Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-09-10 · 37 (10.9.1918) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
37 (10.9.1918)
Date
1918-09-10
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3020846-3022300-3022338--27186-3052588
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

MWe 596 ifr" MM MozhMchrift 37 isi^) MMZLt M« MU MÄt» MdHix Mo MolÄl. M MWS sUMM-ÜLk VjWMoL Osssr LcLuls „faß. ZM MMrtiMM VVL ÄsLWMMsMsLM. bMs- Lodr- GWMMsäK ^ZjtLessLchx« gack My-2L<m^ ichWßMÄM^ MÄ. MAP us^ ÄV össmebsNUH. Ba«-Z;iioa. uad «ä: türliedK. Noral aMpMbst6K Loxsp,'. ' (tfortsetzung folgt) ' A«r „Tasfexidemie". Von Max Gaschke. 3m Anschluß an dje jüngste erschienenen Artikel über dahäufige Melassen des Judentums und über die zu ergreifenden entgegenwirkenden Mittel möchte ich folgendes bemerken: Zu dem alten ^Unglück, von dem. das gegenwärtige Judentum betroffen wird, gesellt sichein anderes noch hinzu: die Taufepidemie. Das Unglück schreitet immer weiter und reißt Liese Wunden in unserem Volkskörper auf. Die Judentaufen werden immer häufiger, das Beispiel macht das Seinige. Wir sind so weit daran, daß Juden mit größter Ruhe, über die Uebertritte zum Christentum .sprechen und es als etwas kaum zu Tadelndes , betrachten, als oh sie nicht bemerkten, daß man mit dem-Verlassen der eigenen Volks- oder Religionsgemeinschaft die größte Gemeinheit begeht. Und wie niederträchtig ist die Gemeinheit, wenn man die Eigenen verläßt, um sich deren Unterdrücker anzuschließen und selbst oder durch eigene Kinder zum Feinde eigener Brüder wird! Wie halten z. 33. die Franzosen einen Ueberläufer ins feindliche Lager beurteilt? Verräter, Schurke Hätten sie ihm zugerufen. Und die Juden? Mi denen ist vielfach der gesunde Instinkt des .Selbsterhaltungstriebes, so weit abgestumpfte daß man für . den Uebertritt zum Christentum kein schlechte Wort findet. Renegatentum ist es! Renegatentum niedrigster Art, das nicht genug verachtet werden kann. Wenn die Juden die Ueberläufer nicht genug nroralisch züchtigen, wie kann dersich taufende Jude die Niedertracht seiner Tat sich versinnbildlichen? Die Taufe ist förmlich zur Mode geworden. Und . da lachen und freuen sich unsere Gegner und wir stehen armselig, hilflos da. Denn je breitere Volkskreise die Taufepidemie verseucht, desto mehr schrumpft die Zahl derjenigen zusammen, die in ihrem edelmütigen Schmerz den Zerfall des Judentums schwer ... empfinden. Groß ist ihr Schmerz, größer ist aber die * Schadenfreude unserer Unterdrücker, da sie unsere Arm* seligkeit sehen. Und .eine seltsame Erscheinung tritt zutage: einem Volke von zwölf Millionen Seelen droht der Zerfall. So kommt zu dem alten Unglück, von dem das Judentum heimgesucht wird, noch dieses hinzu. Es ist von allem das schlimmste. Denn jene haben äußere Umstände zur Ursache, und hören diese auf, zu wirken^ so werden sie auch beseitigt, obwohl die Wunden noch fange |u spüren sind. So wird hoffentlich das immer in Steigung begriffeneElend des Ostjudentums Mit dem - Kriegsende nach und nach abnehmen.'Wird aber nach dem Kriege die Taufepidemie, das schändliche Renegatentum^ aufhören? Der Krieg hat sie ja nicht hervorgerufen, der Friede wird sie also nicht'beseitigen. Denn weit vor dem heutigen Kriege liegen die Anfänge dieser Krankheit, an der unser Volkskörper leidet. Seit dem Aufkommen des Rationalismus, seidem die Mauern des Ghetto zusammengebrochen und die Strahlen der europäischen Kultur m die eng«! Gassen des! Judenviertsls eingÄrungen find, besann schon die Flucht - iM chri-WWe Lager. Dieser Krozeß hat seit damals keine Unter-. ' s) Waimiczek, S. 53 f. r . brechung erlitten und fand immer mehr seine . Fortsetzung, bis er.endlich in eine Epidemie.ausartete. Der Grenzpfeiler zwischen Krankheit und Epidemie. ,läßt sich schwer aufstellenf darum läßt sich schwerlich sagen, ob die Judentaufe vor öder während des Krieges, erst zur Epidemie wuxde. D.as ändert aber nichts an der Sache, denn es Handelt sich jo nicht um den Zeitpunkt, in dem die Krankheit sich so verschsimmert hat, sondern um die Taufepidemie, als eine Erscheinung, deren Ursachen aufzusuchen und sie zu bekämpfen unsere heiligste Mli.cht ist. Haben aber die Judentanfen erst während des Krieges eine förmliche Epidemie hervorgerufen, so ist dieses nicht die Wirkung des Krieges, sondern die' .Fortsetzung eines vorherigen Mozesses, der gerade während der Kriegs-, zeit stark fortgeschritten ist. - ' . ' Nicht Int Kriege also liegen die Ursachen der' Taufepidemiä. Ist es vielleicht der Antisemitismus, der die Lage eines Juden so mißlich macht, daß er sich zum Austritte aus dem Judentum veranlaßt sieht, umseinen Leiden ein Ende zu . bereiten? Unsere Vorfahren haben ja viel m4hr auszustehen gehabt, und dennoch sind sie dem Judentum treu gehlieben. Sie haben ja ihr Leben geopfert, um sich selbst treu zu sein. Und dg sollte der heutige Antisemitismus die Juden ,bewegen, da.s Christentum anzunehmen? Der Antisemitismus hat ja die entgegengesetzte Wirkung: er haltet die Juden zusammen, er erinnert sie an Ihr Judentum. .So mar es . mit. Herzl und Tausenden anderen. Der- Antisemitismus, peitscht, nur den Geist zum—Widerstande auf, und je mehr er unterdrückt wird, desto höher lodert er empor. Auch nicht da ist Mo die .Ursache der Epidemie. - . Es wurde jungst jn Ihrem werten Blatte der Propaganda erwähnt, die von den Christen unter den Juden zum Zwecke der Taufe betrieben wird. Auch hier siegt nicht der Nern der Sache. Denn hätten andere Ursachen, die ich eben besprechen werde, nicht gewirkt,- so wäre die ganze Mopaganda erfolglos gewesen, da wir ihr die Tür gewiesen hätten. Wahrscheinlich ist es sogar, daß die geehrten Herren Apostel, ans solche Aufnahme vorbereitet, ihren Eifer zu anderen Zwecken verwendet hatten, als zur Ableitimg der Juden von ihrem Volte, und somit zur Unterstützung einer Gemeinheit. Es wäre viel Tyltziicher M die Mkehrer selbst und Nr die Menschheit, wenn sie ihre Energie darauf richten, sich selbst ethisch zu heben und von den trügerischen Anlockungen und der Heuchelei, deren' sie sich den von ihnen verblendeten Juden gegenüber bedienen, abZUsehen." Auch hier liegt also nicht.die Ursache. Die Gründe beä fortschreitenden Zerfalles des 'Judentums sind keine äußeren, sie liegen in unserem Innern. Das Innere also zu bearbeiten, wird unsere Mflicht sein. Die Juden waren durch lange Jahrhunderte fest Zusammengehalten und blieben ihrer Tradition treu. Die sie zusammenhaltende Kraft war das religiöse und nationale Gefühl. Solange diese lebendig waren, war auch, unser Fortbestand gesichert. Da kamen aber die Zeiten des Rationalismus, neue Welten eröffneten sich der jüdischen Jugend, und die Anziehungskraft der fremden Kultur wurde immer stärker. Nach und nach erlahmte das religiöse und zugleich das natwnale Gefühl in der Brust des jüdischen .Volkes. Cs lockerte, 'sich chas Bänd zwischen den Juden und dem! Judentum. Immer häufiger wurden die Judentaufen, bis es dazu kam, was wir heute erleben. . ' Wollen wir Mo die Zuden beim Judentum be? halten, so müssen wir diejenigen gelockerten Bande stärken, die diese Macht besitzen: das religiöse und na* tionale Band. Nehmen wir uns aber etwas vor, so müssen wir an dessen Möglichkeitalauben. Die Fröm*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.