Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 35 (6.9.1918)
- Date
- 1918-09-06
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Geißel« ' M . Mkvch's Widrigkeit des VenlMckcns mit Ruhr hin. Treu Zur Seite steht ihm seine lickevolleGattin,die ein musterhaftes jüdisches' .Hans Mit. Die einzige Tochter ist an Dr. Oskar Mildes einem vielbeschäftigten Arzt in Wiener-Neustadt, verheiratet, der einzige Sohn, nnseren Lesern" als' Fenilletonist wohlbekannt, ist Doktor ftrris und gegenwärtig dem k. u. k. Kriegsministerium zur Dienstleistung zngeleilt. — Der UMvßonkel be3 Herrn Landau war der berühmte Dberrabbiner von Prag Mode Bijhuda), der Urgroßvater der hervorragend e Rabbiner von Bnrsztin, der Großvater der gelehrte Rabbiner der Stadt Grabbowitz, der Onkel der bekannte Rabbiner von Sadagvra (Md Jehuda), ein Bruder des Herrn L a n d a u ist Ehr e s- Rabb i von Sr'idaftika. Herr Landau selbst hat jetzt das Rabbinat inne, wo einst der bedeutsame Terumoth Hadeschen residierte. WttnrrReustscht. (fuszeichnungdesKultnsvor stehers.) Se. Mgfestät der Kaiser hat unserem KMnWorHcher,' Stsösar^ Dr. Wilhelm W ols, für seine brnonderen BKdienste M Chefa^jt des k. u. t Kriegs-- in Wiensr-Meustadt das Ritterkreuz des Franz Jvses-Ordens am Bande der TapferkeitsMedaille verliehen. Mit dieser hohen ZürGeichnung kam Herrn Shabsärtzt Dr.Wo lf aucheinnberaus schmeichelhaftes Handschreiben des apoftolischeir Feldvikars, Bischof Bjelik, Au, worin die eifrige Anleitung der Spftalsmpnnschaft durch Herrn Dr. Wolf zur Religiosität und MM Besuche des Gottesdienstes anerkennend hervorgähoöen'wird. Am S.amstag den 31. v. M. erschienen dermtM'v die Herren Tempckvorfteher WolsM ay e'r sen. und Rabblnatsverweser Landau bei dem Ausgezeichneten, um ihm die Glückwünsche der Gemeinde, deren Vorstand er seit mehr als 20 Jahren angehört, zu übeckringen. Diese neuerliche wohlverdiente Ehrung des Herrn Chefarzt Dr. Wolf wird iw den weitesten Kreisen freudigen Widerhall finden. . Matz'ümbah. Ein imposanter Leichenzüg bewegte sich Mittwoch den 28. August znrn Wesigen Gottesacker. Herr k. k. Regierungsrat Professor Dir. & Heinrich Ä if ch, a.-v. Professor der deutschen Ka.rl Ferdinands- Universität in Prag, Besitz-er vieler Orden, Ehrenbürger der Kurst-adt Marrenbäd, ist, 78 Jahre alt, nach kilr-- zem Leiden verschieden und hierorts bestattet wordep. Sämtliche Häuser, welche der Tranerzug passierte, hätten Trauerschnruü angelegt und in der ganzen Stadt brannten die umflorten Lampen. An der Trauerseier nahinenteil:' MttziÄshmlMmlnn Tr. L ehrmü n, Siationskommandant Oberleutnant H e ckm a n n, Bürg ermeister R u' - britins mit Men Stadträten, ~ Brunneninspektor P. Han ika mit mehreren Stistsbeamten, Vertreter der evangelischen Mrchengelneinde, der Vorstand der isr. ' Krltüsgemeindc, die Aerzteschaft Marienbads^, Kurgäste üftvBMach den käntoMlen Fiurktionen des Herrw Go l de nbe'vg hielt Mftlv. Herr Rabbiner Dr. Di am an t eine ergreifende'Gedenkrede, in welcher er ein päckendes Lebensbild des nunmehr Verklärten entwarf, und' dessen Verdienste rnn die Wissenschaft und die Karstadt, besonders um die Armen hervorMb. Sodann, würdigte Tr. Felix Wo lfne r im Manren der medizinischen Fakultät der Prager Nniversttat und des Zertträlvereines deutscher A^cht'e iw Mthimen die Verdienste 'des Entschlafenen. Im Namen der isr. Kvttnsgeineinbe, deren Ehrenmichlied der Verewigte war, und in Vertretimg &c§ isr. KurHospitaks entbot Herr Kulttrsvorsteher W o l fne r. dem großM Ärzte ^Dänk und GrM- ZMreichfi amtliche Stellen und medizinische Körperschaft en sowie FÄrstlrchkeiten Haben der tieftrml ernden Familie Beileids- Kundgebungen zugehen lafsen. ' R. Wschrnsckrift Nr. 35 . R«ma»« KsUand tat Iran Christof über K«de« m»i» KtdiMtm«. Von Dr. I. Ziegler, Rabbiner in Karlsbad. (Fortsetzung.) ' ' " - ■ . II. - . "-s / Die deutscheu Inden rmd Mdiunerr. Jean Christof hat insememElLernhause mcht gerade viel Gutes Mer Juden zu hören bekommen, wie das ja zumeist.so war in den christlichen Familien seines Ortes. „Zwar gab es in der kleinen Stadt ziemlich Zahlreiche jüdische Kreise, die durch ihren Reichs tum, ihren Zusammenschluß und ihre Jntelligenzi eine recht Hedeutende Rolle spielten, aber doch/ ein wenig abseits von den anderen lebten. Im übrigen besttmderp im Volt ihnen gegenüber noch! immer Hartnäckige^ Vorurteile und eilte geheime Feindseligkeit,. die, wenn airch gewissermaßen gutartig, doch beleidigend war. sehnliche Gefühle bestanden auch iit Christofs Familie. Sein Großvater liebte die Juden nicht; aber die Ironie des Schicksals hatte es gewollt, daß feine beiden besten Musikschüler .(einer war Komponist, der" andere ein berühmter Virtuose geworden) Israeliten waren; und der gute Mann war darüber recht unglücklich; denn in man-, chen Augenblicken hätte er die beiden ausgezeichne'en Musiker umarmen mögen; und dann erinnerte er sich voller Trauer, daß sie Gott ans Kreuz geschlagen hatten; er wußte gar nicht, wie er diese unvereinbaren Hnv-. findungen vereinen sollte. Zugitterletzt umarmte er sie. Er neigte zu dem Glauben, daß Gott ihnen schon verzeihen tvürde, weil sie die Musik' so sehr, gelickthätten. — Christofs Vater, Melchior, der den Freigeist spielte, zeigte weniger Skrupel, Geld von Juden, änzunehmen; er fand das sogar ganz in der Ordnung; aber er machte sich dafür Mer-sie lustig und verachtete sie. Was nun seine 'Mutter betraf, so war sie/etivas unsicher, ob sie keine Sünde beging» wenn sie als-Kochfrau bei -.ihnen diente. Die, zw denen sie ging, warent übrigens ziemlich-schroff mit ihr; jedoch! sie zürnte'Wien deswegen nicht, sie zürnte niemandem ‘ und war nur Von Mitleid für die Unglücklichen erfülltdie Gott verdammt hatte; sie wurde marvchmak ganz traurig, wenn sie die Tochter des 'Hauses' Vorbeigehen sah! oder fröhliches Kinderlachen hörte. So eine schöne Person! . .' So eine niedliche Kleine . . . Was für', ein Upglück! dachte sie." (I, 535 ft) Mitsolchen Empfindungen gegen die Juben wuchs Ehristof auf.H. Zwar hatte er in der Schule auch jüdische Mitschüler — einer von-ihnen , spielt in seinem' späteren Leben, eine -große Rolle —- aber in nähere intimere Berührung kam er mit keinem derselben. Er war Jüngling .geworden,...ohne, daß sich ihNr die Gekegelcheit gebvten hätte die Vorurteile des Elternhauses und der ihtn 'näher fltzhenden Kreise g<;gen die Juden zu prüfen. Nun sollte er Juden näher kennenkernen. Mit psychologischem Feingefühl wählt Rolland den Augenblick, der ben jungen.'MusWrfWschen^ Kreisen zuführtt Chvistof hatte sich mit. den ViüsW freunden seiner. Heimätstadt gründlich zerschlagen. Die Musiktraditionen der Deutschen verlachte er, verhöhnte die großen Musiker, die vergötterLen Komponisten, so? daß das allgemeine Ubteil über ihn lauteteTotal verrückt! Und seWst der Großherzog soll ihNr eines Tages gesagt-haben: „Wenn man sie hört, Herr Krafft, könnte man manchmal daran zweifeln, daß sie ein Deutscher sind." Wles war HNr' feindlich gesinnt/ „Natürlich ein -Fläm'e, ein Belgier!" , hieß es' , allgemein.