Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 34 (30.8.1918)
- Date
- 1918-08-30
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Stzitt 55& Är* 54 ä:ir. Mochj^ Wochenschrift denke ich nach und kann's nicht begreifen. Was List du eigentlich und womit ist's zu erklären, daß du gestern ein andrer warst und ein andrer heute bist? Reden Euer Gnaden so zu mir? Solche Machen wollen Sie wissen? . Der Hagere, elende .Jude richtete sich aus, in seinen Augen spielten sonderbare Mammen, seine Stimme ertönte tief , und feierlich. Was ich bin? Ich bin Jankel, der Faktor. Ich bin Jude. Und wenn Sie wollen, bin ich das .Judentum. Deshalb dieneich Ihnen und lasse mich von den Hunf? den zerren und habe ich mich mit Ihnen befreundet, unterhalte ich die' .Herrschaften und springe .und tanze und bin sützj, obwohl ich von Waler <uud Matthias immer Faustschläge kriege. Und womit ist dies zu erklären? Wenn ich hieher käme und an finge, .Pyrre Uwot -zu wiederhol ein, so möchte man . mich hinauswerfen. Darum befnehme ich mich so, uvie Ihr es wollt. Darum rede ich zu Euch in deir Sprache, an die Ihr gewöhnt seid, mchne eigene Sprache aber... Jankel! Diese seine Altstimme kam aus dem offenen Palastfenster. Der AjNgerusenL befand sich dort mit einem Satz. Und was ist mit meinem Kleid? War Jankel schon bei der Schneiderin? .Der Edelmann besann sich mit einemmal, griff sich an den Kopf. Gott, dieses Kleid der'Frau, da fehlt ja wieder das verdammte Bargeld. v Jankel! schrie er nach alter Art.; Zu dienen, Euer Gnaden. R»mai« iltUattfe im Iran Christof «brr Juden und Kudent»«,. Bon Dr. I. Ziegler, Rabbiner in Karlsbad. . ... . I. . Vorwort. - Der große Roman,„J e a n Christof" des berühmten Dichters / Romain Rolland ist auch von der deutschen Leserwelt in seiner vollen Bedeutung gewertet und gewürdigt worden.*) Will doch Rollandin dieser umfangreichen Dichtung, deren Urbild bekanntlich Beethoven istnicht nur . das persönliche Schicksal seines Helden schildern, sondern zugleich einen tiefen .Einblick uns gewähren in die geistige, musikalische/ soziale und politische Welt der zwei jüngsten Generationen Deutschlands und Frankreichs', der Stationen, die sich, heute im unheilvollsten Ringen, das je /- die: Welt gesehen hat, gegenseitig zerfleischen. Die Ps yche d er Int ell ektu ellen beider Länder nimmt Rolland unter die Lupe und fordert uns. auf sie mit ihm zu betrachten und uns in dies so eigenartige Leberr sinnend zu vertiefen. . Jean Christo f Kr afft stammt aus einer Musikerfamilie. Sein Großvater war Antwerpner flämischen Ursprungs. Er mußte die Heimat, infolge toller Jugendstreiche verlassen. Er wandert nach einem rheinischen Fürstenftädtchen aus und heiratet da die Tochter des Hofkapellmeisters. Nach fünfzehnjähriger Ehe starb die Frau und - Hinterließ Hirn vier Kind er. Nach kurzer Witwerschaft Heiratet er wieder. Seine zweite Frau gebar ihm sieben Kinder. Bon seinen elf Kindern star- *) In deutscher Uebersetznng bei Rütten und Loening in Frankfurt a. M. Die Zitate aus dem Roman in meiner Abhandlung sind dieser Uebersetznng entnommen. ben ihm zchn weg, ein einziges Kind blieb am.Leben: sein Sohn Melchior. Des Alpen ungezügeltes Temperament, sein.Musiker- und Trinkerblut erote der Sohn. Nur daß der Me sich doch noch zu meistern verstand und der aller feiner dick aufgetragenen Brutalität eine tiesinnerliche Natur war. Der'Sohn hatte nichts vom sympathischen Wesen des Vaters, ach ihn »vertrugen sich nur oie Fehler, und die im potenzierten Mäße- Zwar übernahm er die Stellung des Vaters als Musiker, äoer die Wertschätzung, üre man dem Men entgegengedrächt hatre,^ konnte sich, der Sohn nicht oerschassen. Melchiors Frau, Luise, eine einfache, Ichlichre, gute, fromme Frau, besaß nicht die Kraft, De» Mann pm Zaun zu halten. So gab sich Melchlor stark dem Trünke hin. Solange der Vater levte, zügelte der Respekt vor dem Greise den Sohn. Als aber der Barer , starb, kannte Melchior keilte Hemurmtg mehr und sank immer tiefer uno tiefer, bis er schließlich Stellung'Uno Unter- ' richtsftunden gänzlich vertiert. Um die Famllie über Wasser zu hallen, verdingt sich Luise in fremde Häuser als AusHiljsfrau zu Küchen- und anderen Diensten. In dieser drückenden Armnc wächst der außerordentlich begabte Sohn Melchiors heran: Jean Ehristos. Bald erkennt er Müllers Leid uno Wehe, wie sie den Jammer ihres Daseins Heroisch trägt. Dem Vater zeigt sich früh die Begäonng des Jungen. Nun will er ein Wunderkind aus chm machell, das chm über alle Nöten des Lebens hinweghelfen soll. Der Knabe sträubt, sich da-' gegen. Es kommr zu wilden Szenen zwischen Vater' uno Kind. Mer kleine Junge muß .sich fügen, gibt' Konzerte, wrrd bejubelt, beklatscht, vom Fürsten durch Verleihung von Stipendien ausgezeichnet. Das alles giot aber dem Vater keinen- Halt lnehr. Immer rascher gleitet er auf der abschüssigen Bahn abwärts, bis endlich Selbstmord oder Zufall dem verpfuschten Leben ein Ende oerellet. Nun ist Ehristos mit der Mutter allein, die beiden anderen Brüder taugen nicht viel, und schließt sich eng dieser gütigen, einfältigen Seele an. Er lebt nur für geine Wiurrer und seine Musik, die Mutter lebt nur m ihm. Christof hat vieles vom Großvater ' geetör, das zum Teil ja auch Bakers Natur gewesen ist. Er war rücksichtslos, wild aufschäumend, stürmisch, zugleich von geradezu'beängstigender .Offenherzigkeit und' Wahrheitsliebe, von einer merkwürdigen Naivetät und kindlich zutraulicher Leichtgläubigkeit. Und alles an chm ist Musik, es gärt und rocht in ihm von neuen Ge-q danken und Ideen. Sturm- und Drangjahre kommen Über Christof, die zügellosen Jugendjcchre, in denen ein Genie gleich Christof sich austoben muß und dies Austoben nur im Niederreißen alter Traditionen, in Geringschätzung allgemein anerkannter Autoritäten besteht. Er fühlt ~ das eigene Können, die eigene Kraft, sicht das vieke. Banale, Seichte, Süßliche, Unwahre-in der Musikwell seines Vaterlands. Uüd da er sich kein Blatt vor den Mund nimmt, zerschlägt er sich mit der ganzen - „besseren Gesellschaft". In der Vaterstadt hat er fast nur Feinde. Nach und nach verliert er die Stunden; die Konzerte, die er gibt, werden ausgezischt, erwird verfolgt, bedrängt, verliert zum Schluß auch die Gunst des Fürsten» M und zu erfreut ihn zwar, auch eine „ kleine Anerkennung, zumal ans der Fremde, doch das . bändigt nicht bas wilde Ungestüm seiner. Seele, die sich um jeden Preis durchsetzen will. Cr möchte fort. . Eine Zeit lang hält ihn noch die Mutter zurück, die ' Liebe zu der alternden schwachen Frau, die ohne ihn nicht leben kann. Als er aber bei einem zufälligen- Wlltshausstreit einen Soldaten niederhaut, muß er fluch-