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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-08-30 · 34 (30.8.1918) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
34 (30.8.1918)
Date
1918-08-30
Page
– (sequence 14)
Language
German
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streichelte den schwarzen Bart oder erhob Ach wie belehrend und beweisend Ln DieDen Lappen ents strömten Wortes fvnoervare, unberannte Worte. in ^onoervarer, unberannrer Beronüng. Musrt war in ihnen, und es schlug aus ihnen ein mächtrges, unoediugW Gebot. Dre Tür siel zu. Der Edeimann stand, je men Blicken nicht trauend.. Hollte etwa. . . aber nein, es kann nicht sein, dachte er rasch, chaonjch. wie in Farwr uno Doch ist er's nichr. LÜL», aljo ein UnrerraovineL ist er gar'q. Plötzany brach er Ln ein wildes, lautes, ungehemmtes. Gelächter aus. Ist das aöer eine Hch! lautete der Text Zu diesem Gelächter., Ai ein Faktor — ein Lehrer ooet gar ern Predrger! Gr lehrt .gewiß das, was er selo,r nicht kann oder was er gar Zu gur kann. Uno nach eurer Weite wird er vor mir stehen, uno wird mri dem Mundh,'der erst irgendwelche erhaoene Phrasen verkündete, den Staub vor mir austeyren. HaU ich-, nicht recht also, wenn ich, das ganze Gesindel m dieser Werse bHandle? .!! i .. r ' Seine Gedanken unterbrach der junge Bursch. Er trat aus dem Bethaus und sagte leise: Verzechen .Euer Gnaden, .Jänkel kommt nicht. ' ' Was soll das heißen? schrie der Schtachziz empört. Er ... er will. bitte, Samstag nicht von Geschäften reden. Und will nicht einmal herauskommen. »Er lehrt dort. ' Las ist ja prächtig. Was lehrt er, wenn er allein ist, wie Tabak im Harn.? La sah er sich von einer ziemlich zahlreichen Gruppe - von .Juden umringt. Der Arrblick des ungewöhnlichen Gastes hatte sie herbeigelockt, aber sobald' sie die geringschätzigen Worte vernahmen, begannen Ae aus einmal zu protestieren.. Euer Wohlgeüoren sollten nicht so reden, schab Ach endlich ein älterer Jude in halbkurzem Rock und mir Augengläsern vor, Jankel Faktor ist in unserer Lehre - sehr weise, sehrgelehrt. - Woher Hat er diese-Weisheit? ' Was heißt, woher? Vom Lernen. Steht die Sonne auf, so sieht man Jankel immer über unseren -Büchern und die Sterne sehen ihn noch so bis spät in die stacht. . Bei Tag lauft er herum und plagt sich, und arbeitet,'damit er der Familie ein Stück Brot geben kann, dann lebt er für den Gottesdienst. Ein gelehrter Mann, ein koscherer Mann, ein Chacham und ~ PamDon. Darum versammeln sich, am Sabbat um ihn die einfachen Leute und er erklärt chnen die Heilige Schrift'. Da öffnete wieder jemand die Tür und der Edelmann umfaßte aufs neue mit einem Blick bas Innere der Stube. Gr gewahrte.. eine Schar Elender, die von sich, das Alltagskleid uUd damit . Pas Elenb des Alltagslebens abgetan haben und xrn^i .von einem tiefen, inneren Gefühl und' von Gedankenernst strahlen. Und unter ihnen ragt.ein Elender, vielleicht der ärmste von Men, ganz von der Welt und allen Daseinseitelkeiten. . abgeschnitten, hervor durch das Wort, das starke magnetische Wort, und entführt ihre Herzen in ein hohes Reich, wohin /der Widerhall des alltägigen Treibens und der Widerschein des alltägigen Schmuses nicht gelangen, wo eine wunderbare Werhe herrscht, eine feierliche Stimmung, eine .überirdische Harmonie. Und diese Stim-, mung begann auf den Edelmann zu wirken. Und was lehrt er dort? fragte er unwillkürlich mit, gedämpfter, schier ehrerbietiger Stimme. Was? Das, was jeder Gläubige am . Samstag Nachmittag auch, sagt: Pyrke Uwot. - Bcch, was Heißt das? Könnte es mir nicht wer erklären? Freilich, sagte ein bebrillter' Jüngling! vortretend. Ich höre gut, was Reb Jankel spricht, und kann es sofort ,übersetzen. Eben redete er: Rabbi- Elieser sagte: Die Ehre deines Nächsten soll dir so teuer sein wie deine eigene, sei nicht jähzornig und tue Buße eines Tag vor dem Tode. So spricht der Rabbi. Die Schrift hat nur befohlen, liebe den Nächsten, er geht noch weiter. Er schreibt vor, daß man die Ehre, die menschliche Würde, die Hoheit des Menschentums zu achten hat. Wer daher den Nächsten > erniedrigt, das 'ist so, wie wenn er seiner Seele eine Ohrfeige geben möchte. Wer aber in Zorn gerät,, der tritt seiner eigenen Ehre nahe,. erniedrigt seine eigene Würde. Daran sollen wir nach des Rabbi Geheiß jeden Augenblick denken. Denn was heißt Buße tun einen Tag vor'm Tode? Diesen Tag kennen wir doch, nicht. Darauf sage ich euch,-der Tod kann u.ns jeden Augenblick überraschen, jeden Augenblick also mMen wir unsere Sünden bereuen und das Böse gut machen. Und wie ihr schon gut wißt: mit Reue, Gebet und Wohltaten . . . Der Jüngling drückte sich, langsam, mit Mühe aus und endlich sprach der Edelmann leise:- Solche Sachen also lehrt Sänket? ~ - Und der arme verachtete Faktor, von dem er einst bezweifelte, ob er eine Seele habe, begann in seinen Augen zu. wachsen, groß zu werden. Auf das arm^ selige kleme Stübchen und die dort Versammelten fingen an, helle, heisse Strahlen' herabzuströmen. Der Edelmann sah vor sich andere Handwerker, Krämer,'Kleine 'und Elende, die sich ebenfalls von dem Schmutz der Erde losrissen und verkündeten, daß man in/dem Nächsten'- seine Ehre achten, daß man ihm-Liebes und Gutes erweisen und daß man stets,.bereit sein.soll,.. üo.r^detn, gemeinsamen Vater zu erscheinen. Und Sänket, der Faktor, stammt von jenen und von anderer:, die für ihre Ideen auf den Scheiterhaufen und Säbelspitzen starben. Trotzdem wandert durch die Welt ein zwiespältiger Mensch: der eine so winzig-und elend wie ein Wurm, der 'andere als Verkünder der Lehre von der -! ‘ - i i i u. 1 : * i „Die. Ehre des Nächsten soll dir teuer sein" . . . nein, das ist seltsam... Der hochgeborene Herr hat einst Vorträge berühmter Professoren, dann bekannter Prediger gehört, literarische Werke gelesen und kannte den Ehrenkodex, aber niemand hat ihm je kategorisch erklärt: die Ehre deines Nächsten soll dir teuer sein . . . Erst dieser obskure, ungebildete, elende Jude... Sonderbar... ,; Und schweren Schrittes, unter der Last eines neuen Gedankens, ohne jemand vor sich zu sehen, entfernte, sich, der Edelmann. ' . in. ' i;/' Am nächsten Tage früh stand vor ihm Jankel. Er war, wie immer, demütig, gebückt, sein gelbes und kleines, runzliges Gesicht sah wie eine aus getrocknete Zitrone aus; der Hut, an dem chan nicht erkennen» konnte, aus was für Stoff er. war', und die Bekesche,^ die wie ein Mosaik mannigfaltiger Fleckchen anmutete, machten ihn noch elender, mit einem komischen Anstrich-- -Entschuldigen Euer Gnaden, begann er,' seinen gebückten Wcken in einer Reihe tiefer Verbeugungen brechend, aber den Samstag'bitte mir schon zu schenken. Euer Gnaden wissen vielleicht nicht, daß wir^am Sabbat eine andere Seele haben. Und drese andere kann ich nicht Geschäften Vorspannen/ so wahr ich für Weib unds Kind Gesundheit erwünsche — ich kann nicht! Der Gütsbesitzer schaute ihn forschend an und drehte seinen schönen Schnurrbart. Sage mir, Jankel!, .spricht er mit einem an ihm ungewohnten Ernst, was bist du. eigentlich? Seit gestern

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