Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 35 (6.9.1918)
- Date
- 1918-09-06
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite- 570 V; f Dir. BlöM füßigen Geschöpf,en mit glasigen Augen und oft bestialischen Gesichtern, diesen ganz.degenerierten Nachkommen der edelsten aller Rassen, selbst in diesem zähen und stinkenden Schlamm fand man noch seltsame Phosphoreszenzen, die sich' entzündeten und wie Irrlichter Wer einen schmutzigen Sumpf tanzten ^wunderbare Blicke, leuchtend e .Intelligenzen, eine Elektrizität, die sich i,m Moder erzeugte und die Christof fesselte und beunruhigte. Er dachte, daß ür ihnen schöne ringende Seelen Men müßten; gwße Herzen, die aus dem Pfuhl emporstrebten; und er hatte ihßen begegnen, ihnen zu Hilfe kommen mögen; er liebte sie, ohne sie, Zu kennen, und fürchtete sie gleichzeitig ein wenige Niemals aber war er irgendeinem von ihneft naher "gekommen. Vor allem hatte er niemäts Gelegenhett gch'abt, in die güte jüdische Ge- Mschaft zu gelangen. Dias Diner bei den Mannheims hatte also für Wn den Reiz der Neuheit ... - Vom Augenblick an, da er eintrat, hatte Christof nur rwch Augen für Judith Mannheims die Tochjter des HausM Sie war großschlank,"^in wenig mager, wenn auch fest gebaut; ihr Gesicht war von wenig ausgiebigen, aber picken schwarzen Haaren eingerahmt, wÄche die .Schläfen rwbst der knochigen, goldtonigen Stirn bedecNen; sie war ein wenig Ärzsichtig, hatte starke Lider, leichtgewolbte Augen, eine ziemlich, - große Nase mit erweiterten Mügeln, Wangen von intelligenter Magerkeit, .ein schweres Kinn, ziemlich lebhaften Teint und ein energisches, Mares, ziemlich, schönes Profil; von vorn war der Ausdruck beunruhigender, ungewisser, zusammengesetzter, Augen und Wangen stimmten nicht, zueinander. Man empfand' eine'starke Rossigkeit in ihr,, und in der Form' dieser Rasse die vielgestaltigsten, unzufammenhängendsten -Elemente bunt durcheinander geworfen, vielfältige,, nicht Maminenhängende-.,von zweifelhafter, urMeicher Ätt, . seht: schöne und sehr gewöhnliche. Ihre Schönheit herrschte vor allem von ihrem schweigenden Mund mE ihren Augen ausdie durch .ihre Kurzsichtigkeit tteser und durch ihre bläulichen Schatten dunller arschienen. Wristof hätte an solchen Augen, die mehr einer Rasse als einem Individuum angehören, gewohnter sein müssen, um unter, ihrem feuchten und feurigen Schleier die wahre Seele der-Frau, die er vor sich hatte, entziffern zu können. Es War die Seele des Volkes Israel, die sie, ohne es zu wissen, in sich trugen, und die Christof nun in ihrer brennenden, dusteren Tiefe entdecktle. (I, 537f.)" Judith, der natürlich Christof nicht unbekannt war, erwartete die. Sensation des Abends mitgrößter Spannung'. Es ist vieler Frauen Art, "daß sie gerade das zügellose Temperament der Künstler reizt. Judith war. schön genug uw sich vornehmen tzu dMfen Jean Christof an ihren Triumphwagen zu spannen. Er fing auch Feuer. Er berauschte, enHündete sichan Judiths eigentümlicher Schönheit, aber zur., echten,; heißen, leidenschaftlichen Liebe kam' es' doch nicht. Erobern konnte sie ihN nicht, er verliebte sich nicht in sie. Wie M das werkte, ließ sie ihn fällen, „gab sich keinerlei Mühle wch!r, VorteÄhäft vor ihw zu erscheinen und gab> sich als' daT wjas'Ae war: wett mehr Mutsche und . Durchschinrttsdeütsche, äG sie es zuerst schien und -als', sie M selbst 'vielleicht dachte"" Bei diesem' Satze mochte Rolland den Widerspruch gefühlt hoben zwischen seiner Charakterisierung Judiths als Rassenjüdin, in dprän Augen „die Seele des Volkelsl Israel" sich offenbarte, diese brennende, düstere, ernste Volksseele und diesem Ausspruch der sie eine DurchschnittMeutsche nennt. Das veranlaßte ihn an dieser StMe einige allgemeine Bemerkungen Mer die innere ÄssimMerung der Juden und Jüdinnen einzuftechten: „Man wirft den Israeliten sehr mit Unrecht vor, keiner Nation anzugehören, und von einem zum anderen Ende Euru-- pas nur ein einziges gleichartiges Volk zu bilden, das den Einflüssen-v erschiedener Völker, unter denen sie.Hausen, unzu gänglich ist. In Wahrheit gibt ies. k ein e Rasse, die leichter den Stempel der Länder, durch die sie hindurchschreitet, annimmt; und gibt es manche gleiche Charakterzüge zwischen einemdeutschenund einem französischen Juden, so sind ihre Verschiedenheiten, welche von dem neuen' Vaterland herr,ühren, dessen geistige Gewohnheiten sie mit un glaublich er Schnelligkeit annehmen, doch noch größere; allerdings mehr in den Gewohnheiten als dem Geiste nach Da die Gewohnheit jed och allen Menschen eine zweite Natur wird, füt die Meisten aber die einzige und'alleinige N-öötür ist, so folgt daraus, daß die große Mehrzahl d e r ei n g ebo r e n e N-Bjül r g e r ei ne s L an des s e h r Unrecht tun, den Israeliten das Fehlen eim.es tiefen und begründeten nationalen Geistes vorzuw erfen, den sie selbst nicht im g eringsten Grade bes i tz> e n. D a Frau en allen au ß er en Ein f lüssen no ch.züjgän gli cher sind, noch schneller sich allen Lebensbedingungen anpassen und sich mit ihn en verändern, so nehmen guch die Jüdinnen in ganz Europa, oft sogar mit Uebertr eibun g, die physischen und si t tli ch e n Mo d e n de s L an - des, in dem sie leben, an — ohne dadurch jedoch die Silhouette und den wirren,, schweren, ben ehw.end en Duft ih r er/R a ffe/ einzm büßen" „Christof fiel das aus. Ertraf chei" den Mannheims Tanten,/Cousinen, Freundinnen Judiths So wenig deutsch viele dieser Gesichter wären, mit den brennenden,' dicht, an der Nase liegenden Augen, der dicht am Mund stehenden Nase, den starken Zügen, dem roten Blut unter brauner, dicker Haut, so wenig . sie dazu geschaffen schienen. Mutsche zu . sein, so waren sie-doch in Mer Art, zu sprechen, sich! anznziehen, durchaus Mutsche, und mehr als! gut-ist. Judith konnte noch so seht deutschen Geist verspotten, sie wardeutscher Art verbunden . . . Sie zweifelte nicht im geringsten äm wah^ ren Wert Christofs und an der Dummheit des Ober- . leutnants Detlev v. Fleischer. Wer sie fühlte sich mehr' geschmeichelt, wenn dieser Men Millionen gnädigst den Hof wachte, als wenn Christof ihr seine Freundschaft - entgegenbrachte; denn ein einfältiger Offizier ist darum doch ein Mensch einer-anderen Kaste; und es ist der deutschen Jüdin schwieriger als einer anderen Frau, in diese Kaste einzudringen." . > . '.„Die stolze Jüdin, die tausend Grunds hatke, stolz zu sein, die'kluge und' hochgemute Tochter des Bankiers! Mannheim sehäte sich! darnach, Herabzusteigen, es heM ersten besten der kleinen deutschen Bürgerm'ädchen gleichzutun, die sie so Verachtete." (I, 546—48.) Und da Judith sich so gehlen ließenttäuschte sie erst recht Jean Christof. Er hätte gehofft im Hause Mannheims!, in' Gesellschaft Judiths einen Ansporn zu finden für sein weiteres Schaffen.?Er fand ihn nicht. „Er hatte in dieser starken, von beit anderen abseits stehenden Rasse einen Verbündeten für seinen Kampf erhoM. Dieser Traum zerstob. Mit der Beweglichkeit leidenschästlichen Einfühlens, die ihn von einer"UEertreibäng zur änderen springen ließ--.überredete er sich alsbalddaß diese Ras-s-e w eit schw ächer sei, als m an ih!r n achsqglt e, .und .w eit offen er —. viel zu offen — für alle- Ein-