen Nationalen Komitees" Volk einer niedrigen Kultur, wenn es in der MitteMm London erbracht werden. i_ eines auf höherer Stufe stehenden Volkes wohnt, sichM Als sich ein galizischer Jude an dieses Komitee an dieses assimiliert. Wollen wir in die uns um-Hüm ein.Zeugnis zum Zwecke der.Befreiung von der gebenden Völker nicht aufgehen. so nrüssen Internierung wandte, erhielt er zur Antwort, daß „dieses wir u n s e r e e i g e n e K u l t u r. d i e j ü d i s ch e K u l - Komitee durch das Ministerium des Innern nicht a u - t ür, entwickeln. Wir brauchen nicht anzufangen, sondern - den Faden weiterzuspinnen, den unsere Vorfahren uns Zurückgelassen haben. Kräfte haben wir genug, sie sind aber vergeudet. Der jüdische. Geist ist inaner schaffend. er steht -aber im fremden Dienste. Unsere Besten arbeiten und bereichern die fremden Kulturen-. Diese. Kräfte für uns zu verwenden, unsere eigene Kultur su entwickeln, das ist unsere Aufgabe. Werden die Juden eine eigene mächtige Literatur in hebräischer Sprache, eine eigene, durch den jüdischen Geist belebte Kunst und' 'Wissenschaft haben, so werden sie sich auch damit eine Quelle schaffen, die den jüdischen, Geist und das nationale Gefühl immer beleben werden. Den Einfluß des palästinensischen Ideals auf die Wiederbelebung und Erhaltung deÄ MKonal-m TeWles torisiert ist, jüdische Falle zu behandeln". Ein gleiches Schreiben erhielt der Betreffende auch vom' Ministerium selbst^ Dieses' Schreiben lautet: „Auf Ihren Brief vom 25. v. M. Bezug nehmend, in dem Sie um die Streichung Ihres - Namens von der Liste der feindlichen Ausländer ersuchen, bin ich durch 'den Staatssekretär beauftragt. Ihnen mitzuteilen,. daß er bedauert, daß Sie nicht für ein .Befreiungszeugnis gemäß Artikel 25 ck der Aliens Restriction Order befähigt find, da Sie anscheinend nicht polnischer Raffe sind." ' Der Londoner '„Iewish Chronicle" bemerkt hierzu, daß die Stellung der englischen Regierung.zu den jüdischen Einwohnern aus Galizien auf die.Umtriebe des .Polnischen Nationalen Komitees" zurückzuführen ist. und lasse ich unerörtert bleiben, um nicht zu sehr vom Gegenprotestiert gegen dre Zurücksetzung der galizischen Juden.