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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-09-10 · 37 (10.9.1918) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
37 (10.9.1918)
Date
1918-09-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
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<seüe 693 Nr. 37 : - Sir. Bloch'Ä Wochenkchrist amte geprüft werde und nur daun /die Bewilligung! zur Heurath. erhalte, wenn, sie ‘bey «dieser Prüfung; wohl bestanden sind, wobey, noch die weiteren Anordnungen zür mehreren .Verbreitung des religiös-moralischen Unterrichtes unter der israelitischen Nation Nachfolgen werden. S. M, befehlen, daß dieses Lehrbuch1 nun nach vorläufiger V'ewfr^Mg des' JnfpiHmätur bey der!Gensnrbehörde bey dem hiesigen Normalscbnlbücherverlage in Druck geleget, der Nähme des! Verfassers1 jedoch hinweggelas’sen, dafür aber die erstberuhrte, höchste Entschließung über den Gebrauch dieses Buches, dann der djem Manuscript beyliegehde Beyfall des mährischschlesischen Landesrabbiners Markus Benedikt mit Weglassung des Nahmens des Verfassers beygedruckt werde . . Dieses1 Studienheikommissionsdekret wird nun der Plager HauptSchüfe mit dem Gubernialeriaß. vom 23: Juli 1812 intimiert7), und ein Magistratsdekret vom 24. August 1812 besagt, daß den jüdischen Zünften und Ilandlungs!vors;tehem-au%etragen wurde, daß kein Lehrjunge freigesprochen, kein Handlungsdiener in Verwendung genommen worden dürfe, wenn er sich nicht mit ejnem Zeugnis aus diesem, moralischen Lehrbuch auSweisen kann. 1817 verfügt ein Gubernialdekret, daß „jene Eltern bestraft werden, welche ihre, Kinder zwar in christliche Schulen schicken,. aber die vorgeschriebene Prüfung derselben aus dem Bne-Zion versäumen“. Eine weitere Gubernialverordnung 1818 entscheidet, daß es1 jenen jüdischen Pri,- vatisfen, welche, in die Gymnasialstudien ein treten, freisteht, sich an der k. k. Musterhauptschule oder an der Israelitischen Hauptschule prüfen und beattestieren z,u lassen; jedoch müssen sie sich im ersferen Falle der Prüfung, aus dem Bne-Zion an der Israelitenhauptschule unterziehen. 1819 legt eine Guberiiialverordnung den' jüdischen Hauslehrern die Pflicht auf, über ..die. Lehrmethode Un1 Bne-Zion den Unterricht beim1 Schulrat Herz Homberg einzuholen, So HjeherrsCh-t der Bne-Zion das gesamte jüdische Schulwesen in Oesterreich wie kein anderes. Buch vor ihm oder jemals' nach ihm' £n irgend einem Lahde. Und dies durch alle Altersstufen und alle Wissens'- grade. Das in die Schule eintretende Kind sowie der Student der jüdischen Theologie waren ihm in gleicher Weise untertan. So zahlt noch in der Mitte des 19. Jahrhunderts1 zu? den Gegenständen der Aufnahm'sprüfung in das' rabbinisehe Kollegium1 zu Padua neben der Kenntnis der Religionswahrheiten aus dem ersten Teil des Ikkarim von Joseph! Albo und der acht Abschnitte des1 Maimonides auch die des Bne-Zion (Friedr. Manheipier, „Das! rabbjn. Kollegium und Konvikt zu Padua“, in WertheimerS Jahrbuch, 1858, S. 92). , :; : _! | | ,! Dieses, in der Geschichte der jüdischen Religionslehrbücber einzigartige Privilegium des' Bne-Zion tat auch für das moralische' Ansehen TleS (Buchles [seine volle Wirkung:. Eine große Rolle spielt hierin auch' ohne Zweifel! die Approbation des1 mähris'ch-schlesis'cben Landesrabbiners MarHis Benedikt. Erst nach dem Erlöschen der Verh-errschaft dieses Buches werden Stimmen der Ablehnung laut. Einer der schärfsten VerurteilCr, der allerdings mehr noch1 der katechetischten Methode an sich11 als^dem Lehrinhalte des Bne- Zion an den Leib "rückt, ist der geistvolle Simon S z ä nt-ö, cher sich.über Ho mherg und;sein|Buch' folgendermaßen ausspricht: „Dieser Paragraphenfabrikant hatte nun die Grundbedingung des Judentums bis ins Herz getroffen, und der «Uebel, die .daraus 7) Wanniczek; S. 63. entstanden, waren nicht Wenige. Wer wüßte es nicht, was die .ungeratenen „Zionssöhne“ [Bne-Zion] jenes VerfasSjers für Kobolde unter der Hand der Examinatoren wurden. Ehrliche Lehrer bildeten sich an dem Definitionswesen zu Pedanten heran und opferten der Wortklauberei das Judentum!, die unehrlichen etablier -ten ein Geschäft mit Fortgangsnoten, da der Prüfende nirgends so. willkürlich schälten kann, als wo es .sich weniger ,um einen Inhalt als! Ausdruck handelt . .,. Kam es doch dahin, daß selbst Räbbinen,, jüdisch* Geistliche zur Erlangung der Heiratsbewilhgung vor einer nichtjüdischen Kommission sich der Prüfung über Glaubenslehre unterziehen mußten, und zwar deshalb, weil , das Judentum1 durch den Katechismus vertreten, dieser aber so wenig jüdisch sein sollte* daß man selbst dem1 Rabbiner die Kenntnisi, desselben nicht zutraute!“ „Was soll mah von. jenen tragisch-komischen PrüfungsSzenen der Brautleute erzählen, die, naturgetreu, zu Schilden, eine SäMe schreiben und die Schmach der Nation in Erinnerung* bringen hieße? Hat man doch! Beweise, daß (Landschullehrer in freventlicher Absicht die ihnen anvertrauten Kinder in Unwissenheit ließen, damit sie zur Zeit der Heiratsfähigkeit sich besser rentieren; anderer Sp.olien nicht zu gedenken, die zu empörend sind, ihrer zu erwähnen. Ein Katechismusschmied hatte sogar die Frechheit, lästerliche Angriffe auf Synagogenbräuche die Schüler der untersten Klassen auswendig lernen zu lassen, und wie lange blieb doch dieser Popanz der schwarze Peter,8) mit dem man die Jugend schreckte! Die Katechismen hemmten die eigene Fortbildung der Lehrer, die nach Anfertigung ihrer Hefte weiter keinen Ansprüchen zu genügen hatten, wie selbst jener Vater der ungezogenen „ZionSSöhne“, dem' man einsT die Rolle aus dpr Tasche entwendet hatte, seine Weisheit in dem Augenblicke verließ, als! er den Katheder besteigen wollte — „das Heft ist gestohlen, die Welt ist leer“. („Die Judens'chiule“ in Werths Jahfb. 1858, S. 62 ff4 Man wird dieses’ Urteil des! temperamentvollen S z änt 6 doch für objektiv gelten lassen müssen, wenn man hör t, daß selbst der besonnene G. Wolf von Homberg in seinem Religionsbuche sagf: „In Oesterreich wurde seih Name durch das von ihm' verfaßte Lehrbuch „Bne-Zion“ berüchtigt. In einem1 Majestätsgesuche um die, Toleranz für Wien vömi 18. August 1833 Spricht er sich Selbst über den Zweck dieses Büches folgendermaßen auS: Da Unterzeichneter seinen Eifer, durch! das von ihm verfaßte Bne-Zion religiöse Moral' zu verbreiten, unter seinen Mitbürgern sittliche Empfindungen zu beleben und sie zu belehren, daß die: Grundbegriffe der christlichen Religion mit den unsrigeü üherefnstimmen ... In die Sem Gesuche hebt er auch hervor, daß sich vier Seiner Kinder taufen ließen.“ („Die Versuche zur Errichtung einer Rabbinerschule in Oesterreich“ in Ludwig Geigers „Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland“, V, 'S. 27, Note.' — Vgl. Ba - lab,an M., „Herz Homberg in Galizien“, imi „Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur“ 1918, S. 219.) r Soviel über die Rubrik Bne-Zion in unserem' ZeWU. nisSO. Neben diesem also „für die israelitischen Glaubensgenossen vorgeschriebenen Religionsbuche“ wird die Jugend an der Prager deutschen israelitischen^ Hauptschule in der biblischen Geschichte und Sittenlehre ^unterrichtet. Das Konsistorialdekret vom 12. Mai 8) Anspielung auf Peter Beer.

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