Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 34 (30.8.1918)
- Date
- 1918-08-30
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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s«u m Äk. Bloch's Wochenschrift fit. U tea. Nach -Paris, der Sehnsucht seiner -Musiöerseole, M Christof seine Schritte. Daß. Dean Christof als Musikerviel mit. Juden in Berührung! kommt, ist selbstverständlich. Rolland benützt, diese so oft sich darbietende Gelegenheit seines Helden, um sich sehr eingehend mir Juden und Judentum M befassen. Er tut es würdig des großen Werkes und seines Dichterruhms. Er holt sich seine Anschaltungen nicht, wie so viele andere Erzähler, von der Gosse, aus iden Zeitun-gen mit chrem Gewäsch und Tratsch aus Kneipen -und Bierstuben, von unwissender Demagogie und dreister Unkenntnis. Ihm ist in langjähriger Berichrung mit L«n literarischen und musikalischen Juden, mit den jüdischen Intellektuellen das innere Wesen dieser jungen .Juden, die nur noch nominell Juden sein wollten, und jener, die ihr Judentum im neuen Vaterland noch erhalten und. retten inächten, zum Studium geworden. Rolland steht in der Beurteilung dieser Juden nicht inmitten der Karteien, sondern über ihnen. Wie er die Tugenden und Fehler der Deutschen und Franzosen klar sieht, die AWngel geißelt, die guten Seiten lobt und anerkennt, so .steht er auch objetrio den Juden und dem Judentum gegenüber. Er lechzt nicht nach dem Beifall der Antisemiten und will auch von uns Juden keinen Lorbeerkranz, er .schildert Juden und Judentum, wie er . beide in den Kreisen kennen gelernt hat, von denen er in seinem Romane schreibt. Er sieht das Fratzenhafte, Geckenhafte, Unwahre an so vielen dieser Literaturjuden und findet herbe Worte für ihren schädlichen Einfluß.. Ein Gräuel sind ihm diese Juden, die sichdeutscher wie die Deutschen, französischer wiL—die^Franzosen gebärden, diese zersetzenden, Halben Menschen, ohne Bodenständigkeit, ohne Tradition, denen nichts heilig ist, die nur niederreißen, über alles sich lustig machen/ alles in den Kot zerren, die nur ironisieren, kritisieren und nörgeln. Eine ganze Galerie solcher Juden zeigt er uns: unsympathische Lasten, denen man nicht zuhören kann, ohne Galle zu spucken. Aber ebenso offen ist sein Auge für alle guten Seiten der Juden, für ihr Talent, chren Scharfblick, ihren Verstand, chre Güte, ihre Wohltätigkeit, für ihre Intelligenz, ihre Energie und Tatkraft. Er verehrt die jüdische Raste, die Bibel, das Judentum und hat mehr Respekt vor den alten Juden, die noch waschechte Juden waren und nichts anderes sein wollten, als vor diesen jungen Juden, die um jeden Preis ihr Judentum verleugnen wollen, dabei erst recht gerade die schlechtesten Eigenschaften ihrer Rasse oder ihrer Geschichte an sich tragen. Darum geißelt Rolland mit herben Worten den Zynismus, den Nihilismus, die innere Leere, hie Falschheit, die niedrige Sinnlichkeit, die moralische Halrtofig&it, die Charakterlosigkeit, dieser jungen Juden. Er tadelt so herb, hat für diese Juden so rücksichtslos bittere Worte, daß sich davon die Eigenliebe selbst der Hesse g» ren Juden im ersten Moment tief verletzt fühlt. Und doch versöhnt er uns immer wieder. Denn er geißelt — gleich den alten 'Propheten Israels — nicht aus Haß, sondern aus Liebe. Er züchtigt;, aber entschuldigt zugleich, wie Moses sein Volk, als es das; goldene Kalb anbetete. Er. will nicht nur die Hand auf die Wunde legen, sondern sie .auch, heilen. Nicht die Abneigung, gegen die Juden zu petrifizieren betrachtet er als seine Ausgäbe, sondern uns anzueifern zur Bekämpfung der Fehler und Mängel: .Er ist nicht Judenfeind, sondern Judensreund, weil Menschenfreund. Er verachtet die Antisemiten und verhöhnt ihre Dummheit. Ihm ist nicht nur eine schöne Senteltz sein Wort: ,)Liehe ist de'r Mkaßstab des Lebens", sein ganzes Buch; atmet diese Liebe, auch, gegen die Juden. Wie er nichts^ von den Lastern, und Tugenden der zwei großen Nationen zu verheimlichen sucht,. deren Spiegelbild dieser große Roman ist, so offen und rückhaltlos spricht er von. den Gebresten, aber auch von den rühmenswerten Eigenschaften der Inden, die er nicht ansteht, die edelste Rasse zu nennen. Auch den: Heranwachsenden jüdischen Geschlecht, wie dem der ganzen Welt, gilt Romain Rollands. Sehnen: „Seid größer und glücklicher als wir." Der tiefe Ernst, mit den: Rolland wie Judenfrage behandelt, durch den er so unendlich weit die Masse der Dichter und Schriftsteller hinter .sich laßt, 'die mit beleidigender Oberflächlichkeit zu dieser brennenden Frage Unseres Zeitalters das Wort ergreifen, seine heilige Ergriffenheit hat michbewogen, seine Aeußerungen im „Jean Christof" über Juden und Judentumals Teil für sich zu veröffentlichen und zu besprechen. Wir alle, Christen wie Juden, wollen von ihm lernen. Nicht ohne Widerspruch kann manches Wort hingelwmmen werden. Rolland hat nicht nur einmal in bezug auf jüdisches Wesen und jüdische Art schlecht gesehen. Trotzdem sind seine Aeußerungen über Juden und Judentum von großen; und dauerndem Wert. (Forts, folgt.) Anläßlich der hohen Feiertage entbiete ich allen Mitgliedern, Freunden und Bekannten meine herzlichsten Glückwünsche Bernhard Mayer Obmann des Bethaus Vereines »Tefilath Jeschurun«. Frl. KLHRR HÖNIG, Usfrzyki Herr LEOPOLD GLASER, Wien empfehlen sich als Uerlobfe m BETHAUSANZEIGE. *1 X. Anläßlich der hohen Feiertage werden am 5., 6., 7., 15. und 16. September im gut ventilierten Festsaale des Österr. Bühnenvereines Wien, I. Bezirk, Dorotheergasse 6—8 feierliche Gottesdienste mit Chor abgehalten. — Die kantorale Leitung hat der bekannte jüdische Sänger Herr J, ÖGUtSCh übernommen. Betsitzkarten sind täglich von 9 Uhr früh bis 7 Uhr abends im Betlo_ka 1 e zu haben. urck verantwortlicher Redakteur: Dr.Jvsef S. Bloch. Druck von L. Beck ck Sohn, Men. Vll.